Kunst als Geldanlage "Erst nach fünf Jahren wieder bei Null"

Auswahl, Standardwerte, Risikomanagement: Kunst ist auch eine Anlageform. Für Investoren gelten hier allerdings besondere Regeln. Der Kunstkompass des manager magazins gibt Orientierung.

Rendite

Frischezuschlag: Wertentwicklung von Gemälden nach Epochen, in Prozent

Frischezuschlag: Wertentwicklung von Gemälden nach Epochen, in Prozent

Foto: manager magazin

Wer glaubt, mit Kunstinvestments 10 bis 15 Prozent Plus pro Jahr erzielen zu können, hat keine Ahnung. Das ist das Forschungsergebnis von Roman Kräussl, Ökonom an der Universität Luxembourg. Gemälde aller Stilrichtungen und Epochen brachten zwischen 1972 und 2010 im Schnitt eine Rendite von 6,5 Prozent - vor Kosten. Bei einer Auktion wird für den Käufer aber ein Aufgeld von bis zu 25 Prozent fällig. "Deshalb muss ich ein Kunstwerk fünf Jahre behalten, bevor ich überhaupt wieder bei null bin", sagt Kräussl.

Mit Kunst der Nachkriegszeit und Gegenwart lassen sich höhere Renditen erzielen als mit Werken anderer Epochen, in dem von Kräussl untersuchten Zeitraum lag der durchschnittliche jährliche Zuwachs bei 8,4 Prozent brutto. Wenn also Kunst als Geldanlage - "dann spekulativ Postwar and Contemporary", rät der Finanzökonom. In einem Vermögensdepot mit Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Immobilien ist es laut Portfoliotheorie sinnvoll, 3 bis 5 Prozent des Kapitals in Werke aus diesen Epochen zu investieren.

Auswahl

Foto: LISI NIESNER/ REUTERS

Das größte Problem bei Kunstinvestments ist die Wahl der richtigen Werke. Denn anders als bei Aktien oder Gold ist es nicht möglich, mit einem überschaubaren Betrag auf die Entwicklung des gesamten Marktes zu setzen. Um ein annähernd repräsentatives Portfolio der etablierten Gegenwartskunst zusammenzustellen, das wie der Aktienindex Dax aus 30 Werken bestünde, müssten Anleger mehrere Millionen Euro aufwenden. Nachweislich erfolgreiche Kunstfonds, die auch kleinere Vermögensbeträge bündeln, gibt es nicht.

"Es ist sinnvoller, Kunst direkt zu kaufen", sagt Clare McAndrew, Gründerin von Arts Economics in Dublin. Also müssen Investoren ihre eigene kleine Sammlung zusammenstellen. Dabei sollten sie wissen, dass die Rendite sich deutlich vom langfristigen Zuwachs des Gesamtmarktes unterscheiden kann, je nach Glück und Fachwissen des Käufers. Wer in Kunst anlegt, muss "viel Expertise" mitbringen oder "einen unabhängigen Berater", sagt McAndrew, die jedes Jahr eine viel beachtete Analyse des Kunstmarktes für die Messe TEFAF in Maastricht erstellt.

Standardwerte

Keith Haring: The Ten Commandments (1985)

Keith Haring: The Ten Commandments (1985)

Foto: DPA

Weil die Auswahl aussichtsreicher Künstler und dann noch der richtigen Stücke schwierig ist, sollten Anleger namhafte Vertreter der Nachkriegsmoderne kaufen oder Gegenwartskünstler, die mindestens seit 20 Jahren erfolgreich sind, empfiehlt Katie Kennedy Perez, Gründerin der Kunstberatung Kennedy Fine Art in Genf. "Bei Namen wie Basquiat, Haring oder Koons lässt sich das Marktinteresse gut einschätzen, auch weil deren Werke oft gehandelt werden. Es gibt aktuelle Preise", sagt die ehemalige Mitarbeiterin des Auktionshauses Christie's.

Man muss kein Milliardär sein, um solche Standardwerte des Kunstmarktes zu erwerben: Selbst von den Topplatzierten im Kunstkompass wie Gerhard Richter oder Andy Warhol sind Editionen unter 10.000 Euro verfügbar. Arbeiten von begehrten Stars wie der Performancekünstlerin Marina Abramovi'c (Rang 50) werden ab 50.000 Euro gehandelt, ebenso wie die Bilder wichtiger Fotokünstler wie Thomas Demand (Rang 32).

Krisenwährung

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"Bluechips" des Kunstmarktes bleiben auch in Wirtschaftskrisen wertstabil, wenn Staatsanleihen und Lebensversicherungen längst zu Altpapier verkommen sind. "Vielen Kunstanlegern geht es um Werterhalt, nicht um Rendite", sagt Stefan Horsthemke, Vorstand der Kunstberatung State of the Art in Düsseldorf. Doch selbst dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn man Modeerscheinungen konsequent meidet.

Beim Impressionisten-Hype Ende der 80er Jahre hat so mancher, der auf Werke viert- oder fünftklassiger Schöpfer schwor, die Hälfte seines Einsatzes verloren. Der Vorteil eines Kunstinvestments: "Es ist gut dazu geeignet, Werte an die nächste Generation weiterzugeben, auch wegen der Steuervorteile", sagt Fachfrau McAndrew. Denn Werke, die als Leihgabe in Museen hängen, sind oft von der Erbschaftsteuer befreit.

Nebenkosten

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Kunstberater helfen dabei, Anfängerfehler zu vermeiden und Gebühren niedrig zu halten. Oft behalten sie einen Teil des Rabatts, den sie bei Galeristen oder Auktionshäusern heraushandeln. Zum Aufgeld von 25 Prozent für den Käufer kommen bei Auktionen noch einmal 10 bis 15 Prozent an Kosten, wenn ein Werk wieder verkauft wird; zuzüglich Steuern. Der Transport eines Bildes von New York nach Europa durch einen Kunstspediteur kostet rund 1000 Euro. Versicherer verlangen pro Jahr um die 0,2 Prozent des Werts als Prämie.

Risikomanagement

Foto: Corbis

Wer nicht enttäuscht werden will, sollte folgende Grundregel beachten: "Kaufen Sie nur, was Ihnen gefällt - denn das Risiko ist hoch, dass Sie mit dem Werk ein Leben lang zusammenbleiben", sagt Finanzökonom Kräussl. "Wenn mir ein Bild gefällt und ich es behalten möchte, kann es mir egal sein, wenn der ökonomische Wert von 50.000 auf 40.000 Euro fällt."

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