Sonntag, 5. April 2020

US-Zulieferer spürt Boeing-Krise und sucht Alternativen General Electric will Boeing-Lücke mit neuen Triebwerken für A330 füllen

A330neo: Der US-Konzern General Electric verhandelt mit Airbus offenbar darüber, neue Triebwerke für das Großraumflugzeug zu entwickeln und zu bauen

Boeings Debakel mit der 737 Max hat nicht nur den Flugzeugbauer in die größte Krise seiner Geschichte gestürzt, sondern lastet zusehends auch auf der US-amerikanischen Konjunktur. Zum einen gilt Boeing als größter heimischer Exporteur der Vereinigten Staaten, zum anderen trifft der Produktionsstopp der 737 Max und das unbefristete Startverbot zahlreiche Zulieferer. Sie haben Mitarbeiter entlassen und Gewinnwarnungen ausgesprochen.

Ende Januar hatte Boeing zudem angekündigt, die Produktion des 787 Dreamliner weiter zurückzufahren und bei der Entwicklung eines neuen mittelgroßen Passagierflugzeuges (inoffiziell Boeing 797) ganz von vorn anzufangen. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass auch General Electric (GE) sich nach Alternativen umschaut.

General Electric Börsen-Chart zeigen ist der größte Zulieferer von Boeing und verhandelt nun offenbar mit Boeings schärfsten Rivalen Airbus über die Entwicklung und Lieferung eines neuen Triebwerks für das neue Großraumflugzeug A330neo, berichtet das "Wall Street Journal" (€) unter Berufung auf Insider.

Der Produktionsstopp und das anhaltende Startverbot für die 737 Max beinträchtige den Cashflow des Triebwerksherstellers empfindlich, schreibt die Zeitung. GE sei aber bemüht, die Auswirkungen der Anfang Januar eingestellten Produktion der Boeing-Maschine durch eine verstärkte Produktion von Triebwerken für den A320neo auszugleichen.

Zugleich versuche GE, sich auch als Triebwerkslieferant für die größeren Jets des europäischen Flugzeugherstellers zu positionieren, da GE beim 787 Dreamliner von Boeing mit dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce konkurriere. Ziel sei es, eine ähnliche Triebwerksvariante, wie sie beim Dreamliner zum Einsatz komme, für den A330 zu entwickeln und zu produzieren.

General Electric, Airbus und Rolls-Royce reagieren ausweichend

General Electric wollte sich zu den möglichen Verhandlungen mit Airbus nicht äußern und erklärte laut WSJ vielmehr ausweichend: "Wir arbeiten kontinuierlich daran, Möglichkeiten zur Wertschöpfung für unsere Kunden zu identifizieren und die Einführung neuer Technologien in unsere bestehenden Triebwerke zu bewerten."

Rolls-Royce ist derzeit die einzige Triebwerksoption für den Airbus-Jet. Eine Rolls-Royce-Sprecherin erklärte der Zeitung, das Unternehmen sei "sehr zufrieden mit der Leistung" seines Triebwerks für das Flugzeug. Airbus selbst erklärte ebenfalls ausweichend, man sei "immer in Gesprächen mit unseren Triebwerksherstellern über neue Technologien" und fügte hinzu, dass das aktuelle Rolls-Royce-Triebwerk für den A330neo ein "gutes und solides Angebot" sei.

Nach Interpretation des Wall Street Journal signalisiere GEs Interesse an der Bereitstellung von Triebwerken für den A330neo auch ein gewisses Vertrauen in die Chancen dieses neuen Flugzeugs. Zuletzt hatte Airbus die Produktion des Modells auf 40 Stück in diesem Jahr nach 53 Maschinen im vergangenen Jahr gedrosselt.

Die Aussichten für den A330neo hätten sich aber erheblich verbessert, nachdem Boeing mitten in der Max-Krise beschlossen hatte, bei dem inoffiziell als Boeing 797 firmierenden Modell alles auf Anfang zu setzen.

Airbus hat im vergangenen Jahr Boeing erstmals seit 2011 den Titel des weltgrößten Flugzeugbauers wieder entrissen. Und die Probleme von Boeing scheinen nach dem ersten Konzernverlust seit mehr als 22 Jahren nicht kleiner zu werden: Im Januar hatte die Verkehrsflugzeugsparte des Luftfahrtriesen nach eigener Mitteilung keine einzige neue Bestellung verbuchen können.

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