Donnerstag, 19. September 2019

Steve Ballmer Abschied des lautstarken "Monkeyboy"

Steve Ballmer: Den rasanten Wandel - weg vom stationären PC, hin zu Smartphones und Tablets - hatte der Microsoft-Chef lange unterschätzt

Steve Ballmer geht - und die Aktie von Microsoft schießt nach oben. So großen Anteil das Verkaufsgenie Ballmer beim Aufbau von Microsoft auch hatte, so wenig wird ihm ein Erfolg in der Zukunft zugetraut. Ballmers Versäumnisse beim Wandel zum Mobilgeschäft muss nun sein Nachfolger ausbügeln.

Redmond - Der Blick auf den aktuellen Börsenkurs seines Unternehmens dürfte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Freitag die Laune verdorben haben. Kaum hatte er seinen Rücktritt auf Raten verkündet, schoss die Aktie um knapp 10 Prozent nach oben. Die Börsianer waren mehrheitlich wohl der Meinung, dass Microsoft Börsen-Chart zeigen die enormen Herausforderungen ohne seinen lautstarken Chefverkäufer künftig besser meistern kann.

Ballmer wird es kaum getröstet haben, dass dieser Kursgewinn sein persönliches Vermögen wegen seines dicken Aktienpakets um bis zu eine Milliarde Dollar gesteigert hat.

In einer Mail an seine Mitarbeiter wies Ballmer darauf hin, welche rasante Entwicklung Microsoft genommen hat, seit er im Juni 1980 dem Ruf seines Freundes Bill Gates folgte und Angestellter Nr. 30 bei Microsoft wurde: "Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Unser Umsatz ist von 7,5 Millionen US-Dollar auf fast 78 Milliarden Dollar angestiegen, seit ich bei Microsoft angefangen habe, und wir sind von gerade einmal 30 Mitarbeitern auf fast 100.000 gewachsen."

Großer Anteil an Microsofts Erfolgsgeschichte

Neben Gates hatte Ballmer einen entscheidenden Anteil an dieser Erfolgsgeschichte, weil er rund um Microsoft ein komplettes Ökosystem an Hardware-Partnern und Serviceunternehmen zum Blühen brachte. Und auch nachdem sich Firmen-Mitbegründer Gates als Wohltäter und Stifter auf dem Unternehmen zurückzog, konnte Ballmer Umsatz und Gewinn beharrlich steigern.

Unter seiner Führung konnte Microsoft die Windows-Software auch erfolgreich auf den Servern in den Rechenzentren etablieren. Außerdem bot er mit der Xbox erfolgreich der asiatischen Games-Industrie Paroli.

Ballmer verfügte allerdings nicht über das technologische Gespür, das andere Jahrhundert-Manager der Computerindustrie auszeichnete. Legendär ist seine Fehleinschätzung des iPhones. Kurz nach der Präsentation des ersten Apple -Smartphones im Jahr 2007 machte sich Ballmer im Fernsehen über das Konkurrenzprodukt lustig und fragte das Publikum, wer wohl das "teuerste Telefon der Welt" kaufen werde.

Ballmers teures Verharren im PC-Geschäft

Es dauerte Jahre, bis Ballmer Konsequenzen aus seinem Irrtum zog und die Entwicklung eines modernen Smartphone-Systems in Auftrag gab, das sich heute gegen die Konkurrenz von Google und Apple schwer tut. Zwischendurch musste er mit den missratenen Produkten Zune (einem iPod-Konkurrenten) und Kin (ein Smartphone für Jugendliche) weitere Nackenschläge hinnehmen.

Ballmer wollte zunächst auch nicht wahrhaben, dass immer mehr Menschen einen Tablet Computer wie das iPad statt eines traditionellen Personal Computers verwenden werden. "Die Menschen werden mehr und mehr PC verwenden. Das wird für viele Jahre gelten, die vor uns liegen", sagte er noch im Juni 2010 auf der Technologie-Konferenz AllThingsD.

Tatsächlich befand sich der Markt der Personal Computer vor drei Jahren schon in einer Stagnationsphase. Und seit fünf Quartalen geht der Absatz der PCs sogar zum Teil signifikant zurück.

Microsoft spielt zwar inzwischen mit dem Tablet-Computer Surface und dem neuen Windows-System auch in dem neuen Marktsegment mit. Die ersten Verkaufszahlen waren jedoch für Microsoft Börsen-Chart zeigen und seine Partner enttäuschend.

Skype-Chef Tony Bates zählt zu den Favoriten auf die Nachfolge

In der Branche wird immerhin mit Respekt zur Kenntnis genommen, dass Ballmer in dieser schwierigen Umbruchphase den Weg für einen Neuanfang freimacht.

Allerdings wird die Suche nach einem Nachfolger nicht einfach werden. Die Riege der Stars aus der zweiten Reihe bei Microsoft hat sich gelichtet: Chef-Softwarearchitekt Ray Ozzie verließ 2010 frustriert das Unternehmen, Windows-Chef Steve Sinofsky warf im vergangenen November das Handtuch.

Unter den Microsoft-Auguren ist derzeit Microsoft-Manager Tony Bates der Favorit für die Ballmer-Nachfolge. Der ehemalige Chef des Online-Telefondienstes Skype ist inzwischen auch für die mächtige Business-Abteilung bei Microsoft zuständig und ist ein ausgewiesener Internetexperte.

Legendärer "Monkeyboy"

Ballmer löste im Jahr 2000 seinen langjährigen Freund und Weggefährten Bill Gates an der Microsoft-Spitze ab. Seine exaltierten Auftritte nicht nur auf firmeninternen Veranstaltungen hatten ihm den Spitznamen "Monkeyboy" eingebracht. Legendär ist etwa die Szene, in der er hüpfend und schreiend skandiert: "I love this company".

Ballmer kam 1956 zur Welt und wuchs in der Autostadt Detroit auf. Bis heute behielt er seine Vorliebe für die Firma Ford bei, in der sein Vater, ein gebürtiger Schweizer, arbeitete. Seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen hatte Ballmer nie geleugnet.Während Bill Gates durch und durch als Softwarespezialist und Visionär des Unternehmens galt, gab Ballmer den Geschäftsmann mit herausragenden Verkaufstalenten.

Ballmer lernte Gates während des Studiums an der Harvard University in den 70er Jahren kennen. Sein Studium der Angewandten Mathematik und Ökonomie absolvierte er mit Auszeichnung. Nach zwei Jahren bei dem Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble brach er eine anschließende Management-Ausbildung in Stanford kurzerhand ab, um mit Gates Microsoft Börsen-Chart zeigen aufzubauen.

Bis zuletzt verbindet ihn eine intensive Freundschaft mit Gates, der ihm als Gründervater bei internen Machtkämpfen stets den Rücken gestärkt haben soll.

Von Christoph Dernbach, dpa

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung