Montag, 6. April 2020

Pilotenstreik Lufthansa streicht 3800 Flüge - mehr als 400.000 Passagiere betroffen

Lufthansa-Maschinen: Die meisten von ihnen bleiben ab Mittwoch am Boden, mehr als 400.000 Fluggäste sind betroffen

Wegen der Streikdrohung ihrer Piloten stellt die Lufthansa ihren Flugbetrieb ab Mittwoch für drei Tage weitgehend ein. Gut 3800 Flüge werden gestrichen, rund 425.000 Fluggäste sind betroffen.

Frankfurt am Main/Hamburg - Die Lufthansa streicht wegen des Piloten-Streiks neun von zehn Flügen. Von Mittwoch bis einschließlich Freitag fallen insgesamt 3800 Flüge aus, wie die Fluggesellschaft am Montag mitteilte. Vom größten Streik in der Unternehmensgeschichte wären 425.000 Fluggäste betroffen.

Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ruft ihre Mitglieder dazu auf, an den drei Tagen rund um die Uhr die Arbeit niederzulegen. Damit solle der Druck im aktuellen Tarifkonflikt mit der Lufthansa Börsen-Chart zeigen erhöht werden.

Bestreikt werden neben der Lufthansa selbst auch deren Billigfluglinie Germanwings und die konzerneigene Fracht-Gesellschaft. Voraussichtlich abheben werden nur noch knapp 500 Kurz- und Langstreckenflüge von Lufthansa und Germanwings.

Piloten wollen mehr Geld und die Beibehaltung der Frührente

Ein Treffen der Tarifpartner am Sonntag ist nach Aussagen von Cockpit ergebnislos verlaufen, da der Konzern kein neues Tarifangebot vorgelegt hatte. Cockpit fordert für die 5400 Piloten der Kranich-Airline mehr Geld und die Beibehaltung der betriebsinternen Frührente.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens zeigte sich enttäuscht über die Eskalation: "Ich bedaure zutiefst, dass die Vereinigung Cockpit nicht bereit ist, ohne Arbeitskampf und auf dem Verhandlungswege mit uns zu einer Lösung zu kommen." Insgesamt drohe dem Konzern alleine im Passagiergeschäft ein Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe.

Knackpunkt in dem aktuellen Tarifstreit ist die bei der Lufthansa für das fliegende Personal lange Zeit übliche Frührente: Bislang konnten Flugzeugführer frühestens mit 55 Jahren und spätestens im Alter von 60 Jahren in den Vorruhestand gehen - die Bezüge bis zum Beginn der staatlichen Rente wurden aus der Übergangsversorgung gezahlt. Die Lufthansa kündigte den entsprechenden Tarifvertrag zum Jahreswechsel. Das Unternehmen will die Piloten später in Rente schicken.

5400 Piloten stimmten fast geschlossen für Arbeitskampf

Bei vorangegangenen Streiks hatte die Airline mit ihren Ersatzflugplänen das Ziel verfolgt, den Normalbetrieb möglichst schnell nach Streikende wieder zu erreichen. Dafür ist es wichtig, dass sich Maschinen und Crews zum Streikende an den Plätzen befinden, an denen sie auch planmäßig zu sein hätten. Das kann dazu führen, dass während der Streiktage die Flüge eher großzügiger gestrichen werden und einzelne Crews für mehrere Tage im Ausland bleiben müssen.

Knackpunkt und Streikanlass sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten. In einer Urabstimmung hatten die rund 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt.

Am Sonntag hatte es nach Angaben der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit noch einmal Verhandlungen zu den Übergangsrenten gegeben. Lufthansa habe ihren Vorschlag noch einmal erläutert, aber nicht verbessert, sagte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter der Nachrichtenagentur dpa. "Wir hatten nichts missverstanden. Lufthansa will die bisherigen Regelungen verschlechtern und zudem eine Generationenteilung." VC verlange aber eine einheitliche Regelung, die auch für die jüngeren Kollegen gelten müsse. Dafür habe man eine Deckelung der Kosten angeboten, worauf Lufthansa aber nicht eingegangen sei.

Kommentar: Die unerträgliche Attitüde der Lufthansa-Piloten

la/reuters

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