Schwache Weltwirtschaft Siemens kappt die Jahresprognose

Schlechte Nachrichten von Siemens: Der Dax-Riese muss seine Prognose für das laufende Jahr zurücknehmen. Nicht nur die Rezession in der Euro-Zone macht dem Konzern zu schaffen. Selbst in den Schwellenländern fehle der Antrieb, sagt Siemens-Chef Löscher. 
Siemens-Chef Löscher: "Der Wachstumsmotor fehlt"

Siemens-Chef Löscher: "Der Wachstumsmotor fehlt"

Foto: REUTERS

München - Der Elektrokonzern Siemens hat wegen ausbleibenden Rückenwinds vor allem aus China und hausgemachten Problemen wie befürchtet seine Umsatz- und Gewinnprognose gekappt. Statt 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro Gewinn aus fortgeführtem Geschäft dürfte sich der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr (Ende November) nur noch dem unteren Ende der Spanne annähern, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

Für den Umsatz rechnet Siemens  nun mit einem moderaten Rückgang, also um 3 bis 5 Prozent. Eigentlich hätten sich die Erlöse dem Vorjahr annähern sollen. Der Welt fehle ein Wachstumsmotor, sagte Vorstandschef Peter Löscher Bloomberg-TV. Der Blick auf das zweite Halbjahr verheiße nur ein flaues Geschäft.

Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hatte Siemens seine ursprüngliche Prognose korrigieren müssen. Analysten und Beobachter hatten den jetzigen Schritt bereits befürchtet. Immerhin sorgten die Bestellungen für die Zeit zwischen Januar und März für einen Lichtblick: Sie schnellten um ein Fünftel auf 21,45 Milliarden Euro nach oben und sollen im Geschäftsjahr weiter um 3 bis 5 Prozent zulegen.

Hinter dem starken Zuwachs stecken neben einem schwachen Vorjahr, eine Reihe von Großaufträgen. So bestellte die Österreichische Bahn 100 Züge und die dänische Dong Energy orderte 166 Windkraftturbinen.

Schwellenländer schwächeln

Der Umsatz ging im zweiten Geschäftsquartal um 7 Prozent auf 18,01 Milliarden Euro zurück. Besonders das frühzyklische Industriegeschäft, also etwa Automatisierungs- und Antriebskomponenten, schwächelte. Auffällig: In den vormals so wachstumsstarken Schwellenländern schrumpfte der Siemens-Umsatz um 4 Prozent. Aber auch in Amerika lief es mau und in Europa schrumpfte der Umsatz moderat.

Das Ergebnis der vier Geschäftsfelder Energie, Gesundheit, Industrie sowie Infrastruktur und Städte, das Siemens als Sektorengewinn ausweist, brach um 29 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro ein. Analysten hatten nicht mit einem so heftigen Rückgang gerechnet. Verspätete Zuglieferungen etwa an die Deutsche Bahn lasteten mit 161 Millionen Euro auf dem zweiten Geschäftsquartal.

Für die Probleme beim Anschluss von Windparks auf hoher See - ein bereits im vergangenen Jahr verlustreiches Kapitel - verbuchte Siemens nun 84 Millionen Euro an neuen Kosten. Das verlustreiche Solargeschäft, das Siemens bislang nicht losschlagen konnte, buchte der Konzern nun wegen mangelnder Verkaufsaussichten wieder zum fortgeführten Geschäft.

900 Millionen Euro gespart

Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten, also die für Siemens-Prognose relevante Kennzahl, stagnierte praktisch bei 982 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 1,03 Milliarden Euro und damit 10 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damals hatten indes hohe Verluste bei der Netzwerktochter Nokia Siemens Networks das Ergebnis verhagelt.

Siemens-Chef Löscher sprach von einem gemischten Bild. Das Umbauprogramm habe in den ersten fünf Monaten bereits 900 Millionen Euro an Einsparungen gebracht. Die Kosten für das Gesamtjahr sollen ebenfalls so hoch liegen. "Wir müssen aber hartnäckig bleiben und dürfen nicht in unseren Anstrengungen nachlassen", sagte der Manager.

Insgesamt will der Konzern bis 2014 sechs Milliarden Euro einsparen und eine Ergebnismarge für die Sektoren von mindestens 12 Prozent erreichen. Siemens will dafür auch in Deutschland tausende Stellen streichen. Zudem soll vor allem beim Einkauf weniger ausgegeben und in der Konstruktion mehr auf die Kosten geachtet werden.

Die Hauptlast sollen wie bekannt die Sektoren Energie mit 3,3 Milliarden Euro und Industry mit 1,1 Milliarden Euro tragen. Bei der Medizintechnik, in der bereits ein anderes Sparprogramm läuft, und im Sektor Infrastruktur und Städte sollen jeweils 800 Millionen an Einsparungen kommen.

Internationale Siemens-Konkurrenten wie General Electric (GE)  oder etwa die niederländische Philips klagten zuletzt ebenfalls über die schwierige Lage in Europa, konnten aber den Umsatz nahezu stabil halten. Während der US-amerikanischen GE die starke Verankerung im Heimatmarkt und das dort boomende Geschäft mit der Energiewirtschaft hilft, zahlt sich bei Philips  ein bereits länger laufendes Sparprogramm aus. Zudem schlagen bei den beiden keine Sonderlasten im größeren Maßstab auf die Gewinn-Bilanz durch.

cr/dpa-afx
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