Dienstag, 25. Februar 2020

Umstrittenes Marketing von Exporo und Co. Wie digitale Drücker Kleinanleger in riskante Investments locken

Wohn- und Geschäftshäuser in der Hamburger HafenCity: Auf der Suche nach renditestarken Anlagen schaut so mancher nicht mehr so genau hin, wohinein er da eigentlich investiert
Christian Charisius/dpa
Wohn- und Geschäftshäuser in der Hamburger HafenCity: Auf der Suche nach renditestarken Anlagen schaut so mancher nicht mehr so genau hin, wohinein er da eigentlich investiert

3. Teil: Kleinstanlegerwerbung über "provisionsbasierte Drückerjobs

"Das sind letztlich provisionsbasierte Drückerjobs", fasst der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Crowdsourcing Verbands, Michael Gebert, die Entwicklung zusammen, die er seit rund zwei Jahren verstärkt beobachtet.

Für die Plattformen und die Finanzblogger ist die Vertriebsstruktur, die als günstige Alternative zu teurer Suchmaschinen-Werbung entstand, eine Win-Win-Situation. Die Blogger machen Kasse und die Crowdfunding-Plattformen kommen günstig an neue Kunden.

Und sie bewegen sich in einem Umfeld, dem viele Nutzer noch Vertrauen und Authentizität zusprechen - und in dem die Reaktionsraten deutlich höher liegen als sie sich durch klassische Werbeträger oder Internet-Promis erzielen ließen.

Dass viele der Blogger, die da im Internet über ihre erfolgreichen Immobilieninvestments prahlen und zum Teil auch so tun, als hätten sie besondere Einblicke in die Materie, gar nicht durchblicken, wofür sie da die Werbetrommel rühren, stört dabei weder die Anbieter noch die willfährigen Vertriebler. Schließlich, so häufig das Argument, sei es ja nur eine Privatmeinung, die sie äußern. Und die sei weder justiziabel noch falle sie unter das Wertpapierhandelsgesetz.

Sind die Kunden einmal auf der Plattform, halten diese teilweise weitere Psychotricks bereit, die an Mechanismen erinnern, wie sie beim Homeshopping oder auf dem Fischmarkt angewendet werden: Mal gibt's als Beigabe noch ein paar Tausend Lufthansa-Meilen obendrauf, ein Balken zeigt an, dass es nur noch wenige verbliebene Investmentslots gibt, dann suggerieren diverse gekaufte Siegel den Kunden Sicherheit - auch wenn der Prüfinhalt mit den Investments überhaupt nichts zu tun hat.

Möglicherweise verstößt nichts davon gegen Gesetze. Aber den Investoren sollte klar sein, dass es letztlich ihre Rendite ist, von der die Provisionen, die Boni, die Kosten für die Meilen und die Siegel abgehen, und dass hinter den Zinsen, von denen sie oft nur einen Bruchteil bekommen, ein entsprechendes Risiko steht.

Und dass sie, wenn ihnen gar nicht so genau klar ist, in was sie da investieren - wie in Marburg - Gefahr laufen, den Ferrari windiger Immobilienjongleure zu finanzieren.

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