Samstag, 21. September 2019

"Kunden merken nichts" Obermann verteidigt Datenbremse

Telekom-Chef Obermann: "Begriffe wie Netzneutralität werden missbraucht"
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Telekom-Chef Obermann: "Begriffe wie Netzneutralität werden missbraucht"

Telekom-Chef René Obermann gerät gegenüber der Politik in die Defensive. Der Konzernlenker verteidigt die neuen Datentarife für Vielsurfer in einem Schreiben an den Bundeswirtschaftsminister. Die Wettbewerber nutzen die Gelegenheit, um sich zu profilieren.

Hamburg - Telekom-Chef René Obermann wehrt sich gegen Kritik an der geplanten Datendrosselung im Internet. In einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verteidigte er die Pläne, berichtet DER SPIEGEL.

"Begriffe wie Netzneutralität und Sicherstellung von Wettbewerb" würden in der Debatte "dahingehend missbraucht, einen Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet zu zementieren", zitiert das Nachrichten-Magazin aus Obermanns Brief. Von der vorgesehenen Preisänderung seien nur 3 Prozent der Kunden betroffen. "Diese Kunden nutzen in unserem Netz zehn- bis 20-mal größere Datenmengen als ein durchschnittlicher Kunde, der 15 bis 20 Gigabyte pro Monat verbraucht."

Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl sprang Obermann im "Focus" bei. "Wenn wir die Volumenbegrenzung einführen, werden die meisten Kunden davon nichts bemerken." Investitionen in den Breitbandausbau seien wichtiger als immer niedrigere Preise. Obermann erklärte, es stimme nicht, dass die Telekom das eigene Fernsehangebot "Entertain" bevorzuge und Rivalen diskriminiere.

Telekom-eigene Internetdienste wie Videoload oder die Telekom-Cloud würden auf die Datenmenge angerechnet. "Entertain" sei jedoch kein "typischer Internetdienst, sondern eine von den deutschen Landesmedienanstalten durchregulierte separate Fernseh- und Medienplattform, für die unsere Kunden ein entsprechendes Zusatzentgelt bezahlen", zitiert DER SPIEGEL ihn weiter.

Konkurrenz grenzt sich von der Telekom ab

Rösler hatte die Telekom wegen ihrer Pläne kritisiert. Das Vorhaben könnte die Gleichbehandlung von Anbietern im Internet gefährden. Ihre Position als Großaktionär der Telekom will die Regierung nach seinen Worten allerdings nicht offensiv nutzen, um auf Änderungen hinzuwirken.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schloss sich der Kritik Röslers an und forderte im "Focus": "Das Prinzip Netzneutralität darf nicht in Frage gestellt werden. Es darf keine Datenpakete erster und zweiter Klasse geben." SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gesteht der Telekom in dem Magazin zwar "Pioniergewinne" für den Netzausbau zu, nicht akzeptabel seien aber "Zugangsbeschränkungen nur für die Wettbewerber der Telekom".

Die Konkurrenz grenzt sich von der Telekom ab und will ihr Modell großteils nicht übernehmen. Der in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia plant nach Aussagen einer Sprecherin keine Begrenzung der Internetnutzung. Ebenso hält es Vodafone Börsen-Chart zeigen.

Ein Sprecher von O2 Börsen-Chart zeigen hatte gesagt, der Schritt der Telekom sei aus Branchensicht angesichts der rapide steigenden Datenmengen nachvollziehbar. "Sollten wir so etwas einführen, würden wir das rechtzeitig ankündigen." Der DSL-Anbieter bremse seine Kunden derzeit aber nicht aus. Dagegen hat Kabel Deutschland Börsen-Chart zeigen eine Begrenzung bereits eingeführt, allerdings eine großzügige: Ab einem Datenvolumen von 60 Gigabyte am Tag kappt der Kabelmarktführer die Geschwindigkeit für die Nutzung von Tauschnetzwerken. Internetsurfen ist weiter in Normalgeschwindigkeit möglich.

ak/rtr

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