Dienstag, 12. November 2019

Sofortrente Was aus 50.000 Euro wird

Angriff aufs Ersparte: Staaten entschulden sich mit Niedrigzinsen und Inflation - auf Kosten der Sparer. Denn ihr Vermögen wird immer weniger wert.

2. Teil: Wie stark die privaten Renten unter den Niedrigzinsen leiden

Angesichts der verschärften Eigenkapitalvorschriften, die auf die Branche mit Solvency II zukommen werden, sei dies noch verständlich, nehmen die Experten von Flossbach von Storch die Versicherer in Schutz. Dabei verhandelt die deutsche Politik mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt über die Regeln, die in ein paar Jahren greifen sollen. Genügend Zeit also für die Versicherer, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen - möchte man jedenfalls meinen.

Tatsächlich aber traut sich nur eine Minderzahl von Versicherern, neue Wege bei der Kapitalanlage zu gehen, verstärkt in Infrastruktur-Kredite, Private-Equity-Investments oder auch Aktien zu investieren. Die Branche insgesamt bleibt mit rund 90 Prozent festverzinslichen Wertpapieren ihrer Kapitalanlagen, die zusehends weniger Rendite abwerfen, ihrer eingeübten Anlagepraxis treu.

Dass diese Strategie in einem dauerhaft niedrigen Zinsumfeld die Erträge und damit die Überschüsse der Kunden belastet, liegt auf der Hand. Das zeigt auch die jüngste Analyse des Branchendienstes Map-Report zu den so genannten sofort beginnenden Rentenversicherungen.

Sofortrente: Die garantierten Renten sinken kontinuierlich

Im Gegensatz zur aufgeschobenen Rente, bei der der Kunde monatlich über mehrere Jahrzehnte seine Prämie an den Versicherer überweist, zahlt er bei der Sofortrente einmalig einen hohen Betrag ein und erhält dann die lebenslange Rente. Nicht selten stammt dieses Geld aus dem Verkaufserlös einer Immobilie, einem aufgelösten Depot, einer Erbschaft oder der Ablaufleistung einer anderen Lebensversicherung.

Per Einmalzahlung flossen den Lebensversicherern im vergangenen Jahr rund 23 Milliarden Euro zu - damit stammt jeder vierte Euro, den die Lebensversicherer vereinnahmten, aus einer Einmalbeitragspolice. Vor zehn Jahren war es nur jeder zehnte Euro. Das Geschäft ist für die Branche also eminent wichtig.

Und es war lange Zeit umstritten, weil die Anbieter den vermögenden Einmalbeitragszahlern bessere Konditionen boten als dem großen Rest der Lebensversicherten. Letztere, so der Vorwurf, subventionierten mit schlechteren Konditionen das Neugeschäft mit den Vermögenden. Diese Praxis soll auf Anweisung der Finanzaufsicht der Vergangenheit angehören.

Auch aus einem anderen Grund dürften sich Kunden künftig genauer überlegen, ob sie einen hohen Geldbetrag in eine Einmalpolice investieren. Denn die daraus gezahlten Renten fallen kontinuierlich, hat Map-Report nachgerechnet. Wer vor 20 Jahren als 63-Jähriger einmalig 50.000 Euro in eine Sofortrente einzahlte, dem garantierten die Anbieter im Marktschnitt eine Monatsrente von 316 Euro. Fünf Jahre später waren es 276 Euro und weitere fünf Jahre nur noch 256 Euro.

"Rentner bluten für die Bewältigung der Staatsschuldenkrise"

Der Schwund der garantierten Monatsrente von 60 Euro im Marktschnitt fällt dabei moderat aus. Deutlicher zeigt sich die Wirkung der Niedrigzinsen, wenn man die von den Versicherern erwirtschafteten und gezahlten Überschüsse in die Rente einbezieht. Demnach warf eine vor 20 Jahren zu gleichen Konditionen abgeschlossene Sofortrente im Marktschnitt 372 Euro Monatsrente ab, zehn Jahre später waren es rund 275 Euro und damit fast 100 Euro weniger.

"Deutsche Rentner bluten für die Bewältigung der Staatsschuldenkrise", kommentiert Map-Report-Chef Poweleit seinen ernüchternden Befund. Wer jetzt 50.000 Euro in eine Einmalpolice einzahlt, wird wohl mit einer noch geringeren Rente rechnen müssen.

Die Branche versucht der finanziellen Repression mit neuartigen Produkten zu entkommen, die von den Unternehmen eine geringere Eigenkapitalunterlegung einfordert. Im Kern sollen diese Policen weniger Garantien aber höhere Renditechancen bieten. Ob sich solche Produkte am Markt durchsetzen werden, ist äußerst ungewiss. Denn deutsche Investoren sind alles andere als risikofreudig. Der Großteil ihres Geldvermögens von rund fünf Billionen Euro ist niedrig verzinst - zum Beispiel auf Tages- und Festgeldkonten.

Kapitallebensversicherung: Was die besten Anbieter zahlen

Seite 2 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung