Transfergesellschaft vom Tisch Tausende AirBerliner arbeitslos - Lufthansa-Aktionäre feiern

Tauende Mitarbeiter von Air Berlin werden wohl arbeitslos. Für sie wird es keine große Transfergesellschaft geben. Kurz vor dem letzten Flug an diesem Freitag hofft die Airline auf eine kleinere Lösung für 1000 AirBerliner - aber auch das ist noch nicht sicher.
Zukunft ungewiss: Bayern und die Lufthansa wollen kein Geld geben für eine Transfergesellschaft, der Bund und NRW nur im geringen Ausmaß

Zukunft ungewiss: Bayern und die Lufthansa wollen kein Geld geben für eine Transfergesellschaft, der Bund und NRW nur im geringen Ausmaß

Foto: imago/Gerhard Leber

Während die Lufthansa auf das dritte Rekordjahr zusteuert und die gekauften 81 Air-Berlin-Flugzeuge die Kranich-Linie in neue Höhen katapultieren sollen, stehen in Kürze Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft vor der Kündigung:

Eine zunächst erhoffte große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Beschäftigte ist vom Tisch. Möglich ist aber noch eine kleine Variante für bis zu 1200 Mitarbeitern - vor allem für das Bodenpersonal.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte am Mittwoch nach einem Treffen von Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern mit dem Bund, man habe sich nicht auf eine Lösung verständigen können. Bayern habe kein Geld geben wollen, Nordrhein-Westfalen und der Bund nur in einem geringem Umfang. Deshalb werde es eine Transfergesellschaft für alle Betroffenen "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben". Berlin werde aber eine "kleine Lösung" für die Berliner Beschäftigten unterstützen, sagte Kollatz-Ahnen.

Auch Air Berlin drückte die Hoffnung aus, dass zumindest eine Lösung für das Bodenpersonnal gefunden wird. Dafür müsste das Land Berlin aber eine verbindliche Finanzierungszusage machen.

Bayern will nicht helfen, die Lufthansa auch nicht

Bayern und auch die Lufthansa, die große Teile der Air Berlin übernehmen wird, hatten eine finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft zuvor abgelehnt. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin hätte bis zu 10 Millionen Euro bereitgestellt - bei einem angenommenen Finanzbedarf von bis zu 50 Millionen Euro.

In einer Transfergesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich aber nicht arbeitslos melden und gewinnen Zeit für die Stellensuche.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Am Freitag stellt die Airline ihren eigenen Flugbetrieb endgültig ein. Im Air-Berlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8000 Mitarbeiter verteilen.

Lufthansa sagt Übernahme von 1500 AirBerlinern zu

Die Lufthansa will rund 3000 Mitarbeiter bei ihrer Tochter Eurowings einstellen: Rund die Hälfte davon wird mit den Air-Berlin-Töchtern Niki und LG Walter übernommen, auf die anderen Stellen müssen sich Ex-Air-Berliner bewerben. Das sorgt für Unmut bei Gewerkschaften, die große Gehaltseinbußen befürchten. Einige Flugbegleiter wollen auch gerichtlich gegen mögliche Kündigungen vorgehen.

Zu den Beschäftigten zählen neben Piloten und Flugbegleitern auch Verwaltungsangestellte. Auf Jobmessen hatten bereits mehrere Arbeitgeber um die Kollegen der Airline geworben, zum Beispiel die Bahn und die Berliner Verwaltung. Auch die Bundeswehr wirbt derzeit um Ex-Air-Berliner.

Air-Berlin-Deal soll Lufthansa in neuen Höhen heben

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Letzte Flüge der insolventen Air Berlin: Aufstieg, Sinkflug, Absturz und Ende von Air Berlin

Foto: Paul Zinken/ dpa

Die Lufthansa steuert auf das dritte Rekordjahr in Folge zu und will auf lange Sicht vor allem vom Air-Berlin-Deal profitieren. Rund drei Viertel der Passagiere der insolventen Rivalin will die Kranich-Linie künftig befördern.

Die Übernahme von mehr als der Hälfte der Air-Berlin-Flotte solle im kommenden Jahr den Umsatz um 1,5 Milliarden Euro ankurbeln und ab 2019 für noch mehr Gewinn sorgen, sagte Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson am Mittwoch. Zusätzlichen Auftrieb geben die Einigung mit den Piloten im langjährigen Tarifstreit und sinkende Kosten. "Wir erwarten ein sehr starkes Jahr für die Lufthansa-Gruppe", sagte Vorstandschef Carsten Spohr.

Eine konkrete Gewinnprognose gab er nicht ab. Aber schon vor einiger Zeit hatte Spohr für 2017 eine neue Bestmarke angedeutet. Im vergangenen Jahr flog die größte deutsche Airline einen Rekord-Gewinn vor Zinsen und Steuern von 1,75 Milliarden Euro ein. Dieses Jahr könnten es nach Einschätzung von Analysten 2,6 Milliarden Euro werden.

Lufthansa-Aktie steigt auf höchsten Stand seit mehr als 17 Jahren

Die Aktionäre sollen daran nach offiziellem Bekunden ordentlich beteiligt werden. Die Aussicht auf eine höhere Dividende verhalf der Lufthansa-Aktie zum höchsten Stand seit mehr als 17 Jahren. Mit einem Plus von mehr als zwei Prozent stieg sie im Tagesverlauf zum größten Dax-Gewinner auf, nachdem es anfänglich noch Gewinnmitnahmen gegeben hatte.

Quartalsergebnis klettert um rund ein Drittel

Im dritten Quartal legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um rund ein Drittel auf 1,52 Milliarden Euro zu. Mit diesem Gewinnplus im Rücken sieht Spohr die Lufthansa gut gerüstet für die anstehenden Investitionen. Allein in diesem Jahr sollen es 2,7 Milliarden Euro sein. In den Ausbau der Billig-Tochter Eurowings will Spohr 1,5 Milliarden Euro stecken, zwei Drittel davon in den Kauf von Flugzeugen. Eurowings übernimmt 81 der gut 130 Air-Berlin-Maschinen.

Rei/dpa/Reuters