Samstag, 19. Oktober 2019

AR-Chef Landau tritt noch einmal an, Appel steigt wieder aus Neue Aufseher für Adidas-Chef Kasper Rorsted

Sportlich: Adidas-Chef Kasper Rorsted bekommt drei neue Aufseher

Adidas bekommt zur Hauptversammlung Anfang Mai drei neue Aufsichtsräte auf der Kapitalseite. Die drei Namen sind weniger überraschend als der Name eines Aufsehers, der nochmal verlängern will.

Seine ersten zweieinhalb Jahren als Chef von Adidas hat Kasper Rorsted (57) auch dazu genutzt, sich eine Hausmacht zu schaffen. Die Vorstandsposten für Finanzen und Produktion? Neu besetzt. Das Vorstandsressort Personal? Neu geschaffen. Diverse weitere Getreue seines Vorgängers Herbert Hainer (64), der den zweitgrößten Sportartikelhersteller der Welt (Umsatz 2018: 22 Milliarden Euro) von 2001 bis 2016 fast eine Ewigkeit lang führte, verloren ihre Ämter.

Das Durchfegen überstanden nur Markenguru Eric Liedtke (52) und Vertriebschef Roland Auschel (55). Der US-Amerikaner Liedtke hatte Adidas bereits zum Ende der Hainer-Ära wieder sexy gemacht. Auschel gilt am Sitz in Herzogenaurach ob seiner exzellenten internationalen Kontakte als unverzichtbar.

Auf der Hauptversammlung am 9. Mai ist nun der Aufsichtsrat dran. Fünf der acht Mandate auf der Kapitalseite laufen zur HV Anfang Mai aus - perfektes Timing also für einen beherzten Umbau. Und die Kandidaten, die Adidas heute bekannt gegeben hat, deuten darauf hin, dass Rorsted bekommt, was er sich wünscht: eher schwache Aufseher.

Warum Igor Landau noch einmal antritt

Die größte Überraschung: Aufsichtsratschef Igor Landau (75) tritt noch einmal an. Der Franzose will das Gremium ein weiteres Jahr führen, um "die reibungslose Übergabe an einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu gewährleisten". Das klingt nach Versagen der für das Räte-Casting engagierten Berater von Egon Zehnder - und auch von Landau selbst.

Dass er in diesem Jahr abtreten sollte, weiß er seit Jahren. Einen Übergang hätte er also längst einleiten können und müssen. Und offenbar gelang es den Headhuntern auch nicht, einen geeigneten Oberaufseher zeitig zu rekrutieren - vielleicht auch deswegen, weil sich in heimischen Topetagen herumgesprochen hat, wie robust Rorsted oft auf Ratschläge Dritter reagiert.

Mit Landau hatte Rorsted bislang leichtes Spiel

Für den Adidas-Chef hingegen wäre eine Vertragsverlängerung für Landau eine gute Nachricht. Mit dem netten Franzosen, Ex-Chef des Pharmakonzerns Aventis, hatte er bisher leichtes Spiel. Die Vertreter zweier Großaktionäre im Aufsichtsrat hingegen, Ian Gallienne (48; Groupe Bruxelles Lambert) und der ägyptische Milliardär Nassef Sawiris (58), sähen gern einen stärkeren Gegenpol zum CEO. Das müssen sie nun erstmal selbst übernehmen: Beide bewerben sich erwartungsgemäß um weitere fünf Jahre im Aufsichtsrat.

Auch zwei weitere Kapitalvertreter verlassen das Gremium, der Unternehmensberater Wille Schwerdtle (65) und Katja Kraus (48) von der Hamburger Agentur Jung von Matt/Sports. Schwerdtle gilt als Vertrauter von Rorsteds Vorgänger Hainer. Kraus geriet zunehmend in Compliance-Schwierigkeiten, weil ihre Agentur mehr und mehr Projekte für Adidas übernahm - wobei sie aber nicht mitwirken durfte. Das will sie sich offenbar nicht mehr antun.

Postchef Frank Appel steigt schon wieder aus

Und auch der dritte Abgängige ist eine Überraschung: Nach nur einem Jahr im Adidas-Aufsichtsrat steigt Postchef Frank Appel (57) schon wieder aus. Auch eine solche Volte spricht nicht gerade für eine gelungene Personalplanung im obersten Gremium des Sportartiklers. Dass Appel Landau würde beerben können, galt seit jeher als unwahrscheinlich: Dass eine aktiver CEO zusätzlich einen Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, widerspricht dem Corporate-Governance-Kodex.

Thomas Rabe, Bodo Uebber und Jing Ulrich sollen in Aufsichtsrat einziehen

Neu in den Aufsichtsrat einziehen sollen zwei heimische Hochkaräter: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (53) und Daimler-CFO Bodo Uebber (59). Vor allem Uebber, der nach der Daimler-HV aus dem operativen Geschäft ausscheidet, kommt als Nachfolger von Landau als Oberaufseher infrage.

Dritte Neue ist die Chinesin Jing Ulrich (51), Managing Director und Vice Chairman Asia Pacific der US-Investmentbank JP Morgen Chase. Mit Ulrich, die mit einem Deutschen verheiratet ist, bekäme Adidas wieder Banking-Kompetenz im Aufsichtsrat. Die fehlt, seit vergangenes Jahr Ex-Dresdner-Vorstand Stefan Jentzsch das Gremium verließ, um für Appel Platz zu machen.

An Bord für zwei weitere Jahre bleibt Hainer-Intimus Herbert Kauffmann (67). Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses gilt der Ex-Daimler-Controller derzeit als kaum zu ersetzen.

Auch Kathrin Menges (54), die im April als Vorständin bei Henkel ausscheidet, bleibt Adidas erhalten. Als Oberaufseherin gilt sie allerdings als nicht vermittelbar: Bei Henkel hatte sie der damalige Konzernchef in die Führung geholt - Kasper Rorsted.

Ordentlich zu tun bekommen werden die Neuen in jedem Fall. Nach zwei Boomjahren erlahmt das Wachstum von Adidas, besonders im Heimatmarkt Europa. Und weil die Marke in Nordamerika - wo Marktführer Nike nach einigen schwachen Jahren wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat - massive Lieferprobleme hat, feuerte Rorsted Ende Februar Gil Steyaert (56), den er keine zwei Jahre zuvor zum Vorstand für Global Operations gekürt hatte. Auch Dänen sind eben manchmal fehlbar.

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