Freitag, 22. November 2019

Ungewisse Zukunft für Tausende "AirBerliner" Von der Flugkabine in den Knast?

Neue Jobangebote für von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte von Air Berlin bietet der Berliner Senat ab heute auch im Justizvollzugsdienst an
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Neue Jobangebote für von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte von Air Berlin bietet der Berliner Senat ab heute auch im Justizvollzugsdienst an

2. Teil: "Diese Raffke-Mentalität ist erschreckend"

Dass Air-Berlin-Chef Winkelmann eines Tages wieder bei der Lufthansa-Gruppe anheuert, die nach der Übernahme der Air-Berlin-Maschinen mit 98 Prozent den Markt für Inlandsflüge beherrscht, schließt Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller nicht aus.

Für den Fall aber sollte Winkelmann auf sein Gehalt verzichten, fordert der Chef der Verbraucherzentralen. "Wenn Herr Winkelmann den nächsten Job antritt, zum Beispiel bei der Lufthansa, wäre es ein Zeichen des Anstands, wenn er sein Air-Berlin-Gehalt für die Entschädigung der Fluggäste spendete."

Winkelmann war erst im Februar vom Lufthansa-Konzern nach Berlin gekommen. Zu einem Zeitpunkt also, als bereits erhebliche Zweifel an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft von Air Berlin bestanden, wie Kritiker anmerken.

Mancher wird da noch deutlicher: "Die Raffke-Mentalität des Vorstandsvorsitzenden von Air Berlin ist erschreckend. In einer Situation, in der Tausende Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit stehen, ist das einfach nur asozial", sagt Carsten Schneider, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, der "Welt". FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer spricht von einem "skandalösen Verhalten" Winkelmanns, das die Fundamente der sozialen Marktwirtschaft untergrabe. Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer erklärt: "Solche langjährigen Verträge bei angeschlagenen Firmen gehen gar nicht."

Von einem Sanierungserfolg Winkelmanns kann keine Rede sein

Viel verbale Aufregung und Betroffenheitsadressen also. Entscheidend wird sein, welche Schlüsse Politik und Gesetzgeber daraus für die Zukunft ziehen. Dass die Politik mit der sich abzeichnenden Air-Berlin-Pleite auf einem hart umkämpften Markt einen "nationalen Champion" befürwortete und sich unverblümt für die Lufthansa quasi als Air-Berlin-Erben aussprach - das ist die eine Sache. Eine andere ist es, ob derlei Transaktionen wie so oft mit "goldenen Fallschirmen" für das Spitzenpersonal abgesichert sein müssen und dürfen.

Bei Air Berlin sieht man das selbstredend anders und weist die Kritik zurück: Das Geld für die Bankgarantie habe Großaktionär Etihad gestellt und gehe nicht zulasten der Insolvenzmasse. Etihad habe mit der Garantie Winkelmann als "erfahrenen Manager" binden und die Sanierungsbemühungen langfristig unterstützen wollen.

Einen Sanierungserfolg kann sich Winkelmann nicht auf die Fahnen schreiben. Als Erfolg wird es der Manager dagegen sehen, dass er die Filetstücke der Air Berlin noch rechtzeitig für seinen alten Arbeitgeber mit retten konnte.

mit dpa

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