Dienstag, 24. September 2019

Aktionärsstreit Hamster im Rhön-Rad

Zentrale des Rhön-Klinikums: Aktionäre streiten über eine Satzungsänderung

Bei Rhön-Klinkum wird heftig über eine ominöse 90-Prozent-Klausel gestritten, die Übernahmen erschwert. Nach der turbulenten Hauptversammlung droht beim Klinikkonzern nun eine jahrelange juristische Blockade.

Frankfurt/Bad Neustadt - Eugen Münch, 12 Prozent-Aktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön-Klinik AG, hatte einen Befreiungsschlag geplant: Die Hauptversammlung sollte die 90 Prozent-Hürde beseitigen, die Münch selbst dereinst als Schutz vor Übernahmen durchgesetzt hatte. Diese Hürde hatte sich für diverse Übernahmeinteressenten als zu hoch erwiesen. Ein Übernahmeversuch seitens der Fresenius-Tocher Helios scheiterte deshalb schon im letzten Jahr.

Die 90 Prozent Hürde war unüberwindbar, weil sich der von Bernhard Broermann kontrollierte Wettbewerber Asklepios heimlich ein Blockadepaket aufgebaut hatte und hierbei Unterstützung von dem Medizinunternehmer Braun bekommen hatte. Gemeinsam kommen Broermann und Braun auf über 10 Prozent - ärgerlich für Münch, der Kasse machen wollte und sich mit Fresenius-Chef Schneider schon geeinigt hatte.

Nun belauern und blockieren sich bei Rhön-Klinkum Börsen-Chart zeigen gleich sechs potente Spieler: Neben Münch, Brörmann, Braun und Helios sind auch der Hedgefonds von John Paulson sowie der Klinikkonzern Sana substantiell beteiligt. Hinter Sana stehen große deutsche Krankenversicherungsgesellschaften.

Alle wissen, jeder Monat der Blockade schadet und vernichtet Wert, denn je länger die wirtschaftlich durchaus vernünftige Konsolidierung im Markt der privaten Klinikbetreiber auf sich warten läßt, desto aggressiver gewinnen die öffentlich rechtlichen Strukturen Terrain zurück und desto größer wird der Kostendruck bei den privaten Kliniken. Dass erste Privatisierungen insbesondere bei Rhön vor dem Scheitern stehen beunruhigt daher die gesamte Branche.

Schweden schlagen Satzungsänderung vor

Ein schwedischer Fonds schlug daher sehr zur Freude von Münch eine Satzungsänderung vor: die 90 Prozent - Hürde sollte fallen, fortan sollten die gesetzlichen Schwellen von 50 bzw. 75 Prozent gelten. Doch auch für die Abschaffung waren 90 Prozent erforderlich. Kein Wunder, dass sich schon Wochen vor der Hauptversammlung Gerüchte häuften, Münch wolle mit einem Trick die Stimmrechte von Braun und Brörmann aushebeln.

Einer der führenden Übernahmerechtler hatte Investmentbankern erläutert, dass man Ansatzpunkten für sogenanntes "acting in concert", also abgestimmtem Verhalten, zwischen Braun und Broermann nachgehen könnte. Sollte zutreffen, dass diese tatsächlich koordiniert bei Rhön vorgingen, dann müßten diese ihre Beteiligung auch gemeinsam melden. Bis zu einer korrekten Meldung hätten sie kein Stimmrecht und keinen Anspruch auf Dividende.

Zum richtigen Zeitpunkt kurz vor der Hauptversammlung kommuniziert, hätte diese Problematik Braun und Broermann bewegen können sich zu enthalten. Doch in der Hauptversammlung kam alles anders. Münch und seine Berater wählten nicht das Florett des "acting in concert" sondern die Axt. Dem Bonner Rechtsanwalt Linnerz, der die Stimmen Brauns in der Hauptversammlung vertrat, wurde das Stimmrecht entzogen, da er angeblich nicht über eine den formalen Anforderungen genügende Vollmacht verfüge.

Ohne die Stimmen Brauns fand sich eine knappe Mehrheit von etwas über 90 Prozent für die Abschaffung der 90 Prozent-Hürde. Der Kapitalmarkt frohlockte, schnell kam Übernahmephantasie auf, man rechnete mit einem schellen Übernahmeangebot von Fresenius, auch ein Bietergefecht zwischen Fresenius, Asklepios und Sana erschien plötzlich möglich.

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