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Von BASF bis Merck: Wie Führungskräfte ihre Arbeitsbedingungen beurteilen

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Chemiebranche "Das letzte Arbeitsjahrzehnt muss neu erfunden werden"

Wie lassen sich Führungskräfte für die Chemiebranche begeistern? Flexiblere Arbeitszeiten spielen dabei eine wichtige Rolle, sagt Thomas Fischer, Vorsitzender des Verbandes Führungskräfte Chemie. Die Umfrage des VAA zeigt: Zwischen Lanxess, BASF und Merck gibt es große Unterschiede.

mm: Herr Fischer, unter Toptalenten gilt eine Führungstätigkeit in der Chemieindustrie nicht gerade als Traumjob. Jetzt zeigt sich aber zum wiederholten Male in der Befindlichkeitsumfrage Ihres Verbandes, dass diejenigen, die in der Branche bereits arbeiten, ziemlich zufrieden sind. Wird die Attraktivität von Bayer & Co. als Arbeitgeber unterschätzt?

Fischer: Die Chemie hat das Image, dass es hier zischt und knallt. Entsprechend kritisch ist die Öffentlichkeit. Da wird jeder Anlass gern genommen, das Bild zu bestätigen und Ängste zu schüren. Denken Sie an die Diskussionen um grüne Gentechnik, neue Werkstoffe oder die Nanotechnologie. Chemiker haben natürlich die wenigsten Probleme damit. Aber ein junger Ingenieur oder Betriebswirt geht schon lieber zu Porsche  als auf die Ölbohrinsel, wenn er die Wahl hat.

mm: Was können die Chemie- und Pharmaunternehmen dagegen tun?

Fischer: Aus meiner Sicht gibt es Möglichkeiten, die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen. Die Chemie- und Pharmaindustrie könnte etwa für flexiblere Arbeitszeiten im Bereich der Führungskräfte sorgen. Vor allem das letzte Arbeitsjahrzehnt, also die Zeit vom 57. Lebensjahr bis zur Rente muss personalpolitisch neu erfunden werden. Dabei spielt dann auch das Thema Personalentwicklung und Weiterbildung eine Rolle. Die Branche könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen

mm: Über alle Altersklassen hinweg sind derzeit die Führungskräfte von Dax-Aufsteiger Lanxess  besonders guter Stimmung...

Fischer: ... so war es zumindest bis vor einigen Wochen, als wir unsere Umfrage durchgeführt haben. Nach den letzten Quartalszahlen und den angekündigten Kapazitätsanpassungen bei Lanxess dürfte die Laune bei vielen nicht mehr ganz so euphorisch sein. Selbst kleine Krisen können schnell zu deutlicher Verunsicherung in der Belegschaft führen.

mm: Und was treibt die Stimmung nach oben?

Fischer: Nehmen wir wieder das Beispiel Lanxess. Wir wissen aus der Umfrage, dass die leitenden Angestellten besonders stolz auf das Vergütungssystem des Unternehmens sind. Das ist recht einfach gehalten. Der Bonus wird im wesentlichen pro Kopf verteilt. Lediglich die Hierarchie spielt noch eine Rolle, die Leistung dagegen kaum. Andere Konzerne haben deshalb ihre etwa komplizierteren Modelle schon umgestellt oder überlegen dies zu tun.

mm: Der deutsche Angestellte mag es gern gleichförmig...

Fischer: ...was in diesem Fall durchaus vorteilhaft sein kann. Denn die Anreizsysteme können Compliance-Probleme nach sich ziehen, etwa wenn die Karotte zu hoch hängt.

mm: Wie stehen Ihre Verbandsmitglieder zu den Gehältern der Topmanager?

Fischer: Ich kenne bislang keinen Fall, wo ein Spitzenmanager der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie durch einen Gehaltsexzess aufgefallen wäre. In unserer Branche wird maßvoll gezahlt. Im übrigen finde ich es richtig, dass nicht mehr wie früher allein der Personalausschuss des Aufsichtsrats, sondern das komplette Gremium über die Vorstandsvergütung befindet. Damit gibt es ein zusätzliches Regulativ.

mm: Vielleicht bringt Sie ein anderes Reizthema mehr auf: Fracking. Die einen verteufeln die Förderung von tiefliegendem Schiefergas, weil sie eine Verseuchung von Grundwasser fürchten. Andere sorgen sich um Arbeitsplätze in Deutschland, wenn man sich der Technologie verschließt.

Fischer: Unsere Mitglieder sehen das eher nüchtern. Zunächst mal sollte man genau untersuchen, ob sich das Fracking in unseren Breiten lohnt. Wenn ja, dann könnte die Chemie ein Teil der Lösung sein. Die Unternehmen könnten neue Chemikalien entwickeln, die weniger gefährlich für das Grundwasser sind als die zur Zeit eingesetzten. Man sollte solche Technologien auf jeden Fall nicht von vorneherein ablehnen.

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