Buffett-Aktionäre im Glück Berkshire Hathaway meldet Gewinnsprung

Steigende Kurse und fast fünf Milliarden Dollar Gewinn im ersten Quartal haben die Aktionäre von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway einmal mehr überzeugt. Über seinen Nachfolger hat der Altmeister auf der Hauptversammlung allerdings wieder nur indirekt gesprochen - dafür aber über seinen Sohn.
Milliardeninvestor Buffett beim Twittern: "Warren is in the house."

Milliardeninvestor Buffett beim Twittern: "Warren is in the house."

Foto: AP/dpa

Omaha - Starinvestor Warren Buffett hat es passend zur Hauptversammlung seiner Investmentholding Berkshire Hathaway  geschafft, einen satten Gewinn für seine Aktionäre zu erwirtschaften. Im ersten Quartal verdiente das Konglomerat unterm Strich 4,9 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) und damit anderthalb mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Vor allem das Versicherungsgeschäft warf mehr Geld ab, wie Berkshire Hathaway am Freitag nach US-Börsenschluss bekanntgab. Zu den etwa 80 Tochterfirmen gehören Rückversicherungen sowie der in den USA bekannte Autoversicherer Geico. Auch Buffetts berühmte Spekulationsgeschäfte erwiesen sich als einträglich.

Die Zahlen lagen über den Erwartungen und sorgten damit für gute Laune auf dem Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway am Wochenende in Omaha. Die Veranstaltung ist auch als "Woodstock für Kapitalisten" bekannt. Bis zu 37.000 Aktionäre strömten in Buffetts Heimatstadt im US-Bundesstaat Nebraska, um ihrem Idol zu lauschen.

Buffett selbst spricht von einem "Woodstock für Kapitalisten". Viele kommen vor allem, weil sie sich dort köstlich unterhalten fühlen. Der verbale Schlagabtausch Buffetts mit dem stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden Charlie Munger ist für manche reine Comedy. Alljährlich wird die Veranstaltung von einer Video-Montage eröffnet. Diesmal gehörte dazu ein Duett Buffetts mit dem Rocksänger Jon Bon Jovi.

Buffett äußert keine Rentenpläne

Buffett hat viele seiner Fans reich gemacht. Allein seit dem letzten Aktionärstreffen im vergangenen Jahr ist die Aktie um ein Drittel im Wert gestiegen. Zur Freude der Anteilseigner macht der Altmeister keine Anstalten, in Rente zu gehen. "Ich liebe es, mir Gedanken über Berkshire zu machen", sagte der 82-Jährige. "Es ist ein Teil von mir."

Buffett hat binnen Jahrzehnten ein Reich geschmiedet, dass von einer Fast-Food-Kette (Dairy Queen) über eine Chemiefirma (Lubrizol) und einen Textilhersteller (Fruit of the Loom) bis hin zu einer Fluggesellschaft für Geschäftsreisende (Netjets) reicht. Hinzu kommen große Aktienpakete an börsennotierten Konzernen. Gerade kauft Buffett zusammen mit einem Finanzinvestor die Ketchup-Firma H.J. Heinz  für 23 Milliarden Dollar auf.

Geld ist genug vorhanden: Ende März lagen 49,1 Milliarden Dollar in der Kasse, immerhin 11,3 Milliarden Dollar mehr als vor einem Jahr. Die Versicherungstöchter haben die größten Reserven.

Buffett-Junior soll künftig mitreden

Buffetts Geschäftssinn ist legendär. In diesem Jahr hatte er seine Aktionäre im Vorfeld der Hauptversammlung aber auf andere Weise überrascht: Er setzte seine erste Botschaft per Kurznachrichtendienst Twitter ab: "Warren is in the house." Es folgte ein zweiter Tweet mit Hinweis auf einen Essay des Milliardärs, im dem er argumentiert, dass Frauen der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg der USA sind. Bis zum Wochenende zog er damit mehr als 360.000 Follower an.

Auf der Hauptversammlung selbst sprach der 82-Jährige zwar über seinen bereits ausgewählten Nachfolger, ohne aber dessen Namen preiszugeben. Der Außerwählte wird über ein weltweites Reich von Dutzenden von Firmen herrschen, in dem mehr als 280.000 Menschen beschäftigt sind. Als Kandidaten gelten einige Top-Manager von Berkshire, darunter Ajit Jain, der das Versicherungsgeschäft leitet, und Matt Rose, Chef der Eisenbahnsparte.

Kontrolliert werden soll der künftige Konzernchef indes von einem anderen Buffett. Der Firmengründer will seinen 58-jährigen Sohn Howard, der bislang vor allem als Farmer und Philanthrop in Erscheinung trat, im Verwaltungsrat positionieren. Vor den Aktionären verteidigte der Vater seine Entscheidung. Howard habe überhaupt keine Ambitionen, die Geschäftsleitung selbst zu übernehmen. "Er wird nur darüber nachdenken müssen, ob der Verwaltungsrat den Konzernchef auszutauschen hat", sagte Warren Buffett.

General Electric, Coca-Cola und IBM im Portfolio

Buffetts bunt gemischtes Firmenportfolio profitiert von der Wirtschaftsbelebung in den USA. So konnte sich etwa die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern ebenso über eine steigende Nachfrage freuen wie der Lebensmittelgroßhändler McLane, der Wohnmobilhersteller Forest River und der Stromkonzern MidAmerican Energy. "Der glückliche Umstand ist derzeit, dass sich die Wachstumsbereiche der Wirtschaft in Berkshires Sortiment befinden", sagte Jeff Matthews, Gründer des Hedgefonds RAM Partners und Autor eines Buches über Buffett.

"Das Rückrat von Berkshire ist die Weltklassesammlung von Versicherungsunternehmen", ergänzte Investmentstratege David Rolfe von Wedgewood Partners. Dazu gehört etwa der Kfz-Versicherer Geico, dessen Geschäfte glänzend liefen.

Auch im reinen Anlagen- und Derivategeschäft schossen die Gewinne hoch. Sie verdoppelten sich dort im Quartal nahezu auf 1,1 Milliarden Dollar. Buffett ist auch bei Großkonzernen wie General Electric  (GE), Goldman Sachs , Coca-Cola , IBM  und Wells Fargo  engagiert.

Für weitere Zukäufe fehlt es nicht an Geld. Der Barmittelbestand lag zuletzt bei 49,1 Milliarden Dollar. 12,1 Milliarden davon werden für die gemeinsam mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G Capital betriebene Übernahme des Ketchup-Produzenten H.J. Heinz  gebraucht. Eine weitere Großtransaktion ist allerdings nicht in Sicht. "Weil die Zinsen bei Null sind, werden sehr hohe Preise für Firmen gezahlt", erläuterte Verwaltungsratsvize Munger.

krk/dpa
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