AB InBev sucht nach antialkoholischen Alternativen Warum ein Bierriese künftig auch Kaffee verkauft

Junge Frau mit Kaffeebecher: Die Trinkgewohnheiten junger Leute haben sich geändert - und die Konzerne passen sich an

Junge Frau mit Kaffeebecher: Die Trinkgewohnheiten junger Leute haben sich geändert - und die Konzerne passen sich an

Foto: Getty Images/Westend61

Carlos Brito hat sein Leben dem Bier gewidmet. Seit seinem 29. Lebensjahr ist der AB InBev-Chef, der schon als Student von Brasiliens Bier-Pate Jorge Paulo Leman gefördert wurde, im Brauereigeschäft. Dort hat er - von seiner ersten Stelle bei dem brasilianischen Brauer Brahma an - den Aufstieg zum weltweit führenden Bierkonzern AB InBev miterlebt und mitgestaltet.

Doch das Geschäft mit Bier läuft nicht mehr so wie früher. Zwar ist Bier in den USA noch immer das beliebteste alkoholische Getränk. Doch es verliert an Attraktivität. Alleine im abgelaufenen Jahr ging der US-Absatz laut aktuellen Zahlen des Branchendienstes IWSR um 1,5 Prozent zurück.  Gleichzeitig trinken viele mittlerweile lieber Craftbier der tausend Mikrobrauereien des Landes, statt auf klassische AB InBev-Marken wie Budweiser zurückzugreifen.

Unter anderem aus Gesundheitsgründen greifen viele mittlerweile zudem auch zu alkoholfreien Alternativen: Alleine in den USA sank der Alkoholkonsum laut aktuellen Zahlen des Branchendienstes IWSR  2018 um 0,8 Prozent - nach einem Rückgang um 0,7 Prozent im Vorjahr. Auch in Deutschland wird weniger Alkohol getrunken: Die Menge reinen Alkohols, die jeder Bürger ab 15 Jahren im Schnitt jährlich zu sich nimmt, ging laut WHO hierzulande zwischen 2010 und 2016 um 3,4 Prozent auf zuletzt 9,5 Liter zurück.

Weniger Bier, weniger Kalorien, mehr Premium

Eine Entwicklung, die nicht nur AB InBev-Chef Brito, sondern auch andere Alkoholkonzerne zum Umdenken veranlasst hat. Und die sie ihr Heil nun in neuen, teils noch neu zu schaffenden Segmenten suchen lassen.

Dass es Sinn ergibt, abseits von Bier neue Wege zu gehen, hat AB InBev schon vor einiger Zeit gemerkt. So schloss der Brauer, der in Lateinamerika bereits seit Jahren für Pepsi Getränke abfüllt und beim Wasserabfüller Islandic Water investiert ist, 2017 mit dem Kaffeeriesen Starbucks eine Partnerschaft für die Herstellung und dem Vertrieb von dessen Teemarke Teavana. 2017 ging AB Inbev dann noch einen Schritt weiter und kaufte den Bio-Energy-Drink-Hersteller Highball.

Hanf-Drinks und Kaffee in der Pipeline

Rund 10 Prozent des weltweiten Absatzes machen antialkoholische Getränke laut "Wall Street Journal"  bei dem Bierriesen mittlerweile aus. Und schaut man sich die Pläne des Konzerns an, könnte der Anteil noch wachsen.

Denn nicht nur experimentiert der Konzern mit neuen Vertriebsformen und will zusammen mit dem Kapselkonzer Keurig Dr Peppers  künftig auch Bier- und Cocktail-Kapseln zur Getränkezubereitung für zu Hause auf den Markt bringen.

AB Inbev denkt auch laut über die Entwicklung eines Hanf-Drinks nach. Und ist zu diesem Zweck Ende vergangenen Jahres eine Partnerschaft mit dem kanadischen Cannabis-Konzern Tilray eingegangen.  Der Konzern steht damit nicht alleine: Auch Coca-Cola und die AB-Inbev-Konkurrenten Molson Coors, Constellation Brands und Heineken haben ihre Fühler bereits ins Cannabis-Geschäft ausgestreckt, um ihre Portfolios gegebenenfalls um die angesagten Nischengetränke zu erweitern.

Zum anderen will es Biermanager Brito offenbar Getränkekonzernen wie Coca-Cola gleichtun, und noch 2019 ins lukrative Kaffee-Geschäft einsteigen , wie der Vizepräsident von AB InBevs 2018 gegründeten "Beyond Beer"-Sparte, Randy Ornstein kürzlich auf eine Fachkonferenz verriet. Eine Sparte, die neben alkoholfreien Getränken auch Spirituosen und Mixgetränke umfasst.

Noch 2019 soll laut Randy Ornstein ein trinkfertiges veganes Cold-Brew-Getränk auf den Markt gebracht werden. Ob AB Inbev den Kaffee selbst braut oder dazu einer Partnerschaft mit einem Kaffeekonzern wie Nestlé, Starbucks oder einer der vielen Kaffee-Beteiligungen der JAB-Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann eingeht, verriet der Konzern auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht.

Auch andere Konzerne expandieren ins Anti-Alkoholische

Mit seiner Diversifizierungsstrategie und der Orientierung hin zu aktuell stark angesagten margenstarken Premium-Produkten steht AB Inbev nicht alleine. Auch Spirituosenhersteller wie Diageo, oder Pernod Ricard  erweiterten ihr Portfolio zuletzt um Alkoholfreies und vertreiben beispielsweise alkoholfreie Gin-Varianten.  Oder denken wie Molson Coors, die ebenfalls ins Teegeschäft eingestiegen sind, laut über eigene Kaffeeprodukte nach. 

Die Grenzen verschwimmen

Aber auch klassische Softdrink-Hersteller wie Coca-Cola haben ihr Portfolio zuletzt deutlich ausgeweitet. So übernahm Coca-Cola 2018 für 5,1 Milliarden die Kaffeekette Costa Coffee und investiert Ende vergangenen Jahres rund 15 Milionen Dollar in die alkoholfreie In-Getränkemarke Dirty Lemon. 

Und auch Pepsi, das bereits seit Jahren abgefüllten Frappucino für Starbucks vertreibt, passt sich dem anhaltenden Gesundheits- und Wellness Trend an und sucht ebenfalls zusätzliche, weniger zuckerhaltige Alternativen. Im August übernahm der Konzern für 3,2 Milliarden Dollar den Wassersprudler-Hersteller Sodastream.

Angesichts von mehr als 2000 alkoholfreien Getränken,  die alleine in den vergangenen vier Jahren auf den US-Markt gekommen sind, sind das selbst für einen Branchenveteranen wie Carlos Brito spannende Zeiten.