Samstag, 7. Dezember 2019

Wirtschaftsvergleich Bayern wie die Schweiz, Bremen wie Jemen

NRW = Saudi-Arabien: Länder im Wirtschaftsvergleich
manager magazin online

Nordrhein-Westfalen auf einer Ebene mit Saudi-Arabien, Rheinland-Pfalz mit Neuseeland, Bremen mit Jemen: manager magazin online stellt für jedes der 16 deutschen Bundesländer eine Volkswirtschaft mit vergleichbarer Wirtschaftsleistung vor.

Hamburg - Trotz seines Ölreichtums hat Saudi-Arabien es noch nicht geschafft, Nordrhein-Westfalen wirtschaftlich zu überholen. Obwohl im Wüstenstaat 65 Prozent mehr Menschen leben als an Rhein und Ruhr, bringt das kohlereiche deutsche Land es auf ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 748 Milliarden Dollar - gegenüber 711 Milliarden der Saudis.

Für sich genommen läge Nordrhein-Westfalen unter den größten Volkswirtschaften der Welt an 19. Stelle - knapp hinter den benachbarten Niederlanden, die zwar noch etwas weniger Bevölkerung haben, aber dafür den Hafen von Rotterdam.

Andererseits ist die nur acht Millionen Einwohner starke Schweiz wirtschaftlich bedeutsamer als die größeren Nachbarländer Baden-Württemberg und Bayern (12,5 Millionen Einwohner). Und der Stadtstaat Singapur liegt vor Hessen. manager magazin online hat das BIP der 16 Länder für das Jahr 2012, in laufenden Preisen und zum durchschnittlichen Wechselkurs in US-Dollar umgerechnet, verglichen mit der Wirtschaftsleistung unabhängiger Staaten. Ergebnis: Bremen klingt nicht nur so ähnlich wie Jemen.

Vorbild ist eine Berechnung des American Enterprise Institute (AEI), die über "Business Insider" die Runde im Netz gemacht hat. Die Botschaft des unternehmernahen Instituts: "Verlieren wir nicht aus dem Blick, wie ungeheuer groß und kraftvoll die US-Wirtschaft ist, und wie viel Vermögen und Wohlstand ständig in der mächtigsten Wirtschaftsmaschine der Welt entsteht."

AEI: "Beweis für die überlegene Weltklasseproduktivität der Amerikaner"

Besonderen Wert legt AEI-Ökonom Mark Perry darauf, dass "das kapitalistische West Virginia etwa so viel BIP erzeugt wie das kommunistische Kuba, obwohl Kubas Bevölkerung mehr als sechsmal so groß ist wie die von West Virginia" (dasselbe Verhältnis gilt für New York und Mexiko, beides kapitalistische Staaten). Auch, dass Kalifornien so reich ist wie das deutlich einwohnerstärkere Italien, nimmt Perry zum "Beweis für die überlegene Weltklasseproduktivität der amerikanischen Arbeiter".

Man kann sich natürlich auch einen anderen Reim auf die Daten machen - etwa, wie ungerecht es ist, dass die mehr als 150 Millionen Einwohner von Bangladesch sich etwa den gleichen Wohlstand teilen müssen wie weniger als drei Millionen im Wüstenstaat Utah. Die deutsche Entsprechung ist übrigens der Stadtstaat Hamburg, der sogar nur 1,7 Millionen Einwohner zählt. Unabhängig von der Interpretation, unterhaltsam sind die Vergleiche allemal. Nordrhein-Westfalen muss sich übrigens nur hinter den vier US-Staaten Kalifornien, Texas, New York und Florida einreihen, die alle auch bevölkerungsstärker sind.

Der französische Blogger Chistophe Courtois hat die gleiche Übung für die Regionen seiner Heimat gemacht. Da die französischen Regionen bevölkerungsmäßig eher klein sind, tauchen als Vergleich auch vermehrt kleine Volkswirtschaften in Afrika oder Lateinamerika auf (Bretagne = Angola, Korsika = Burkina Faso, Lothringen = Kuba). Die Region Île-de-France um Paris immerhin kann es mit den Niederlanden, der sechstgrößten Volkswirtschaft der EU, aufnehmen.

Schon 2011 haben die Kollegen vom "Economist" eine ähnliche Karte bezogen auf die chinesischen Provinzen angefertigt. Drei Provinzen an der Küste schafften es damals bereits, die Wirtschaftsleistung der Schweiz zu übertreffen. Das riesige Tibet aber musste sich mit dem winzigen Malta vergleichen lassen.

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