Montag, 20. Mai 2019

Lufthansa-Dominanz steigt Business-Kunden fliegen nach Air-Berlin-Pleite teurer

Mit der Air-Berlin-Pleite müssen Geschäftsreisende offenbar deutlich mehr für Tickets zahlen, wenn sie Flüge für ihre Mitarbeiter bei anderen Anbietern buchen

Geschäftsreisende müssen seit der Pleite von Air Berlin für einen Flug deutlich tiefer in die Tasche greifen, behauptet ihr Interessenverband. Die Lufthansa als dominanter Anbieter von innerdeutschen und Europaflügen von deutschen Flughäfen dreht offenbar schon jetzt kräftig an der Preisschraube.

Die Insolvenz der Air Berlin macht sich nach Beobachtung des Geschäftsreiseverbands VDR schon jetzt in den Ticketpreisen bemerkbar. "Wir haben Rückmeldungen von unseren Mitgliedsunternehmen, dass es schon jetzt die Tendenz zu Preiserhöhungen gibt", sagte Vizepräsident Ralph Rettig den Wochenendausgaben der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) erläuterte, dass Firmen nun tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie für ihre Mitarbeiterflüge Air Berlin meiden und beispielsweise mit der Lufthansa verhandeln. Beziffert wurden die Preissteigerungen nicht.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt warnte schon unmittelbar nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin vor einem Lufthansa-Monopol auf bestimmten Strecken. Dem deutschen Marktführer werden im Bieterkampf um Air Berlin gute Chancen beigemessen. Bei innerdeutschen Flügen hat sie dem Zentrum zufolge schon jetzt einen Marktanteil von knapp 72 Prozent, bei den Europaflügen von deutschen Flughäfen einen Anteil von 36 Prozent.

Air-Berlin-Pleite angeblich ohne größere Folgen für Flughafengesellschaft

Dennoch werde die Insolvenz aus Sicht der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) keine größeren Folgen für das Geschäft an den Berliner Flughäfen haben. Die Slots für die Starts und Landungen blieben erhalten, deswegen mache es für die Airports keinen großen Unterschied, wer diese betreibe, sagte FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup der "Welt am Sonntag".

Es gebe bereits Gespräche mit anderen Airlines, auch über einen künftigen Ausbau der Langstrecken am noch nicht eröffneten BER. "Wir gehen davon aus, dass sich die Lufthansa - auch mit ihrer Tochter Eurowings - stärker in Berlin engagieren wird. Und wir rechnen mit mehr Langstreckenflügen."

Mindestens fünf Angebote für Air Berlin

Im Rennen um die Zukunft von Air Berlin ist seit Freitag die erste Etappe beendet. Mindestens fünf Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft gingen bis Fristende ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet , Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft. Ein weiteres Angebot hat auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl abgegeben, wie eine Sprecherin bestätigte. Nach einem Bericht von "B.Z." und "Bild" (Samstag) soll auch die British Airways ein Angebot abgegeben haben.

Air Berlin sprach am Freitag nur von "mehreren" Bietern und nannte keine Namen. Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden.

rei/dpa

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