Frist verstrichen Pfizer gibt Poker um AstraZeneca auf - vorerst

Die größte Fusion in der Geschichte der Pharmabranche ist vorerst gescheitert. Der US-Konzern Pfizer kündigte an, keine neue Offerte für den britischen Rivalen AstraZeneca vorlegen zu wollen. In London wird Pfizers Rückzug gefeiert - doch eine spätere feindliche Übernahme ist nicht ausgeschlossen.
Die Kraft ließ nach: Pfizer hätte durch eine Übernahme in England Steuern sparen können - doch zu einem noch höheren Angebot für AstraZeneca wollte sich der US-Pharmariese nicht durchringen

Die Kraft ließ nach: Pfizer hätte durch eine Übernahme in England Steuern sparen können - doch zu einem noch höheren Angebot für AstraZeneca wollte sich der US-Pharmariese nicht durchringen

Foto: William Vazquez/AP

London/New York - Die Briten hatten zuletzt auch das aufgestockte Angebot von rund 118 Milliarden Dollar abgelehnt. Pfizer  hatte nur bis Montag Zeit, noch einmal nachzulegen. Die Amerikaner schlossen auch eine feindliche Übernahme aus. Der Viagra-Hersteller wäre zusammen mit Astrazeneca  zum weltgrößten Pharma-Konzern aufgestiegen und hätte damit den Schweizer Konkurrenten Novartis  vom Thron gestoßen.

Pfizer zeigte sich nach monatelangem Werben für einen Zusammenschluss enttäuscht: "Wir denken weiterhin, dass unser letztes Angebot auf Basis der uns vorliegenden Informationen gut war", sagte Pfizer-Chef Ian Read.

Nach geltendem britischen Recht gibt es nun zunächst eine Abkühlungsphase von sechs Monaten, nach der Pfizer (Kurswerte anzeigen) erneut an AstraZeneca mit einem Gebot herantreten darf. AstraZeneca hat wiederum die Möglichkeit, Pfizer nach Ablauf von drei Monaten zu Gesprächen einzuladen.

AstraZeneca begrüßte den Rückzug der Amerikaner. Das Unternehmen werde auch ohne eine Fusion den Umsatz in den nächsten Jahren deutlich steigern können, bekräftigte der AstraZeneca-Verwaltungsratsvorsitzende Leif Johansson. Außerdem habe der Konzern genüg potenzielle Kassenschlager in der Pipeline.

Pfizer hatte sich von dem Zukauf vor allem Steuervorteile und signifikante Kostensenkungen versprochen. AstraZeneca hat auch vielversprechende Krebsmittel in der Entwicklung.

Widerstand auch von Politik und Wissenschaft

Es gab zuletzt nicht nur vom AstraZeneca-Management Widerstand, sondern auch von Politikern und Wissenschaftlern. Pfizer ist bekannt dafür, nach Übernahmen im großen Stil Stellen zu streichen. Das wurde auch dieses Mal in den USA, Großbritannien und Schweden befürchtet. Außerdem könnte die Forschung in Großbritannien an Bedeutung verlieren.

Lieber Firmen schlucken in England als Steuern zahlen in USA

Pfizer wäre eine große Übernahme im Ausland gelegen gekommen, weil der Konzern mehrere zehn Milliarden Dollar in der Kasse hat, die von ausländischen Töchtern verdient wurden. Wenn Pfizer dieses Geld in die USA zurückführt, werden hohe Steuern fällig.

Derzeit rollt eine Fusionswelle durch die Pharma-Branche, weil sich die Firmen wegen Patentabläufen der Konkurrenz durch Nachahmerprodukte stellen müssen und sie sich auch wegen der Kürzungen im staatlichen Gesundheitswesen umorientieren.

Novartis  hat Spartenkäufe und -verkäufe im Wert von rund 27 Milliarden Dollar angekündigt. Bayer  erhielt Anfang Mai den Zuschlag für das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln und Gesundheitspräparaten des US-Konzerns Merck & Co für 10,4 Milliarden Dollar.

Der letzte Mega-Deal in Deutschland geht auf das Jahr 2006 zurück. Damals schluckte Bayer für 17 Milliarden Euro Schering.

la/reuters
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