Mittwoch, 20. November 2019

Deutlich weniger Flieger und 1000 Jobs weniger Air Berlin soll sich halbieren

Ein drastisches Sparprogramm soll die Zukunft der Fluggesellschaft Air Berlin sichern

Massive Einsparungen bei Personal und Maschinen sollen die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin retten, heißt es. Am Ende könnte sich die Zahl der in Eigenregie betriebenen Flugzeuge halbieren. Auch sollen 1000 Stellen wegfallen.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, die angeschlagene Air Berlin, verschreibt sich einen drastischen Schrumpfkurs und wird dann am Ende dieses Prozesses wohl nur noch halb so viel Flugzeuge betreiben wie heute.

Das neue Sparprogramm sieht einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auch den Abbau von 1000 der insgesamt 8600 Arbeitsplätze vor. Betroffen sei vor allem die Verwaltung, wo nahezu jeder zweite Job wegfallen soll, heißt es in dem Bericht.

Um seine Maschinen besser auszulasten und Geld zu sparen, verhandle Großaktionär Etihad Airways (29,2 Prozent) derzeit mit dem Touristikkonzern Tui darüber, Teile von Air Berlin mit Tuifly zusammenzulegen und in einer eigenen Ferienfluggesellschaft fortzuführen.

Bereits in jüngster Vergangenheit war bekannt geworden, dass Etihad aus dem gleichen Grund mit der Lufthansa darüber verhandelt, rund 40 Flieger von Air Berlin an die Lufthansa-Billigtochter Eurowings zu vermieten. Air Berlin wolle sich zudem auf die Standorte Düsseldorf und Berlin konzentrieren. Der Lufthansa-Aufsichtsrat könnte die Entscheidung dazu noch an diesem Mittwoch fällen, hieß es. Air Berlin und Tui wollten den Bericht am Montag nicht kommentieren.

Milliardenverlust in den letzten drei Jahren angehäuft

Sollten die Verhandlungen mit Tuifly und der Lufthansa zu einem Erfolg führen, würde Air Berlin letztlich nur noch 70 Flugzeuge und damit halb so viel Jets in Eigenregie betreiben, rechnet die Zeitung vor. Davon wäre selbstverständlich auch die Besatzung der Flugzeuge wie Piloten und das Bordpersonal betroffen.

Die Fluggesellschcaft Air Berlin arbeitet seit ihrem Börsengang 2006 chronisch defizitär und hat in der Zeit lediglich einmal einen Gewinn ausgewiesen. Allein in den vergangenen drei Jahren soll die Fluggesellschaft Verluste von insgesamt 1,2 Milliarden Euro eingeflogen haben.

Air Berlin expandierte nach ihrem Börsengang vor allem durch Zukäufe sehr schnell. So übernahm die Fluglinie in den Jahren 2006 und 2007 die Wettbewerber dba und LTU und beteiligte sich seinerzeit mit 49 Prozent an der Schweizer Belair. Immer wieder scheiterten aber auch geplante Akquisitionen - so machte zum Beispiel die Finanzkrise der geplanten Übernahme von Condor einen Strich durch die Rechnung.

Die latente Schwäche der Aktie nutzte Ende 2011 die arabische Gesellschaft Etihad und stieg mit 29,21 Prozent bei der angeschlagenen Fluggesellschaft ein. Etihads Ziel war und ist es, über das Air-Berlin-Streckennetz auf dem europäischen Flugmarkt stärker Fuß zu fassen.

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