Zinsen Häuslebauer sparen zweistellige Milliardensumme

Die Niedrigzinspolitik der EZB hat deutschen Häuslebauern viel Geld gespart: Nach Berechnungen für manager magazin online sind es allein durch günstigere Neukredite mehr als 20 Milliarden Euro. Die Summe dürfte noch stark wachsen - doch nicht jeder profitiert.
Von Meike Schreiber
Foto: Corbis

Frankfurt am Main - Die Schlagzeilen über die ultraniedrigen Zinsen und ihre Folgen für Sparer beherrschen seit Monaten die Schlagzeilen. Vor allem die konservative Presse schäumt ob der angeblichen Enteignung der Sparer durch die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dabei blenden die Kritiker von EZB-Chef Mario Draghi allerdings aus, dass seine Krisenpolitik auch positive Effekte hat - jenseits der Tatsache, dass ohne sie womöglich schon längst der Währungsraum kollabiert wäre. Zu den Profiteuren gehören auch und vor allem die deutschen Häuslebauer.

Wie die Finanzierungsberatung Barkow Consulting für manager magazin online auf Basis von Bundesbankdaten errechnet hat, haben Immobilienbesitzer seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 insgesamt 24,2 Mrd. Euro gespart, indem sie auslaufende hochverzinste Baufinanzierungen durch günstigere Neukredite abgelöst haben. Bis Ende 2016 wird die kumulierte Ersparnis voraussichtlich sogar auf insgesamt EUR 71,6 Milliarden Euro ansteigen.

"Unter Berücksichtigung weiterer Finanzierungsquellen wie zum Beispiel Wohnungsbaukrediten von Versicherungen fällt die Gesamtersparnis sogar noch einmal höher aus und beträgt mehr als 75 Milliarden Euro", sagt Peter Barkow, Inhaber der gleichnamigen Beratung.

Seine Prognose beinhaltet die jüngste Zinsentwicklung, unterstellt darüber hinaus allerdings ein unverändertes Zinsumfeld sowie konstante Kreditmargenaufschläge durch die Banken. Wer heute günstig finanziert und in vielen Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt, muss unter Umständen später aber auch mit deutlich höheren Zinsen rechnen.

Zinsunterschied von mehr als zwei Prozentpunkten

Noch im Oktober 2013 allerdings betrug der Zinsunterschied zwischen neu abgeschlossenen Krediten und auslaufenden Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit mehr als zwei Prozentpunkte. Für neue Kredite mussten Kreditnehmer laut Barkow demnach im Schnitt 2,7 Prozent Zinsen zahlen, während Altdarlehen 4,9 Prozent kosteten. Am größten war die Zinsdifferenz Mitte 2012 mit seinerzeit 3,2 Prozentpunkten.

Jährlich sparen Hausbauer durch niedrig verzinste Bankdarlehen derzeit 10,9 Mrd. Euro, bis Ende 2016 wird dieser Wert aber sogar noch auf 18,3 Milliarden Euro jährlich ansteigen.

Im Gegenzug allerdings steigen seit Jahren die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser.

Häuslebauer: Wer profitiert - und wer Geld verliert

Vor allem in den Großstädten legen die Immobilienpreise jährlich um sieben bis acht Prozent zu: immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, die niedrigen Zinsen und die Angst vor der Inflation reizen zum Kauf.

Wer also zu Höchstpreisen kauft, hat nicht mehr viel von der Zinsersparnis - in einigen Großstädten wie Hamburg oder München läuft er sogar Gefahr, übertreuert zu kaufen und so zum Verlierer des Immobilienbooms in Deutschland zu werden.

"Die großen Profiteure sind die, die ihre Immobilie vor etwa sieben Jahren gekauft haben und jetzt ihr Darlehen zu niedrigeren Zinsen verlängern können. Sie haben vor dem Boom gekauft, profitieren aber von niedrigen Zinsen", sagt Barkow.

Denn ganz so leicht ist es bislang nicht für Häuslebauer, hochverzinste, langlaufende Darlehen umzuschulden. Selbst wenn sie ihren Kredit kündigen können, wird sich ihre Bank die entgangene Zinseinnahme mit einer saftigen Vorfälligkeitsentschädigung vergüten lassen.

Kündigung alter Kreditverträge dürfte einfacher werden

Eine Kündigung jedoch wird ab April 2015 voraussichtlich einfacher: das Europaparlament verabschiedete in der vergangenen Woche eine entsprechende Richtlinie, die Immobilienkäufer besser schützt.

Der Hintergrund: Vor allem in Spanien, Irland, Lettland oder Ungarn hatte unverantwortliche Kreditvergabe in den letzten Jahren zu Blasen auf den Immobilienmärkten und einer Überschuldung vieler Verbraucher geführt.

Der Neuregelung zufolge müssen Banken die Verbraucher nun nicht nur vor Vertragsabschluss über Risiken hinsichtlich der Zins- und Tilgungslast und über die Gesamtkosten ihres Darlehens informieren. Auch künftig sollen Kunden zudem wählen können zwischen einem variablen oder dem in Deutschland üblichen langfristigen Festzins. Außerdem wird eine vorzeitige Rückzahlung von Krediten, die heute in Deutschland oft sehr teuer oder gar unmöglich ist, erleichtert.

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