Dienstag, 25. Februar 2020

Umstrittenes Marketing von Exporo und Co. Wie digitale Drücker Kleinanleger in riskante Investments locken

Wohn- und Geschäftshäuser in der Hamburger HafenCity: Auf der Suche nach renditestarken Anlagen schaut so mancher nicht mehr so genau hin, wohinein er da eigentlich investiert
Christian Charisius/dpa
Wohn- und Geschäftshäuser in der Hamburger HafenCity: Auf der Suche nach renditestarken Anlagen schaut so mancher nicht mehr so genau hin, wohinein er da eigentlich investiert

2. Teil: Vermeintliches Betongold als Ersatz für Tagesgeld

Besonders kurzlaufende Investments sind aktuell sehr begehrt - und werden den Plattformen zum Teil regelrecht aus den Händen gerissen, berichtet ein Branchenkenner: "Da gehen sechsstellige Investments innerhalb von zwei Minuten weg."

Anbieter, die solche Kredite digital an Kleinstanleger vermitteln, sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Neben dem deutschen Marktführer Exporo haben auch traditionelle Finanzinstitute das lukrative Geschäft mit dem Schwarm entdeckt. So ist die Commerzbank über eine Tochter an dem Crowdinvesting-Portal Bergfürst beteiligt. Und auch unter dem Immobilien-Label Engel & Völkers existiert mittlerweile ein Crowdinvesting-Geschäft.

Damit sich für die zahlreichen Projekte genügend Finanziers finden, setzen die Anbieter oft auf einen nicht unumstrittenen Marketingmix, bei dem sogenannte Mikro- oder Nano-InfIuencer eine große Rolle spielen: Blogger, Youtuber mit meist nur einigen hundert Followern, die oft über eine Vielzahl sozialer Netzwerke von Instagram bis Twitter für ihre kleine Fangemeinden über Investments berichten - und damit Geld verdienen.

Sie rühren für die Crowdfunding-Anbieter die Werbetrommel und verdienen unter anderem über sogenannte Affiliate-Links daran, wenn diese dann bei den Plattformen investieren. Dabei können die Anbieter nachvollziehen, über wen der Kunde zu ihnen gekommen ist,

Bezahlmodelle gibt es viele: von Einmalzahlungen für Neukunden bis zu prozentualen Beteiligungen bei Erst- und Folgeinvestments. Um Vertragsabschlüsse für potenzielle Neukunden besonders attraktiv zu machen, gibt es zudem oft sogenannte Boni oder Cashbacks: Geld, das nach dem Investment direkt zurückkommt. Mal 100 Euro, mal 50 - keine Riesenbeträge.

Aber Kleinvieh macht auch Mist. Und damit das mit der Weiterempfehlung der Kundschaft möglichst effizient läuft, liefern manche Plattformen die mit Kaufempfehlungen zugepflasterten Newsletter-Entwürfe für die Blogger gleich mit. Und manchmal gibt es für Blogger, die andere Blogger werben, die dann ihrerseits wieder Kunden locken, auch noch die ein oder andere monetäre oder Meilen-Belohnung obendrauf.

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