Freitag, 13. Dezember 2019

Luftfahrtkonzern Reisen statt Rüstung - Airbus setzt auf Passagierjets

Hoffnungsträger: Der A350 schlägt für Airbus mit hohen Entwicklungskosten zu Buche, soll im Wettbewerb mit Boeing aber die Zukunft sichern

Der Umbau des Militärgeschäfts sowie die Entwicklung des A350 kommen Airbus teuer zu stehen. Dennoch hat der Konzern den Gewinn gesteigert - dank des Booms im Passagiergeschäft und hoher Nachfrage arabischer Airlines. Lediglich Ursula von der Leyen bereitet Airbus-Chef Enders Kopfzerbrechen.

Hamburg/Toulouse - Der Luftfahrtkonzern Airbus sieht sich angesichts des Booms im Geschäft mit Passagierjets auf Kurs zu seinen Renditezielen. Für das laufende Jahr sagte Konzernchef Tom Enders am Mittwoch zwar lediglich stagnierende Umsätze, dafür aber weiter steigende Margen voraus.

Der Umbau des lahmenden Militärgeschäfts, der mit dem Abbau tausender Stellen in Deutschland einhergeht, beginne sich unterdessen auszuzahlen."Wir hatten insbesondere im Airbus-Zivilflugzeuggeschäft einen starken Auftragseingang, der eine solide Grundlage für das künftige Wachstum unseres Konzerns bildet", erklärte Enders.

Vor allem die Bestellungen arabischer Airlines großer Flugzeugmodelle füllten Airbus im Schlussquartal 2013 die Auftragsbücher. Das Tagesgeschäft mit dem Mittelstreckenflieger A320 bleibt allerdings das Rückgrat des Flugzeugbaus. Enders stockt nun die Fertigungsrate für das Erfolgsmodell auf. Bis zum Jahr 2016 sollen 46 Flugzeuge monatlich die Produktion verlassen, bisher sind es 42.

Gewinn und Umsatz gestiegen, höhere Dividende

Der prestigeträchtige Langstreckenflieger A350 bereitet dem Vorstand Kopfzerbrechen. Das jüngste Modell im Angebot sei zwar auf Kurs, bis Ende des Jahres in Dienst gestellt werden zu können. Allerdings mussten die Toulouser die Stückkosten zuletzt höher veranschlagen. Der anstehende Produktionshochlauf berge noch einige Risiken, die der früheren EADS höhere Rückstellungen einbrocken könnten, erklärte der Konzern.

Trotz der Kosten für die laufende Sanierung verbuchte Airbus Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr einen deutlich Gewinnanstieg. Vor allem wegen der guten Geschäfte mit Passagierfliegern legte der Überschuss binnen Jahresfrist um gut ein Fünftel auf 1,47 Milliarden Euro zu.

Der Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 59,3 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 75 von 60 Cent je Aktie steigen. Analysten hatten jedoch mehr erwartet - sie rechneten im Durchschnitt bei einem Überschuss von 1,59 Milliarden Euro mit einer Dividende von 85 Cent je Aktie .

Schwache Auftragslage im Rüstungsgeschäft

Im traditionsreichen Rüstungsgeschäft verbuchte Airbus zwar erneut ein Umsatzplus von vier Prozent auf fast sechs Milliarden Euro. Allerdings zeichnet sich in dem Geschäft bereits die Vorhersage von Konzernchef Enders ab, dass die Geschäfte dort wegen klammer staatlicher Auftraggeber schlechter laufen werden. Der Auftragsbestand der Sparte nahm zum Jahresende um acht Prozent ab.

Im Geschäft mit Kriegsgerät und in der Raumfahrttechnik setzt Enders den Rotstift an. Rund 5800 Stellen sollen vor allem in diesen Bereichen gestrichen werden, 2600 davon in Deutschland. Der Eurofighter-Standort Manching bei Ingolstadt wird besonders hart getroffen, 1000 Mitarbeiter sollen dort ihren Arbeitsplatz verlieren. Enders will im Ernstfall Personal auch betriebsbedingt kündigen, um seine Renditeziele zu erreichen.

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