Mittwoch, 19. Juni 2019

Illegale Ferienwohnungen in München Airbnb muss Namen und Daten von Vermietern nennen

Der Online-Unterkunftsvermittler Airbnb muss der Stadt München die Namen und Adressen von Anbietern illegal genutzter Ferienwohnungen preisgeben

Hotels und Pensionen sind sie schon lange ein Dorn im Auge: Menschen die ihre Wohnung bei Airbnb anbieten. Oft betreiben sie das gewerbsmäßig, haben aber kein Gewerbe angemeldet, noch führen sie dafür Steuern ab. Richter haben Airbnb jetzt verpflichtet, der Stadt München Namen und Adressen illegal genutzter Ferienwohnungen zu nennen. Auch Hamburg macht gegen Airbnb mobil.

Airbnb muss der Stadt München die Namen und Adressen von Anbietern illegal genutzter Ferienwohnungen preisgeben. Wie das Verwaltungsgericht München am Donnerstag mitteilte, haben die Richter eine Klage des US-Unternehmens gegen eine entsprechende Anordnung der Stadt abgewiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Behörden können somit die Daten aller privaten Unterkünfte bei Airbnb anfordern, die länger als acht Wochen im Zeitraum von Januar 2017 bis einschließlich Juli 2018 als Ferienwohnung angeboten worden sind.

Private Wohnungen, die mehr als acht Wochen im Jahr als Ferienwohnung angeboten werden, gelten als zweckentfremdet - die Anbieter begehen eine Ordnungswidrigkeit. Airbnb bedauerte das Urteil und kündigte an, weitere Schritte prüfen zu wollen.

Auch Hamburg macht mobil gegen Airbnb

Airbnb spürt auch in anderen deutschen Metropolen zusehends Gegenwind. So verpflichtet die Stadt Hamburg jeden Anbieter einer Ferienwohnung mit Beginn des nächsten Jahres dazu, sich mit einer "Wohnraumschutznummer" registrieren zu lassen.

Diese Nummer muss in jeder Angebotsanzeige stehen und damit nicht nur bei Airbnb. Internetplattformen sind dazu verpflichtet, Inserate ohne diese Nummer sofort zu löschen. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro. Hamburg will das Gesetz eigens mit acht neuen Stellen überwachen lassen. Zugleich hat die Stadt den Zeitraum, in dem eine Wohnung als Ferienunterkunft vermietet werden darf, von sechs auf zwei Monate im Jahr verkürzt.

Das Motiv ist klar: Da Wohnraum in Großstädten ohnehin knapp und teuer ist, verschärfen Vermittler von Unterkünften wie Airbnb indirekt noch das Problem. Denn für Wohnungsbesitzer kann es deutlich lukrativer sein, die Wohnung dauerhaft an Touristen oder Geschäftsleute als an reguläre Mieter zu vergeben.

Als touristisch attraktiv geltende Städte leiden dann besonders. So soll in der Altstadt von Florenz ein Fünftel der Wohnungen über Airbnb vermietet werden. Auch wer in Athen einmal Kurzurlaub gemacht hat, staunt über das riesige Angebot der über Airbnb vermittelten privaten Wohnungen.

Macht das Beispiel der Städte von Hamburg und München Schule in Deutschland, dürften damit die Geschäfte von Airbnb und Co empfindlich gestört werden. Daher versucht das Unternehmen der Entwicklung entgegenzusteuern.

Airbnb-Deutschlandgeschäftsführer Alexander Schwarz bezeichnete das Gesetz im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" als "unverhältnismäßig". Es treffe vor allem Bürger, die durch das Vermieten ihrer Wohnung am Tourismus teilhaben könnten.

Einen negativen Einfluss auf den lokalen Wohnungsmarkt sieht der Manager damit nicht gegeben. Airbnb behauptet unter Verweis auf eigene Daten, dass im Jahr 2017 in Hamburg 92 Prozent aller Unterkünfte auf Airbnb weniger als 180 Tagen vermietet und damit überwiegend zu eigenen Wohnzwecken genutzt worden seien.

Millionen Menschen nutzten 2017 Airbnb in Deutschland

Erstmals hat das Unternehmen Zahlen für das Deutschlandgeschäft genannt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende Juni hätten 3,6 Millionen Menschen Airbnb genutzt, um nach Deutschland zu reisen, sagte Airbnb-Co-Gründer Nathan Blecharczyk dem "Handelsblatt". "Umgekehrt sind fast sieben Millionen aus Deutschland heraus über Airbnb in die ganze Welt gereist."

Die Plattform wachse weltweit. Im Kerngeschäft mit Home-Sharing verzeichne Airbnb inzwischen 400 Millionen Gäste. Der Bereich Unterkünfte und die Buchungen von Geschäftskundenreisen über "Airbnb for Work" hätten sich in den vergangenen beiden Jahren im Vergleich zum Vorjahr jeweils verdreifacht.

mit dpa

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