Unkreative Zerstörer Wie Konzerne und Verbände neue Ideen von Start-ups torpedieren

Airbnb kämpft gegen die Hotellobby, Tesla gegen Autohändler und Carsharing-Anbieter gegen Autovermieter: Sobald innovative Neulinge den Markt aufmischen, wehren sich die Platzhirsche oft mit Händen und Füßen. manager magazin zeigt prominente und kaum beachtete Beispiele.

Hamburg - Innovation? Gerne, aber nur, wenn sie von uns kommt! Nach diesem Motto versuchen große Konzerne und Interessenverbände immer wieder, sich lästige Konkurrenz vom Leib zu halten. Da werden plötzlich Sicherheitsbedenken ins Feld geführt, Demonstrationen organisiert oder Volksvertreter unter Druck gesetzt. Hier sieben Beispiele:

Private Autovermieter gegen Sixt und Co.

Tauschbörse Tamyca: Dorn im Auge professioneller Autovermieter

Tauschbörse Tamyca: Dorn im Auge professioneller Autovermieter

Foto: tymyca

Wer sich für ein paar Tage einen Wagen leihen will, hat dazu dank Internet und Smartphone zusätzliche Möglichkeiten: Anbieter wie Autonetzer, Nachbarschaftsauto und Tamyca vermitteln Fahrzeuge von Privatpersonen in der Umgebung. Oft sind die Wagen billiger als von professionellen Vermietern, das Schadensrisiko übernimmt meist eine Versicherung.

Anbietern wie Sixt , Europcar und Hertz stößt die wachsende Konkurrenz übel auf - sie sehen in Teilbereichen des Marktes ihr Geschäft bedroht. Vor Gericht will der Bundesverband der Autovermieter deshalb erzwingen, dass private Anbieter ihre Autos aus Sicherheitsgründen offiziell als Mietwagen registrieren lassen. Dazu bedarf es einer speziellen Zulassung und jährlicher Checks - aufwändig und teuer.

Kommen die Platzhirsche mit ihrer Idee durch, könnte das eine sinnvolle Idee zerstören. Selten genutzte Autos stünden wieder häufiger unnütz herum. Um das Autoteilen trotz gerichtlichen Verbots wieder zu ermöglichen, wäre eventuell der Gesetzgeber gefragt - dann könnten die Autovermieter ihre volle Lobbymacht ausspielen.

Airbnb gegen die Hotelindustrie

Zimmervermittler Airbnb: Hotellobby kämpft gegen Start-up

Zimmervermittler Airbnb: Hotellobby kämpft gegen Start-up

Börsenkenner schätzen den Wert des Zimmervermittlers Airbnb inzwischen auf zehn Milliarden Dollar. Kein Wunder, mischt das Unternehmen den Tourismussektor derzeit gründlich auf. Über die Website finden Reisende billige Unterkünfte - auch in Messezeiten sind sie nicht den Preisexzessen der Hotels ausgeliefert. So sparen User von Airbnb in Manhattan oft 200 Dollar im Vergleich zu einer Hotelübernachtung.

Allianzen aus Hotelindustrie, Stadtkämmerern und Mietervereinen gehen nun in vielen Städten weltweit gegen Airbnb vor. Zumindest die Vermietung ganzer Wohnungen, deren Besitzer gar nicht anwesend ist, wird zunehmend ausgeschlossen. Faktisch werden Reisen damit teurer als sie es sein müssten. Ob sie dagegen sicherer werden oder mehr Wohnraum entsteht, ist dagegen völlig unklar.

Tesla gegen die US-Autohändlervereinigung

Autohersteller Tesla: Klassische Händler sehen sich bedroht

Autohersteller Tesla: Klassische Händler sehen sich bedroht

Foto: AFP

Tesla-Chef Elon Musk hält von Autohändlern nicht viel. Diese würden lediglich die Vertriebskosten hochtreiben und den Kunden unnötiges Zubehör verkaufen. Zudem fehle ihnen jegliches Gespür für das Wesen von Elektroautos, weshalb sie im Zweifel nicht Teslas Model S, sondern lieber Pickup-Trucks verkaufen würden.

Tesla  vertreibt seine Autos daher direkt - und beißt sich an der Autohändlerlobby zunehmend die Zähne aus. Diese gilt in vielen US-Bundesstaaten als exzellent vernetzt und setzt vielerorts Verkaufsverbote gegen Tesla durch: Auch der kalifornische Hersteller müsse gezwungen werden, Händler zwischenzuschalten. So dürfen Mitarbeiter in Tesla-Geschäften in New Jersey, Texas und Arizona Kunden nur beraten, aber keine Bestellungen entgegennehmen.

Das Beispiel zeigt aber auch, wie der Angreifer (Tesla) erfolgreich eine Lobby gegen die Platzhirsche (Autohändler) aufbaut. So haben mehr als 100.000 Tesla-Fans in einer Petition an die Regierung für den Direktvertrieb plädiert. Auch der wachsende wirtschaftliche Einfluss Teslas macht sich bemerkbar. Arizona deutete bereits einen Rückzieher von der harten Gesetzgebung an, nachdem der Autobauer den Staat als möglichen Standort für eine gigantische Batteriefabrik ins Spiel gebracht hat.

Solaranlagenbesitzer gegen Energiekonzerne

Photovoltaikanlage: Energieversorger streiten für Solarsteuer

Photovoltaikanlage: Energieversorger streiten für Solarsteuer

Foto: DPA

Lange waren Solaranlagen teuer. Ohne Subventionen war es nicht wirtschaftlich, die Paneele auf Dächern zu installieren. Wenn auch zunehmend zähneknirschend, brachten Stromkunden und Steuerzahler die Fördergelder aber einigermaßen gern auf, um die Technologie an den Markt heranzuführen und so das Klima zu schützen.

Doch kaum ist das gelungen (selbst verbrauchter Solarstrom ist in vielen Staaten billiger als Strom aus dem Netz), bemerken die Energiekonzerne, wie gefährlich ihnen ein ungebremster, selbstragender Solarboom werden kann. In einigen Ländern wie Bulgarien und Österreich ist es der Interessenvertretung bereits gelungen, eine Steuer auf Solarstrom durchzusetzen. In den USA und Australien ist Ähnliches im Gespräch.

In Deutschland sollen Besitzer von Photovoltaikanlagen bald auf selbst verbrauchten Solarstrom einen Teil der EEG-Umlage zahlen. Umweltfreundlich erzeugter, billiger Strom wird durch solche Maßnahmen auf einmal wieder teurer.

Dagegen ist der Strom für Braunkohlebagger von der EEG-Umlage ausgenommen. Mitarbeiter des Energiekonzerns Vattenfall haben sogar Demonstrationen organisiert, um das Image des schmutzigen Energieträgers, der hohe Folgekosten für die Gesellschaft verursacht, aufzupolieren.

Mitfahrzentralen gegen Taxi-Lobby

Klassisches Taxi: Mitfahrzentralen wie Uber als Gefahr

Klassisches Taxi: Mitfahrzentralen wie Uber als Gefahr

Foto: DPA

Über das Smartphone ein Auto samt Fahrer zu sich rufen - das ermöglichen Apps wie Uber und Lyft. Klar, dass die Taxi-Lobby Sturm läuft. "Eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit", sei das, empört sich der US-amerikanische Droschkenverband. Im Sinn hatte er dabei allerdings wohl eher die sinkenden Umsätze seiner Mitglieder.

Sehr zur Freude des Verbands hat der Stadtrat von Seattle (USA) gerade entschieden, dass gleichzeitig höchstens 150 private Chauffeure auf den Straßen der Stadt unterwegs sein dürfen. Damit wird das Monopol der Taxifahrer faktisch zementiert. Der Weg durch die Stadt wird für viele Menschen beschwerlicher und teurer.

Versandapotheke Doc Morris gegen Pharmazeuten-Establishment

Apotheke Doc Morris: Klassische Pharmazeuten schlagen zurück

Apotheke Doc Morris: Klassische Pharmazeuten schlagen zurück

Foto: Marijan Murat/ picture alliance / dpa

Im Kampf zwischen Versandapotheken und Traditions-Pharmazeuten hat es nicht selten handfeste Drohungen gegeben: Patienten von Krankenkassen, die sich für den Internetverkauf aussprechen, sollten ihre Medikamente aus eigener Tasche vorfinanzieren, forderte 2002 die Initiative "Pro Apotheke".

Derart scharf verläuft die Debatte heute nicht mehr, und dennoch bieten traditionelle Apotheken der onlinegestützen Versandkonkurrenz ordentlich Paroli. So sind Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente inzwischen höchstrichterlich verboten. Kranke sollen immer und überall dasselbe für ihre Arznei zahlen. Der Bundesgerichtshof folgte damit der Argumentation der Verbände.

Was nach Gerechtigkeit klingt, verteuert faktisch den Medikamentenbezug. Vor allem chronisch kranke Patienten, die stets dasselbe Medikament benötigen, und ihre Kassen zahlen drauf.

Fernbusanbieter gegen Deutsche Bahn

Verkehrsunternehmen Meinfernbus: Die Bahn nimmt den Wettbewerb an - notgedrungen

Verkehrsunternehmen Meinfernbus: Die Bahn nimmt den Wettbewerb an - notgedrungen

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Wie lange der Kampf gegen einen Wirtschaftsplatzhirschen dauern - und schließlich erfolgreich enden - kann, zeigt das Beispiel der Fernbusverbindungen in Deutschland. Das seit 1935 geltende Personenbeförderungsgesetz schloss derartige Verbindungen weitgehend aus, um die zu schützen.

Deren Verhinderungsmacht brach im Jahr 2012 zusammen, als die schwarz-gelbe Bundesregierung Fernbuslinien ermöglichte. Seither sind Hunderte neue Verbindungen entstanden. Sie ermöglichen preisgünstiges Reisen und verbinden Städte, auf denen es keine direkte Bahnverbindung gibt.

Die Bahn selbst ist in den Bus-Wettbewerb eingestiegen. Jüngst hat sie sogar eine neue billige Bahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg angekündigt - als Reaktion auf die neue Konkurrenz. Zu den befürchteten Streckenstilllegungen ist es jedoch noch nicht gekommen.

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