Mittwoch, 18. September 2019

Reedereien Fusionspläne zwischen Hapag und CSAV werden konkreter

Fusion ist auf dem Weg: Die "Chicago Express" der Reederei Hapag Lloyd durchfährt die Hamburger Köhlbrandbrücke

Seit Dezember lotet Deutschlands führende Containerreederei eine Kooperation mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV aus. Nun wird ein Kurs bis zum möglichen Zusammenschluss gefahren. Die zum Oetker-Konzern gehörende Reederei Hamburg Süd steht damit alleine da.

Hamburg/Valparaíso - Der Fahrplan für einen möglichen Zusammenschluss der beiden Container-Reedereien Hapag-Lloyd und CSAV aus Chile ist abgesteckt. Am Mittwoch unterzeichneten die Vertragspartner eine Absichtserklärung. In den kommenden Wochen wollen sie sich gegenseitig gründlichen Einblick in ihre Finanzen ermöglichen.

CSAV will die eigene Containersparte mit dem Geschäft von Hapag-Lloyd zu einem Unternehmen bündeln. Angestrebt wird, innerhalb von sechs Monaten zu einem Abschluss zu kommen.

Zuvor waren Fusionsbemühungen von Hapag Lloyd mit der zum Oetker-Konzern gehörenden Reederei Hamburg Süd gescheitert - sollte die Fusion zwischen Hapag und CSAV gelingen, kommt Oetker der logische Partner für eine Reedereifusion abhanden.

Der Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher begrüßte für den größten Hapag-Anteilseigner, die Stadt Hamburg (36,9 Prozent), das Vorgehen. Eine Zusammenführung beider Container-Geschäfte böte große Chancen einer Wertsteigerung und Stärkung der Reedereien im Schifffahrtsmarkt, hieß es am Donnerstag. "Oberstes Ziel des Senats bleibt die Sicherung von Hapag-Lloyd als wettbewerbsfähige deutsche Linienreederei mit Sitz in Hamburg."

Die Fusionspartner versprechen sich von dem Zusammengehen Einsparungen von 300 Millionen US-Dollar (221 Mio Euro). CSAV ist für Hapag-Lloyd wegen des Südamerikageschäfts interessant, in dem auch Konkurrent Hamburg Süd stark engagiert ist.

CSAV zielt auf 30-Prozent-Anteil

Nach Angaben der Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) soll künftig Hapag-Großaktionär Klaus-Michael Kühne (bisher 28,2 Prozent) zusammen mit der Stadt und CSAV 75,5 Prozent der Aktien des fusionierten Unternehmens kontrollieren. CSAV werde dabei zunächst mit 30 Prozent der Hapag-Anteile größter Anteilseigner der dann weltweit viertgrößten Reederei (bisher Rang sechs). Diese werde auf ein jährliches Transportvolumen von rund 7,5 Millionen Standardcontainern (TEU) kommen. Die Hamburger hatten Ende September 152 Containerschiffe in Betrieb, CSAV nach eigenen Angaben 51.

Auch ein Börsengang ist den Angaben zufolge angedacht. Hapag-Lloyd soll im Zuge zweier Kapitalerhöhungen 740 Millionen Euro frisches Geld einsammeln. Eine Börsennotierung - innerhalb eines Jahres nach dem Zusammenschluss - könnte auch den Plänen des Reisekonzerns Tui zupass kommen. Dieser will sich von seiner 22-prozentigen Hapag-Beteiligung trennen. Weitere Anteilseigner sind Banken und Versicherungen.

Hapag-Lloyd hatte zuletzt unter anderem der harte Preiskampf im Containergeschäft zu schaffen gemacht. Im dritten Quartal 2013 ging der Umsatz trotz gestiegener Transportmengen zurück. In den ersten neun Monaten schrieb das Unternehmen unter dem Strich rote Zahlen. Der Umsatz betrug 5,0 Milliarden Euro (minus 2,7 Prozent). Zusammen mit CSAV sollen es auf Jahresbasis 12 Milliarden US-Dollar Umsatz werden.

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