Privat-Universität Der Sturz des Sonnenkönigs

Die private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen wird von Skandalen erschüttert: Der zurückgetretene Gründungspräsident Stephan Jansen soll sich an Drittmitteln bereichert haben, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Laut mm-Informationen war sein Führungsstil auch aus anderen Gründen fragwürdig.
Ex-Präsident Stephan Jansen: Die Anschuldigungen gegen Jansen haben die Studentenschaft der privaten Zeppelin-Universität in Anhänger und Kritiker gespalten. Viele Fragen sich, wer den Übervater Jansen ersetzen könnte

Ex-Präsident Stephan Jansen: Die Anschuldigungen gegen Jansen haben die Studentenschaft der privaten Zeppelin-Universität in Anhänger und Kritiker gespalten. Viele Fragen sich, wer den Übervater Jansen ersetzen könnte

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

Hamburg / Friedrichshafen - Lange galt Stephan Jansen als Lichtgestalt der deutschen Privatuniszene. Extrem ambitioniert, eloquent - der quirlige Professor für Betriebswirtschaft wurde öffentlich gern zum Genie erhoben. Nun ist der Gründungspräsident der privaten Zeppelin Universität (ZU) am Montag vorzeitig zurückgetreten. Der Druck wurde wohl zu groß, seit Donnerstag ermittelt die Staatsanwaltschaft Ravensburg.

Ein ZU-Insider hatte der Lokalpresse  Dokumente und Informationen zugespielt, die nun nahezu täglich mit neuen Vorwürfen auf Jansen schießt. Am schwersten wiegt die Kritik an einem bislang geheimen, extrem großzügigen Provisionssystem der ZU, von dem vor allem der Präsident profitierte: Zusätzlich zu knapp 200.000 Euro Jahresgehalt und seinem Dienstwagen erhielt Jansen so bis zu zehn Prozent der Spenden und Drittmittel, die er einwarb, als Bonus. Außerdem ließ er sich sogar Vorträge an der eigenen Uni teils gesondert vergüten.

Allein im Jahr 2009 soll Jansen dank der Sonderregelungen laut Südkurier  über 68.000 Euro zusätzlich eingestrichen haben. Geldgebern wie Airbus oder die Deutsche Telekom , aus deren Fördermitteln die Boni finanziert wurden, war die selbstherrliche Praxis demnach nicht bekannt.

Die mangelnde Transparenz könnte Jansen nun zum Verhängnis werden: "Falls die Drittmittelgeber über die Verwendung ihrer Gelder getäuscht wurden, ist meiner Ansicht nach der Tatbestand des Betruges erfüllt", sagte der Anwalt und Experte für Hochschulrecht, Christian Birnbaum, dem manager magazin. Auch die von der ZU angesetzte externe Prüfung der Vorwürfe wird sich hauptsächlich mit der mutmaßlichen Täuschung der Geldgeber befassen, heißt es in Hochschulkreisen.

Besonders einträglicher Sonderweg der ZU

Anfang der Woche versuchte Jansen das Provisionssystem noch als "völlig normale Form der leistungsorientierten Zulage" zu rechtfertigen. Mittlerweile ist jedoch klar, dass die ZU hier ein für ihre Führung besonders einträglichen Sonderweg gegangen ist.

Die meisten Privatuniversitäten kennen keine Boni für Hochschulmitarbeiter, besonders nicht solche, die prozentual und unbegrenzt an die Höhe der eingeworbenen Mittel geknüpft sind. "Bei uns werden die Fördermittel Dritter nur zu den vereinbarten Förderzwecken verwendet. Provisionen oder Boni für eingeworbene Fördermittel gibt es keine", sagt etwa Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der privaten Hamburger Bucerius Law School. "Ich kenne keine andere Privathochschule, an der das so gehandhabt wird", bestätigt auch Thomas Halder, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Hochschulen.

Für Jansen, dem einstigen Wunderkind vom Bodensee, könnte der Fall tiefer nicht sein. 2003, kurz nach der Gründung der Hochschule, ist der 43-Jährige mit dem eigenwilligen Brillengeschmack zu deren Präsidenten ernannt worden. Der damals jüngste Uni-Chef Deutschlands trieb sodann den Aufstieg der ZU zu einer der wenigen vorzeigbaren deutschen Privatuniversitäten mit mittlerweile 1300 Studenten voran.

Doch wie jede gute Heldengeschichte kommt auch die des Sonnenkönigs Jansen nicht ohne Hybris aus.

Jansens extrem dominanter Führungsstil

Nach Informationen des manager magazins regierte der Präsident teils herrisch und selbstgerecht. Ehemalige Mitarbeiter erzählen etwa von seinem extrem dominanten Führungsstil, von psychischem Druck und regelmäßigen 12-Stunden-Tagen. Ein ehemaliger persönlicher Referent des Präsidenten zog gegen die ZU vor Gericht: Er warf seinem Arbeitgeber Mobbing und die ungerechtfertigte Kündigung seines Arbeitsverhältnisses vor. Im August 2012 einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich, wie das Arbeitsgericht Ulm auf Anfrage von manager magazin bestätigte.

Auch bei der Rekrutierung seines Top-Personals ging Jansen zumindest eigenwillig vor: Sein Bodensee-Domizil, ein ehemaliger Bauernhof, blutrot-gestrichen mit weißen Fenstern, erwarb der Präsident ausgerechnet von der Frau, die er einige Zeit später in hoher Position an der ZU einstellen sollte. Petra Diesch, erst Geschäftsführerin der ZU-Gesellschaft und seit 2011 Event-Managerin der ZU, verkaufte Jansen die "Kapellhof" genannte Immobilie nördlich von Friedrichshafen. Auf ihre Anstellung an der ZU habe der Deal jedoch keinen Einfluss gehabt, betont Diesch gegenüber mm. Sie habe ein "reguläres Bewerbungsverfahren" absolviert.

Helfer-Trio: ZF Friedrichshafen, Zeppelin GmbH und Zeppelin-Stiftung

Für die Zeppelin-Universität ist die Affäre besonders bitter, da ihr Nimbus eng mit dem von Jansen verknüpft ist. Die ZU gilt als innovativ; ein Hort der talentierten Querdenker, der - anders als die meisten Wettbewerber - auch noch solide finanziert war. Ein "3Z" genanntes Trio aus ZF Friedrichshafen, Zeppelin GmbH und Zeppelin-Stiftung glich großzügig die Fehlbeträge aus. Die ZU war stolz darauf, ohne Subventionen des Landes auszukommen.

Doch auch dieses Bild hat nun Risse bekommen: Bereits Ende 2013 soll es zwischen Förderern und ZU beinahe zum Eklat gekommen sein. Der ZF-Vorstand habe "keinerlei Vertrauen" in die "überforderte kaufmännische Geschäftsführung der ZU", hieß es damals in einem ZF-Memo.

Ein Grund für die Kritik sind die ausufernden Kosten für die Neugestaltung der ZU-Website, die sich auf rund 400.000 Euro belaufen. Für die Abberufung des ehemaligen Kanzlers Niels Helle-Meyer Mitte August soll die Website einer der maßgeblichen Gründe gewesen sein. Helle-Meyer sieht den Großteil der Verantwortung für die Kostenexplosion jedoch bei Jansen und Vizepräsident Tim Göbel.

Auf dem Campus der ZU ist die Stimmung indes gereizt. Die Anschuldigungen gegen Jansen hätten die an sich sehr loyale Studentenschaft in Anhänger und Kritiker gespalten, heißt es. Viele Fragen sich, wer den Übervater Jansen ersetzen könnte. "Es war abzusehen, dass sich die Institution ZU irgendwann von der Person Jansen trennen muss", sagt Martin Valdés-Stauber, einer der Studentenvertreter im Unisenat, "es ist nur schade, dass der Abschied nun auf solch unerfreuliche Weise geschah."

Kommentar: Absturz mit Folgen

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