Mittwoch, 19. Juni 2019

Streit um Staatseinstieg bei Air France-KLM So wettert Frankreich gegen Airline-Coup der Niederlande

Die Niederlande ziehen mit Frankreichs Beteiligung bei Air France-KLM gleich - was den Franzosen gar nicht passt

Der überraschende Einstieg der Niederlande bei der Fluglinie Air France-KLM verärgert Frankreich. "Es dürfen auf keinen Fall innenpolitische Debatten am Tisch des Verwaltungsrats ausgetragen werden", warnte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und forderte die niederländische Regierung auf, über ihre Absichten aufzuklären.

Noch deutlichere Worte fand Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire: "Die Entscheidung der niederländischen Regierung ist unverständlich und unerwartet." Die französische Regierung und der Verwaltungsrat der Allianz seien im Vorhinein nicht über das Vorhaben informiert gewesen.

Am Dienstagabend war bekannt geworden, dass der niederländische Staat sich für 680 Millionen Euro einen Anteil von 12,68 Prozent an der Fluggesellschaft Air France-KLM Börsen-Chart zeigen gesichert hatte und nun bald so viele Anteile wie Frankreich hält. Ziel sei es, den Einfluss auf die Airline zu stärken, so der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra der Nachrichtenagentur ANP zufolge. Letztlich will die Regierung in Den Haag auf einen Anteil von rund 14 Prozent kommen - das würde dann der Beteiligung des französischen Staates entsprechen, der 14,3 Prozent an der Holding hält. Dem Aktienkurs der Airline tat dies gar nicht gut: Er sackte um bis zu 15 Prozent ab.

Air France hatte sich 2004 mit der niederländischen Airline KLM zusammengeschlossen. Nach Angaben von Finanzminister Hoekstra senden die Niederlande mit dem Aktienkauf ein deutliches Signal, dass sie die Interessen von KLM, der Öffentlichkeit und auch des Flughafens Schiphol stärker schützen wollen.

"Niederländischen Interessen nicht genügend Gewicht eingeräumt"

Die Niederlande wollten damit einen Beitrag für ein gesundes Unternehmen Air France-KLM leisten, aber auch die niederländischen Interessen in diesem gemeinsamen Luftfahrtunternehmen deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Laut Hoekstra wurden den niederländischen Interessen in den vergangenen Jahren bei Konzernentscheidungen nicht genügend Gewicht eingeräumt." "Die Crux ist, dass Schiphol von enormer Bedeutung für die niederländische Wirtschaft ist. Wir wollen sicherstellen, dass dies für lange Zeit so bleibt", sagte Hoekstra ANP zufolge.

Aus dem französischen Wirtschaftsministerium hieß es, dass das Verhalten der Niederländer eher an die Techniken von Aktienhändlern als an einen staatlichen Aktionär erinnere. Es sei gegenüber dem Verwaltungsrat von Air France und den anderen Aktionären "überraschend" und "unfreundlich" gewesen, vorab nicht über diese Entscheidung zu informieren.


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Le Maire hat nun seinen niederländischen Amtskollegen eingeladen, nach Paris zu kommen, damit dieser die niederländischen Absichten erklären könne, kündigte Präsident Macron an. Dies sei wichtig, denn Air France-KLM sei ein großes europäisches Unternehmen mit vielen Mitarbeitern - nicht nur aus Frankreich und den Niederlanden. Macron und Le Maire betonten, dass das nun die Interessen von Air France-KLM gewahrt werden müssten. "Die Grundsätze der guten Führung müssen respektiert werden", erklärte Le Maire. Es dürfe keine "staatliche Einmischung" geben.

Gute Zahlen trotz interner Streitigkeiten

"Der Verwaltungsrat wird die Auswirkungen dieser neuen Beteiligung auf die Gruppe, ihre Mitarbeiter, ihre Führungsstruktur und ihren Marktwert genau beobachten", teilte Air France-KLM mit. Die Fluggesellschaft bestätigte, dass der niederländische Staat den Anteil "ohne Rücksprache" erworben hatte. Nun solle sichergestellt werden, dass diese neue Beteiligung die neue Arbeitsdynamik der Gruppe nicht beeinflussen werde.

Air France-KLM hat trotz eines turbulenten Sommers mit Chefwechsel und Streiks in Europa 2018 mehr verdient. Unter dem Strich blieb ein Gewinn in Höhe von 409 Millionen Euro und damit deutlich mehr als ein Jahr zuvor mit 163 Millionen, hatte der Konzern unlängst mitgeteilt.

Im vergangenen Jahr steigerte Air France-KLM den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dank gestiegener Ticketpreise und besser ausgelasteter Flugzeuge um 2,5 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro.

Der Kanadier Smith hatte im September den Chefposten bei Air France-KLM übernommen. Er folgte damit dem Franzosen Jean-Marc Janaillac, der vor dem Hintergrund eines Gehaltsstreits mit französischen Gewerkschaften zurückgetreten war. Smith will den Luftfahrtkonzern durch bessere Zusammenarbeit seiner beiden großen Airlines auf niedrigere Kosten trimmen. KLM-Chef Pieter Elbers hatte sich gegen Smiths Integrationspläne gewehrt.

wed/lwe/rei/dpa/Reuters

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