Transparency "Der FC Bayern und Uli Hoeneß müssen prüfen, ob er eine Belastung ist"

Der Millionenkredit von Ex-Adidas Chef Dreyfus an Uli Hoeneß zeige, dass man Unternehmensführung nicht dem Gespür eines Vereinspräsidenten überlassen dürfe, sagt Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International. Jetzt müsse geklärt werden, ob Hoeneß für den FC Bayern zur Belastung wird.
Uli Hoeneß in der Kritik: "Allein, dass der Anschein erweckt wird, ein privater Kredit könnte Einfluss auf die Geschäftsbeziehungen von Verein und Adidas genommen haben, schadet allen Beteiligten."

Uli Hoeneß in der Kritik: "Allein, dass der Anschein erweckt wird, ein privater Kredit könnte Einfluss auf die Geschäftsbeziehungen von Verein und Adidas genommen haben, schadet allen Beteiligten."

Foto: DPA

mm: Frau Schenk, im Zuge der Steueraffäre um Uli Hoeneß wurde bekannt, dass der Präsident des FC Bayern im Jahr 2000 eine Millionensumme vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis Dreyfus erhalten hat. Wenig später stieg Adidas mit 10 Prozent beim FC Bayern ein, und der Verein verlängerte seinen Ausrüstervertrag mit Adidas. Ist das vereinbar mit den Prinzipien guter Unternehmensführung?

Sylvia Schenk: In solch einem Fall besteht ein Interessenkonflikt - eine Vermischung privater und geschäftlicher Beziehungen, die nicht in Ordnung ist. Zu den Compliance-Regeln, zum Beispiel in Dax-Konzernen, gehört, dass eine Verbindung privater und geschäftlicher Interessen zu vermeiden ist. Schon der Anschein einer Vermengung kann der Reputation schaden. Zumindest müssen Interessenkonflikte, sollten sie auftreten, offengelegt werden.

mm: Die Beteiligten handelten damals aber offenbar nicht so.

Schenk: Man muss zwar berücksichtigen, dass dieses Thema im Jahr 2000 noch etwas lockerer gesehen wurde - bis zum Jahr 1996 konnten deutsche Unternehmen Bestechungsgelder an ausländische Geschäftspartner sogar noch von der Steuer absetzen. Allerdings hätten Uli Hoeneß und Robert Louis Dreyfus auch im Jahr 2000 durchaus darauf kommen können, dass ein solcher Millionenkredit sehr problematisch ist und ein "Geschmäckle" hat. Allein, dass der Anschein erweckt wird, ein privater Kredit könnte Einfluss auf die Geschäftsbeziehungen von Verein und Adidas genommen haben, schadet allen Beteiligten. Die beiden hätten schon damals sensibler handeln können: Man braucht kein umfangreiches Corporate-Governance-Regelwerk, um zu spüren, dass sich so etwas nicht mit den Prinzipien eines "ehrbaren Kaufmanns" verträgt.

mm: Dennoch kam es zu dem Millionenkredit. Was folgt daraus?

Schenk: Wir können das Thema gute Unternehmensführung nicht dem individuellen Gespür der Vereinspräsidenten überlassen. Auch Bundesligavereine sollten ebenso wie andere Unternehmen Compliance-Programme haben, in denen die Spielregeln für die Unternehmensführung klar definiert sind.

mm: Uli Hoeneß wird mit Äußerungen aus dem Herbst 2001 zitiert, der FC Bayern habe sich für Adidas  entschieden, obwohl es höhere Angebote von anderen interessierten Unternehmen gab. Muss man vor diesem Hintergrund den Verdacht auf Untreue prüfen?

Schenk: Das ist eine theoretische Überlegung. Die Vorgänge liegen mehr als zehn Jahre zurück und sind damit verjährt. Selbst wenn sie nicht verjährt wären, müsste man weitere Fragen genau prüfen, zum Beispiel wann die entsprechenden Vereinbarungen geschlossen wurden und wer darüber entschieden hat. Dass man die Zusammenarbeit mit einem deutschen Unternehmen fortsetzen wollte und viel Wert auf Verlässlichkeit gelegt hat, können ja in der Tat wichtige Faktoren für die Entscheidung gewesen sein. Aber ohne genaue Kenntnis spekuliere ich nicht darüber.

mm: Wie lassen sich solche Fälle in Zukunft vermeiden? Wie können Unternehmen und Vereine, die ebenfalls Millionen bewegen, vorbeugen?

Schenk: Compliance ist kein Hexenwerk. Ob man es "Compliance" oder das Prinzip des "ehrbaren Kaufmanns" nennt, es geht im Grund immer noch um dasselbe: Sich und andere wirksam vor kriminellen Handlungen und sonstigen Regelverstößen zu schützen. Entscheidender Punkt ist die klare Haltung der Unternehmensführung beziehungsweise der Vereinsführung: Es muss ein Betriebsklima der Transparenz und Verantwortlichkeit geschaffen werden. Ein Konzern wie Daimler setzt dafür weltweit inzwischen mehr als 300 Mitarbeiter in seiner Compliance-Abteilung ein. Ein kleinerer Mittelständler muss nicht gleich einen ganzen Stab Leute einstellen, sondern kann zunächst einmal seinen Ethik-Code und seine Grundsätze festschreiben. Auch das hilft in der betrieblichen Praxis enorm.

mm: Im Sport geht es auch um Glaubwürdigkeit. Kann der FC Bayern weiter von einem Präsidenten geführt werden, dessen Glaubwürdigkeit beschädigt ist?

Schenk: Transparency trifft keine Personalentscheidungen und spricht auch keine Personalempfehlungen aus. Uli Hoeneß und der FC Bayern müssen gemeinsam prüfen, ob er für die künftige Arbeit des Vereins eine Belastung ist. Die Fragestellung ist klar - die Antwort auf diese Frage müssen Uli Hoeneß und der FC Bayern selbst geben.

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