Freitag, 13. Dezember 2019

Nina Öger "Umzug nach Istanbul war meine beste Entscheidung"

Nina Öger: Gründete mit Ihrem Vater einen neuen Reiseveranstalter - V.Ö. Travel

Nina Öger galt als ausgemachte Nachfolgerin bei Öger Tours, dann verkaufte ihr Vater den Reiseveranstalter 2010 an Thomas Cook. Jetzt startet das Vater-Tochter-Gespann erneut einen Türkei-Reisespezialisten. Im Interview mit SAAL ZWEI erzählt die 40-Jährige, warum sie sich für den Neustart entschieden hat.

SAAL ZWEI: Frau Öger, als Ihr Vater 'Öger Tours' 2010 an Thomas Cook verkaufte, nannte er u.a. die ungelöste Nachfolge als Grund. Sie hatten bereits jahrelang das operative Geschäft geführt, warum wollten Sie nicht in seine Fußstapfen treten und den Reiseveranstalter leiten?

Nina Öger: Meine Aufgabe brachte es mit sich, dass ich sehr viel Zeit bei unseren Geschäftspartnern in der Türkei verbrachte. Allerdings lebte ich mit meiner kleinen Tochter in Hamburg, so dass ich sehr viel von zu Hause weg war. Ich bin alleinerziehend - anfangs ging das noch mithilfe unserer Kinderfrau. Mit zunehmendem Alter meiner Tochter wurde es allerdings immer schwieriger. 2008 war besonders intensiv - ich verbrachte mehr Zeit auf Flughäfen und in der Türkei als zu Hause. Deshalb beschloss ich im Jahr darauf, nach Istanbul zu ziehen. Der Generationenwechsel und die Leitung des Unternehmens hätte aber bedeutet, dass ich überwiegend in Hamburg bin. Parallel zu meiner persönlichen Situation gab es ein Kaufangebot vom Thomas Cook-Konzern. Wir beschlossen, es anzunehmen.

SAAL ZWEI: Das klingt sehr pragmatisch. Hatte es keinerlei Bedeutung für Sie, das fortzuführen, was Ihr Vater aufgebaut hatte?

Nina Öger: Wir haben nach wie vor Unternehmen in der Türkei. Dazu gehören mittlerweile acht Hotels sowie eine Incoming-Agentur, die das Geschäft vor Ort für deutsche Reiseveranstalter organisiert. Bis zum Frühjahr arbeiten wir noch für Öger Tours und Thomas Cook, dann starten wir mit der Arbeit für unseren neuen Veranstalter, V.Ö. Travel. Die Agentur macht allerdings das kleinere Geschäft aus, unsere acht Hotels sind die größten Umsatzbringer. Insgesamt beschäftigen wir in der Saison 1.700 Mitarbeiter in der Türkei. Insofern habe es nie so gesehen, dass ich mit meiner Entscheidung etwas aufgebe. Vielmehr entschied ich mich für eine andere Option.

SAAL ZWEI: Und die Aufgabe im Unternehmen zu wechseln, um Öger Tours fortzuführen, hat Sie auch nicht gereizt?

Thomas Cook, Europas zweitgrößter Reiseveranstalter, hat Öger Tours 2010 für 30 Millionen Euro übernommen. Der Unternehmensgründer Vural Öger wechselte in den Aufsichtsrat der AG, Nina stieg ganz aus. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, sagte Vural Öger damals, aber eine zukunftsweisende. An diesem Morgen Anfang Februar hat der 72-Jährige Pressevertreter ins Hamburger Sterne-Restaurant 'Le Canard nouveau' eingeladen, um eine andere zukunftsweisende Entscheidung zu präsentieren. Öger will es noch einmal wissen, mit V.Ö. Travel gründet er einen neuen Türkei-Reiseveranstalter. Seine Tochter Nina Öger spielt dabei "eine Hauptrolle", heißt es in der Pressemitteilung. Während des Interviews, das SAAL ZWEI im Nachgang der Pressekonferenz bei Riesling und Lammkeule mit ihr führt, erläutert sie ihre neue Aufgabe.

Nina Öger: Nein, das war mein Job, ich habe ihn gern gemacht, warum hätte ich ihn wechseln sollen? Ich habe meine Aufgabe in der Türkei gesehen, bei den Hoteliers, der Agentur vor Ort. Insofern war die Entscheidung gegen Öger Tours eine berufliche.

SAAL ZWEI: Frau Öger, Ihr Vater sagt, ihm war nach drei Jahren selbst verordnetem Ruhestand langweilig. Warum tun Sie es sich an, im umkämpften Markt einen neuen Veranstalter zu gründen?

Nina Öger: Mein Vater trug die Idee wohl schon etwas länger mit sich herum. (Anm. d. Red.: Die Vereinbarung mit Thomas Cook sah vor, dass Vural Öger drei Jahre lang nicht unternehmerisch aktiv wird.) Als wir darüber sprachen, hatte ich eher Bedenken. Aber die verflüchtigten sich schnell, denn tatsächlich sehe ich eine Lücke in dem Markt, der hauptsächlich von großen Konzernen bedient wird. Deshalb war mir klar, dass ich meinen Vater unterstützen würde. Und so haben wir mit einem kleinen Team innerhalb kürzester Zeit ein neues Unternehmen aus dem Boden gestampft: Im vorigen Oktober haben wir begonnen, jetzt können wir unseren ersten Katalog an die Reisebüros ausliefern.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung