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Zehn Jahre Airbus A380: Das Luxus-Milliardengrab

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Airbus A380 und Boeing 747 als Ladenhüter Riesenflieger auf der Resterampe

Es scheint paradox: Die Luftfahrt boomt, doch für die Jumbo-Jets sind die Zeiten schlecht wie nie. Sowohl der Airbus A380 als auch die Boeing 747 stecken in einer tiefen Krise.

Im vergangenen Jahr bestellte keine einzige Airline einen der Riesenflieger mit vier Triebwerken. Schon werden Stimmen laut, die ein baldiges Ende für die Vorzeigemaschinen beschwören.

Einer der Hauptgründe der Misere: Kleinere Modelle mit zwei Triebwerken wie der A350 oder die Boeing 777 werden besser. Sie überwinden ähnliche Distanzen, und ihr Betrieb lohnt sich wirtschaftlich in deutlich mehr Fällen.

Betrieb rechnet sich nur auf extrem langen Strecken

Derzeit rechnet sich der Betrieb des A380 (bis zu 853 Sitzplätze) fast nur auf extrem langen Strecken mit Flughäfen, die unter Kapazitätsengpässen leiden. Immer wieder haben Airlines zuletzt kritisiert, dass der A380 zu viel Sprit verbraucht und ein sparsameres Nachfolgemodell angemahnt.

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Und so kämpfen die Hersteller mit massiven Rabatten gegen den Nachfrageschwund. Mindestens 50 Prozent Nachlass auf den Listenpreis (jeweils etwa 400 Millionen Dollar) könnten die Kunden der beiden Airlines derzeit herausschlagen, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Marktkenner. "Man wundert sich, zu welchen Preisen die Hersteller ihre Flugzeuge verkaufen", sagte Tony Whitty, Chef des britischen Flugzeugvermarkters Cabot Aviation.

Derzeit lasten die Bestellungen Produktionslinien noch aus. Doch bleiben neue Orders weiterhin aus, bekämen Airbus  und Boeing  schon bald Ärger mit Überkapazitäten.

Im Fall der Boeing 747 (bis zu 660 Sitzplätze) drohe dies spätestens Ende 2017, schreibt Reuters. Da der Bau eines solchen Jets bis zu zwei Jahre dauert, beginnen die Probleme womöglich noch früher.

Bereits ab dem kommenden Herbst will der US-Hersteller deshalb im Schnitt nur noch 1,3 statt 1,5 Jumbojets pro Monat herstellen. Eine jüngere Bestellung des Weißen Hauses für zwei neue Präsidenten-Jumbos sowie einige Orders für Frachtversionen der 747 haben die Lage nur leicht verbessert.

A380 - für Airbus ein ewiges Geldgrab?

Für den A380, der in wenigen Tagen sein zehnjähriges Jubiläum feiert, hat Airbus noch 161 Bestellungen im Orderbuch. Da erfahrungsgemäß einige Stornierungen zu erwarten sind, müssen die Vertriebler jetzt neue Aufträge an Land ziehen.

Airbus' Pläne und Bestellungen beim Flugzeugbauer sind seit Jahren nicht deckungsgleich. In seinen Marktprognosen berechnet Verkaufschef John Leahy für die nächsten 20 Jahre einen Bedarf für etwa 1500 Großflugzeuge. Bestellt wurden bislang 317 der Riesenflieger, 156 davon ausgeliefert. Für 2014 waren eigentlich 30 Bestellungen eingeplant, nun sind es gar keine.

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Schon im Lauf des rund 15 Milliarden Euro teuren Programms war der A380 ein Geldgrab für Airbus - und für Anleger beim Mutterkonzern EADS, der heutigen Airbus Group. 2006 musste die EADS-Tochter Airbus "ernste Probleme" bei der komplizierten Produktion des Fliegers einräumen und Auslieferungen erneut verschieben. EADS gab Auswirkungen auf Gewinnerwartungen bekannt. Die Aktie brach um gut 26 Prozent ein - mehr als fünf Milliarden Euro Börsenwert lösten sich in Luft auf.

Edelkunde Emirates macht Druck

Hinter den Kulissen ringen die Verantwortlichen mit der Frage, ob und wann eine Nachfolgeversion auf den Markt kommt, die den Wünschen der Kundschaft exakt entspricht und endlich Bestellungen auslöst. Vor allem Edelkunde Emirates macht Druck. Nur wenn Airbus einen neuen A380 auf den Markt bringe, werde die Airline ihre derzeit 140 Bestellungen (davon sind etwa 60 ausgeliefert) verdoppeln, sagte Vorstandschef Tim Clark.

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Zehn Jahre Airbus A380: Das Luxus-Milliardengrab

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Airbus will sich derweil nicht hetzen lassen. "Wir verbessern unsere Produkte ständig", sagte Marketing-Chef Chris Emerson. "Aber auch in den bestehenden Flugzeugen ist noch viel Verbesserungspotenzial."

Selbst wenn der Konzern macht, was Emirates und andere, wie zum Beispiel Singapore Airlines wollen, wären die aktuellen Probleme nicht gelöst. Denn bis ein möglicher A380neo an den Start käme, vergingen wieder viele Jahre. Bis auf Weiteres müssen die Hersteller ihre Kunden mit Ramschpreisen locken. Und die Riesenflieger bleiben auf der Resterampe.

mit Material von rtr und dpa
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