Corporate Governance Kommission Manfred Gentz übernimmt den Vorsitz

Manfred Gentz soll neuer Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance werden. Der ehemalige Daimler-Vorstand knüpft seine Zusage jedoch an Bedingungen.
Manfred Gentz: Der ehemalige Daimler-Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Börse soll als Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance über die Regeln guter Unternehmensführung wachen

Manfred Gentz: Der ehemalige Daimler-Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Börse soll als Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance über die Regeln guter Unternehmensführung wachen

Foto: DPA

Hamburg - Vor wenigen Wochen noch hatte Manfred Gentz es abgelehnt, den Vorsitz der Corporate Governance Kommission zu übernehmen. "Ich werde zwar sehr gedrängt", sagte der ehemalige Daimler-Vorstand, "aber ich wehre mich heftigst dagegen".

Nun hat er es sich doch anders überlegt. In der zweiten Hälfte des September, so bestätige Gentz gegenüber manager magazin online, will er seine Zusage gegeben - sofern bis dahin bestimmte Rahmenbedingungen geklärt seien.

Bei diesen "Rahmenbedingungen" geht es nicht zuletzt ums Geld. Bislang übernimmt der scheidende Kommissionsleiter Peter Müller die Kosten für den Apparat in Höhe von mehr als 500.000 Euro im Jahr, oder genauer gesagt: Es zahlt die Commerzbank , deren Aufsichtsratsvorsitzender Müller ist. Gentz indes hat kein Unternehmen im Rücken, das die Aufwendungen abdecken könnte - also muss eine andere Lösung her.

Diskutiert wurden mehrere Ansätze: Nun steht fest, dass die Geschäftsstelle der Kommission beim Deutschen Aktieninstitut (DAI) angesiedelt wird. Für die Kosten sollen die Dax-Unternehmen aufkommen.

Langjähriges Mitglied der Kommission

Gentz gehört der Kommission bereits seit 2006 an. Anfang dieses Jahres übernahm er die Leitung einer Projektgruppe, die sich mit der Neuregelung von Vorstandsvergütungen befasste. Den Vorsitz des Gremiums wollte er nicht antreten, weil ihm die Arbeitseinsatz als zu hoch erschien. Indes war Müller unter keinen Umständen bereit, die Führungsrolle noch länger auszuüben. Und da außer Gentz keine satisfaktionsfähige Persönlichkeit verfügbar war, drohte die Kommission alsbald ohne Leiter dazustehen, was ihr Ende bedeutet hätte.

Um sich zu entlasten, wird Gentz vermutlich demnächst einige seiner vielen Ehrenämter ablegen. Vergangenes Jahr hat der hochgewachsene, hagere Mann seinen 70. Geburtstag gefeiert - Anlass genug, seine letzten Mandate (Aufsichtsratschef Deutsche Börse, Verwaltungsratspräsident Zurich Financial Services) niederzulegen. Schließlich sehen die Geschäftsordnungen der beiden Unternehmen eine Altersobergrenze von 70 Jahren vor, und Gentz wollte die Regel nicht brechen, obwohl man ihn darum gebeten hatte.

Seinen Vorstandsposten bei Daimler  hat Gentz schon 2004 aufgegeben. Gleichwohl stellt ihm der Autokonzern noch immer eine Sekretärin und ein großes, mit zeitgenössischer Kunst ausgestattetes Büro am Potsdamer Platz in Berlin. Die üppige Apanage ist Teil eines Deals, den Gentz bei seinem Abschied mit Hilmar Kopper (78) schloss: Der damalige Daimler-Aufsichtsratschef bat Gentz, das deutsche Komitee der Internationalen Handelskammer (ICC) zu führen, im Gegenzug durfte er weiterhin standesgemäß residieren.

Die ehrenamtliche ICC-Präsidentschaft bedeutet für Gentz viel Reiserei, denn das Netzwerk der von Firmen und Verbänden getragenen Kammer erstreckt sich über 90 Länder. "Unsere Hauptaufgabe ist es, durch Einflussnahme auf Regierungen und internationale Institutionen den Welthandel zu fördern", sagt Gentz. Was konkret heißt: Abbau von Protektionismus und Bekämpfung der Korruption.

Die Liste seiner restlichen Ämter füllt bislang fast eine DIN-A4-Seite. Egal, ob die Einstein Stiftung, die Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmoniker oder das Kuratorium der Stiftung Demoskopie Allensbach - Gentz ist überall mit dabei. Obendrein hat er sich als ehrenamtlicher Richter am Bundesarbeitsgericht verpflichtet. Warum er dies alles tut? Gentz, ausgezeichnet mit dem Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens, zögert nicht mit der Antwort. Führungskräfte, so meint er, "müssen sich auch für die Allgemeinheit engagieren und nicht alles der Politik überlassen".

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