Martin Wittig Chef von Roland Berger tritt zurück

Die Unternehmensberatung Roland Berger verliert ihren bisherigen Chef Martin Wittig. Dieser hat sein Amt krankheitsbedingt nierdergelegt. Seinen Posten übernimmt ein alter Bekannter: Wittigs Vorgänger Burkhart Schwenker.
Gibt seinen Chefposten bei Roland Berger ab: Martin Wittig

Gibt seinen Chefposten bei Roland Berger ab: Martin Wittig

Foto: Roland Berger / DPA

München - Der Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, Martin Wittig, ist aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurückgetreten. "Ich brauche dringend eine Auszeit, um mich einer nicht mehr aufschiebbaren medizinischen Behandlung zu unterziehen", teilte der 49-Jährige nach einer Sitzung der rund 250 Partner am Samstag in Frankfurt mit.

Er müsse sich deshalb für ein paar Monate zurückziehen. Seinen Posten übernimmt Burkhard Schwenker, der bereits von 2003 bis 2010 an der Firmenspitze stand und seitdem Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensberatung ist.

In den kommenden Monaten steht ihm eine große Aufgabe bevor: Die Partner beauftragten die Geschäftsführung damit, "verschiedene Optionen" für die weitere Strategie des Unternehmens zu prüfen. Dies könnten nach Aussagen einer Sprecherin Roland Bergers gegenüber manager magazin online "sowohl interne als auch externe Optionen" sein. Seit Wochen wird über einen möglichen Verkauf von Roland Berger an den Deloitte-Konzern spekuliert.

Umgarnt von Deloitte, PWC und Ernst & Young

Bei der Sitzung haben die Partner Kreisen zufolge nun grünes Licht für weitere Verhandlungen mit den Interessenten gegeben. Umgarnt wird Berger demnach von Deloitte, PricewaterhouseCoopers und Ernst & Young. Als grobe Richtschnur für den Kauf von Unternehmensberatungen gilt der Jahresumsatz. Im Fall von Roland Berger waren das nach Angaben des Informationsdienstes Lünendonk zuletzt etwa 420 Millionen Euro.

Es war den Kreisen zufolge aber nie geplant, heute schon einem Bieter den Zuschlag zu geben. Bis zu einer Entscheidung dürften sicher noch acht Wochen vergehen. Sprecher von Deloitte und PricewaterhouseCoopers wollten zu den Fusionsspekulationen keine Stellungnahme abgeben, bei Ernst & Young war am Sonntag niemand zu erreichen.

Im Herbst 2010 hatten Roland Berger und Deloitte schon einmal gemeinsame Pläne geschmiedet. Damals sollte Berger in der entsprechenden Sparte von Deloitte aufgehen - das neue Unternehmen hätte "Roland Berger Deloitte Strategy Consultants" geheißen.

Branche ist gesättigt

Die Parteien waren sich damals so gut wie handelseinig, entstanden wäre mit einem Jahresumsatz von fast drei Milliarden Dollar die Nummer zwei der Branche hinter McKinsey. Doch am Ende wurde daraus nichts: Medienberichten zufolge stimmten die Berger-Partner auf Drängen des Gründers mehrheitlich gegen die Fusion.

Sie wollten die internationale Expansion lieber aus eigener Kraft vorantreiben und nahmen dafür viel Geld in die Hand. Heute ist Roland Berger zwar mit mehr als 2700 Mitarbeitern in 51 Büros in 36 Ländern aktiv. Doch die künftigen Wachstumsaussichten sind mäßig, der Markt ist weitgehend gesättigt, vielerorts stagniert der Umsatz.

krk/dpa/rtr
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