Donnerstag, 25. April 2019

4 Minuten mit ... Dr. Jan Hagen

Fehlermanagement sei fest im Unternehmen einzubauen, meint Jan Hagen. Denn sonst wird kaum eine Führungskraft eigene Fehler zugeben und korrigieren.


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manager-lounge: Zentraler Baustein Ihrer Arbeit ist das Fehlermanagement. Warum ist es so wichtig, das im Unternehmen zu verankern?

Hagen: Menschen machen Fehler - und je komplexer das Umfeld, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, aber im Alltag von Unternehmen wird dieser einfache Zusammenhang oft ignoriert. Fehler werden stigmatisiert und deshalb gern verschwiegen. Richtig schwierig wird es, wenn eine starke, charismatische Führungspersönlichkeit einen Fehler macht. In einem solchen Fall wird es ohne eine fest verankerte Fehlerkultur keine Korrektur geben.

manager-lounge: Die ESMT European School of Management and Technology bietet unter anderem Seminare zur Entwicklung der persönlichen Führungskompetenz an. Wie wird da das Thema Fehlermanagement integriert?

Zur Person
  • Copyright:
    Jan Hagen ist Member of The Faculty and Director of Open Enrollment Programs der ESMT und Buchautor.
Hagen: Die meisten Teilnehmer unserer Programme verfügen bereits über langjährige Führungserfahrung und haben dazu häufig schon mehrere Kurse absolviert. Mein Interesse liegt deshalb darin, sie zur Reflexion ihrer Erfahrungen anzuregen. Dazu verwende ich reale Fallstudien, um zu zeigen, wie schwierig es sein kann, selbst kleine, unbedeutend scheinende Fehler anzusprechen und welche dramatischen Konsequenzen das haben kann.

manager-lounge: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen bezüglich ihrer Karriere?

Hagen: Möglichst offen zu kommunizieren. In einer ESMT-Umfrage haben wir gesehen, dass insbesondere junge Führungskräfte sehr zurückhaltend sind, wenn sie bei ihren Vorgesetzten einen Fehler bemerken. Dort würde ich ihnen den Mut wünschen, offener zu sprechen. Je weniger man Fehler mit Schuld und Versagen in Verbindung bringt, desto leichter fällt es auch darüber zu sprechen.

manager-lounge: Sie haben die Zustände im Cockpit von Flugzeugen genauestens studiert; können Sie ruhigen Gewissens zum Mitfliegen auffordern?

Hagen: Unbedingt. Die Luftfahrt hat uns ja gerade gezeigt, dass der Paradigmenwechsel von Fehlervermeidung zu Fehlermanagement der entscheidende Schritt zur Verbesserung der Sicherheit ist. Die selbstverständliche hohe Professionalität der Besatzungsmitglieder und der offene Umgang mit den eigenen Fehlern sind für mich das Vorbild, das auch in Unternehmen gelten sollte.

manager-lounge: Sie schreiben ganze Businessbücher übers Fliegen - steigen Sie privat auch selbst ins Cockpit?

Hagen: Ja, aber eigentlich viel zu selten.

manager-lounge: Nennen Sie uns abschließend Ihr aktuelles Lieblingsbuch?

Hagen:1948 von Yoram Kaniuk. Es ist ein überaus fesselndes autobiographisches Buch über die Gründung des Staates Israel, das dem Leser äußerst schwierige Entscheidungen vor Augen führt.


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