FAQ zur Air-Berlin-Zerschlagung So weiden Lufthansa und Easyjet Air Berlin aus

Maschinen von Lufthansa, Air Berlin

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Die letzten Tage von Air Berlin (Kurswerte anzeigen) scheinen gezählt. Insolvenzverwalter und Kaufinteressenten nähern sich über einen möglichen Deal an. manager-magazin.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu, wie die Hauptstadt-Airline jetzt ausgeweidet wird.

1. Auf welchen Deal läuft die Air-Berlin-Zerschlagung hinaus?

Die Lufthansa (Kurswerte anzeigen) -Tochter Eurowings und Easyjet  werden bedeutende Teile von Air Berlin übernehmen - danach sieht es immer deutlicher aus. Die beiden Fluggesellschaften sind vom Gläubigerausschuss und jetzt auch vom Air-Berlin-Aufsichtsrat zu exklusiven Verkaufsverhandlungen eingeladen worden. Diese sollen am 12. Oktober abgeschlossen sein und sind offenbar schon weit fortgeschritten. Es gehe vor allem noch um Details, sagte Insolvenzverwalter Frank Kebekus. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann erklärte, auch mit der Condor-Mutter Thomas Cook könne es noch Gespräche geben.

Im Einzelnen gab Kebekus bisher lediglich bekannt, dass die Lufthansa die Air-Berlin-Tochter Niki mit ihren etwa 30 Flugzeugen übernehmen will und dazu weitere 13 A320-Flieger. Easyjet schielt auf 27 bis 30 A320-Maschinen der Pleite-Airline. Auch ein Kaufpreis ist offenbar schon ausgehandelt, über den aber noch Stillschweigen vereinbar ist. Medienberichten zufolge rechnet der Gläubigerausschuss mit bis zu 350 Millionen Euro. Entscheidend wird am Ende sein, welche Airline auf welcher Strecke fliegen darf, welche Slots sie also übernimmt.

Ist der Deal ein abgekartetes Spiel?

2. Ist der Deal ein abgekartetes Spiel?

Ein Stück weit ja, das gibt auch der Insolvenzverwalter zu. Schon vor der Insolvenz saß die Lufthansa mit am Tisch, als es um den Verkauf von Teilen von Air Berlin ging und hat in der jetzigen Situation einen Vorsprung. Regierungsmitglieder sprachen bereits davon, einen "nationalen Champion" zu erschaffen. Die Bundesregierung mischt in dem Verfahren mit, auch durch den 150-Millionen-Euro-Überbrückungskredit, den sie getilgt haben möchte.

Aktuellen und ehemaligen Bietern stößt der Zerschlagungsprozess übel auf. Eine "gewaschene Kartellklage" kündigte Unternehmer Utz Claassen an, der Air Berlin zusammen mit Luftfahrt-Urgestein Hans Rudolf Wöhrl komplett übernehmen wollte. Nachgerade eine Verschwörung wittert Ryanair -Chef Michael O'Leary. Air Berlin habe nur deshalb Insolvenz angemeldet, damit die Lufthansa die Airline übernehmen könne. So bemängelte auch Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter IAG, der Bieterprozess sei auf einen Erfolg der Lufthansa zugeschnitten gewesen. IAG hatte zwischenzeitlich ein bindendes Gebot für Teile von Air Berlin abgegeben.

Die Beteiligten sind dennoch überzeugt, dass der Zerschlagungsprozess legal abläuft. Letztlich werden darüber wohl Gerichte entscheiden.

Wie verändert sich die Lage für die Lufthansa im Wettbewerb?

3. Wie verändert sich die Lage für die Lufthansa im Wettbewerb?

Für die deutsche Vorzeige-Airline ist die Air-Berlin-Pleite ein Glücksfall. Es ist derzeit für eine klassische Fluggesellschaft wie die Lufthansa extrem schwierig organisch zu wachsen, da der Druck von Premium-Airlines wie Emirates sowie Billigheimern wie Ryanair extrem hoch ist. Deshalb ist die Lufthansa immer wieder darauf angewiesen, opportunistisch zu handeln - und beispielsweise Trümmer am Wegesrand aufzusammeln wie nun von Air Berlin.

Welchen konkreten Nutzen die neuen Flieger und Niki der Eurowings bringen, hängt stark davon ab, auf welchen Strecken sie tatsächlich fliegen. Das ist derzeit Gegenstand der Verhandlungen.

Wie steht es um die Jobs?

4. Wie steht es um die Jobs?

Nicht schlecht. Der Arbeitsmarkt im Luftfahrtsektor brummt. Schon 200 der etwa 8500 Air-Berlin-Mitarbeiter hätten eine neue Anstellung gefunden, sagte Unternehmenschef Winkelmann und begrüßte den Exodus. Vor allem in Berlin und Düsseldorf seien Kollegen bei der Konkurrenz untergekommen.

Passend dazu startete Eurowings am Montag einen Einstellungsoffensive. Satte 1000 neue Mitarbeiter sucht die Lufthansa-Tochter und warb ausdrücklich um Air-Berlin-Teams. Insgesamt sieht Winkelmann für 80 Prozent der Air-Berlin-Mitarbeiter gute Chancen, bei einem der Unternehmen unterzukommen, die nun um die Reste der Airline buhlen. Für den Rest sind Vermittlungsstellen an den Air-Berlin-Standorten eigerichtet.

Was kann jetzt noch schiefgehen?

5. Was kann jetzt noch schiefgehen?

Theoretisch können die europäischen Kartellbehörden Lufthansa und Easyjet noch einen Strich durch die Rechnung machen. Die Unternehmen loten bereits parallel zu den Verkaufsverhandlungen mögliche Hindernisse in Brüssel aus.

Wahrscheinlich wird der Deal aber zunächst bis Mitte Oktober über die Bühne gehen, da die Zeit drängt. Wenn Air Berlin das Geld ausgeht und die Flugzeuge am Boden bleiben, verliert die Gesellschaft ihre Start- und Landerechte. Sollten die Kartellbehörden ernste Bedenken haben, müssten die erworbenen Unternehmensteile schlimmstenfalls später weiterveräußert werden.

Die Lufthansa selbst rechnet trotz ihrer marktbeherrschenden Stellung damit, dass sie mit ihrem Angebot zum Zuge kommen wird, wie Vorstandschef Carsten Spohr erklärte. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland bereits einen Marktanteil von 34 Prozent. Er könnte auf knapp 50 Prozent steigen.

Drohen höhere Flugpreise in Deutschland?

6. Drohen höhere Flugpreise in Deutschland?

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Soweit muss es nicht kommen, wenn auf den wichtigsten innerdeutschen Strecken weiterhin mindestens zwei Anbieter verkehren. Ein Übernahme-Deal, der das nicht vorsieht, hätte vor den Wettbewerbshütern wohl keine Chance.

Eine kleine Erleichterung an der Preisfront könnte auch dieneue ICE-Strecke zwischen Berlin und München bringen. Sie wird im Dezember für den Verkehr übergeben und ermöglicht eine Reisezeit zwischen der bayerischen und der Bundeshauptstadt von unter vier Stunden. Noch attraktiver werden beispielsweise Zugfahrten von Nürnberg nach Berlin oder von Leipzig nach München.

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mit Nachrichtenagenturen
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