Montag, 25. Mai 2020

Mayrhuber wird doch Lufthansa-Kontrolleur Aktionärsstreit provoziert Management-Posse

Glückliche Zeiten: Ex-Vorstandsgespann Christoph Franz (l.) und Wolfgang Mayrhuber

Erst Nein, jetzt doch: Wolfgang Mayrhuber hat binnen eines Tages den Job als Aufsichtsrat der Airline ausgeschlagen und dann offenbar doch angenommen. Was erst Folge eines Zanks der Lufthansa-Aktionäre war, entwickelte sich so zur Management-Posse.

Hamburg - Überraschende Wende bei der Lufthansa: Ex-Airline-Chef Wolfgang Mayrhuber soll nun offenbar doch in den Aufsichtsrat der Fluglinie einziehen. Damit revidiert Deutschlands größte Fluggesellschaft den zuvor veröffentlichten Beschluss, dass Mayrhuber für den Job abgesagt habe - auf Druck von kritischen Aktionären.

Nach Informationen des "SPIEGEL" hat die kritische Aktionärsvereinigung, die Beratungsorganisation ISS (Institutional Shareholder Services), die gegen Honorar Fondsgesellschaften und andere institutionelle Anleger berät, ihre Skepsis gegenüber Mayrhuber aber im Laufe des Tages aufgegeben. Bei Gesprächen am Montag sollen die Bedenken ausgeräumt worden sein. Die internationalen Aktionäre hätten nunmehr ihr Okay für Mayrhuber gegeben, berichtet "SPIEGEL ONLINE".

Dabei hatte die zwischenzeitliche Entscheidung Wolfgang Mayrhubers aus dem ersten Teil dieses denkwürdigen Lufthansa-Tags, nicht für den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Lufthansa zu kandidieren, womöglich sogar für künftige Beispiele der Corporate Governance in so manchem Lehrbuch getaugt. Denn selten, so hatten Beobachter über den Tag noch übereinstimmend analysiert, hätte sich der Sinn der im deutschen Aktiengesetz in Paragraf 100, Absatz 2, Ziffer 4 niedergeschriebenen Cooling-off-Periode so sehr wie im Falle des ehemaligen Lufthansa-Chefs erschlossen. Dies war offenbar zumindest bis zum Abend auch die Ansicht jener Großaktionäre, die sich zuletzt vehement gegen Mayrhuber als künftigen Aufsichtsratschef der Kranich-Airline ausgesprochen hatten.

Der Grund: Die Lufthansa befindet sich zweieinhalb Jahre nach dem Abgang ihres einstigen Vorstandschefs im Umbruch. Namentlich für diesen Umbruch steht das von Mayrhuber-Nachfolger Christoph Franz verkündete Sparprogramm "SCORE". Das Akronym steht für "Synergies, Costs, Organisation, Revenue, Execution".

  • Vor allem die Kosten stehen dabei im Mittelpunkt. Diese, so verkündete Franz schon auf der letzten Hauptversammlung der Lufthansa, müssten allein in der Verwaltung um 25 Prozent sinken.
  • Darüber hinaus strebt der neue Vorstand eine stärkere Abstimmung von Flugplänen und die engere Integration der verschiedenen Beteiligungen und Töchter Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines und Germanwings an.
  • Nicht zuletzt stellt sich weiterhin die Frage, wie die Lufthansa mit ihrer defizitären Tochter Austrian Airlines und den Beteiligungen an Brussels Airlines (45 Prozent) und der US-Fluggesellschaft Jetblue (15,7 Prozent) umgeht.

Zwei Jahre Abkühlung nicht genug

Es sind diese bis heute akuten Baustellen, die Mayrhuber seinem Nachfolger hinterließ. Und deren Lösung aus Sicht kritischer Aktionäre daher nicht vom ehemaligen Lufthansa-Chef kontrolliert werden sollten - da sie den Konzern auch nach der zweijährigen Cooling-off-Periode Mayrhubers noch massiv prägen.

Vor allem die 2008 eingefädelte Übernahme der hochdefizitären Austrian Airlines (AUA) zählt als Problemfall innerhalb des Konzerns. Mayrhuber - selbst Österreicher - hatte den Kauf der schon damals schwer angeschlagenen Fluggesellschaft selbst auf den Weg gebracht. Im August 2009 wurde die 380 Millionen Euro teure Akquisition formell vollzogen.

Zwar gilt der Kauf unter Branchenkennern bis heute als strategisch sinnvoll - zumal 2008 auch Lufthansa-Erzrivale Air France-KLM Börsen-Chart zeigen ein Auge auf die Österreicher geworfen hatte. Angekreidet werden dem einstigen Lufthansa-Vormann indes die anhaltenden die operativen Schwierigkeiten bei der AUA, die bis heute Geld verbrennt.

"Man kann die gesamte Strategie der Auslandsexpansion hinterfragen", sagt Ingo Speich von der an der Lufthansa AG beteiligten Fondsgesellschaft Union Investment. Vor allem auch welche Unternehmen akquiriert worden seien. "Die Probleme in diesen Unternehmen reichten über die Cooling-off-Periode hinaus", sagt der Aktionärsvertreter und nennt als Beispiele auch Brussels Airlines und die US-Luftlinie Jetblue. Dass Mayrhuber vor diesem Hintergrund die Rolle eines Aufsichtsratschef, der dem Vorstandschef Rückendeckung gibt, angesichts seiner bis in die Gegenwart ausstrahlenden Management-Entscheidungen glaubwürdig ausfüllen könne, glaubt Speich nicht.

Wieso Mayrhuber dann dennoch jetzt den Job als Aufsichtsrat der Kranich-Linie übernehmen soll, blieb am Abend schleierhaft. Zeit zu Erklärungen wird es allerdings am morgigen Dienstag geben. Dann startet die Hauptversammlung des Unternehmens, die Anteilseigner werden Rederecht haben. Und Fragen stellen. Insbesondere jene, die gegen die Berufung Mayrhubers gewesen sind.

Das sind nicht wenige.

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