Notenbank EZB bleibt bei lockerer Geldpolitik

Die Europäische Zentralbank will ihrem US-Pendant noch nicht folgen und wegen der Wirtschaftsflaute auf absehbare Zeit bei der Politik des billigen Geldes bleiben. Der Exit aus der lockeren Geldpolitik sei "noch weit entfernt".
EZB-Direktor Benoit Coeure: "Sicherstellen, dass sich die US-Maßnahmen nicht negativ auf die Renditen der Anleihen aus Euro-Ländern auswirken"

EZB-Direktor Benoit Coeure: "Sicherstellen, dass sich die US-Maßnahmen nicht negativ auf die Renditen der Anleihen aus Euro-Ländern auswirken"

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

London - "Es sollte keine Zweifel geben, dass unser Exit noch weit entfernt ist", sagte das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Dienstag in London. Die Notenbank werde auch mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Rezession in vielen Ländern der Euro-Zone kämpfen.

Weil die Wirtschaft in den USA schon wieder stärker wächst und auch die Arbeitslosenquote langsam fällt, hatte die Federal Reserve (Fed) zuletzt als erste große Notenbank betont, ihren extrem lockeren Kurs noch dieses Jahr verlassen und die monatlichen Anleihekäufe in Milliarden-Höhe bis Mitte kommenden Jahres beenden zu können. Seitdem ist die Nervosität an den globalen Märkten groß.

Der Leitzins der EZB liegt momentan bei rekordniedrigen 0,5 Prozent. Der Kurs müsse noch nicht geändert werden, weil die Konjunktur auch 2013 schwach bleiben werde und die Inflation klar unterhalb der wichtigen Marke von zwei Prozent liege, so Coeure. Die Notenbank könne zudem ihre unkonventionellen Maßnahmen beibehalten und bei Bedarf neue anwenden.

Unter anderem erwägt die EZB, erstmals Geschäftsbanken mit einem Strafzins zu belegen, wenn diese über Nacht Geld bei der EZB parken - anstatt es in Form von Krediten in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. "Wir haben uns technisch darauf vorbereitet, auch mit den Marktteilnehmern diskutiert, jetzt sind wir bereit", sagte Coeure.

Nebenwirkungen der Fed-Politik in Europa - Zinsen für Italien steigen

Der EZB-Direktor betonte zudem, die Zentralbank müsse nun sicherstellen, dass sich die US-Maßnahmen nicht negativ auf die Renditen der Anleihen aus Euro-Ländern auswirkten. "Wir haben volles Vertrauen in die Fähigkeit der Federal Reserve, den Exit als erstes anzugehen (...) und dies auf geordnete Weise zu erledigen." Trotzdem müssten sich die Regierungen auf eine neue Situation einstellen - und ihre Haushaltsdefizite weiter abbauen.

Viele Märkte hatten nach dem Fed-Schwenk mit heftigen Ausschlägen reagiert. Der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard warnte in Paris davor, dass die Schwankungen anhalten dürften, auch wenn es zuletzt zu Übertreibungen gekommen sei. Verluste gab es vor allem am Aktien- und Rohstoffmarkt, aber eben auch bei Anleihen.

Experten zufolge wirkt sich die Fed-Politik schon jetzt auf die Zinskosten vieler Länder aus. Für Spanien und Italien zum Beispiel wird es teurer. Bei einer Auktion am Dienstag stiegen in Italien die Kosten für zweijährige Papiere auf den höchsten Stand seit September 2012. Für Nullkupon-Anleihen im Volumen von 3,5 Milliarden Euro kletterte die Rendite auf 2,4 Prozent nach 1,11 Prozent vor einem Monat.

In Spanien begab die Regierung Anleihen im Volumen von 3,1 Milliarden Euro. Wie das Finanzministerium in Madrid mitteilte, stieg die Rendite für Drei-Monats-Papiere auf 0,869 Prozent von 0,331 Prozent im Mai. Für 9-Monats-Anleihen verlangten Investoren nun 1,441 Prozent nach 0,789 Prozent im vergangenen Monat.

Von Marc Jones, Reuters
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