Donnerstag, 19. September 2019

Großoptiker Fielmann wächst langsamer als gewollt

Optikerkette Fielmann: 2012 jede zweite Brille in Deutschland verkauft

2. Teil: Filius kümmert sich um Apps und IT

Im Vergleich zu den mittelfristig angestrebten 700 Filialen - heute sind es 572 - und dem langfristig angepeilten Konzernumsatz von 1,6 Milliarden Euro - 2012 waren es 1,11 Milliarden - ist dieser Anteil indes vergleichsweise gering. So steht für Fielmann auch künftig das Kerngeschäft im Mittelpunkt. Wobei sich der Konzern weiterhin auf den deutschsprachigen Raum konzentriert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt Fielmann 98 Prozent seiner Brillen ab. "Vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und dem Großraum Berlin sind mittelfristig bis zu 100 neue Filialen geplant", sagte Fielmann.

Zukäufe auch kleinerer Optikerketten würden zwar geprüft. "Aber wir haben bislang keine passenden gefunden", ergänzte Finanzvorstand Georg Alexander Zeiss, der als Gründe zu kleine Flächen und zu schlechte Lagen nannte.

Europäische Märkte wie Spanien, Frankreich und Italien stehen indes weiterhin nicht im Fokus des Unternehmens. "Wir beobachten das", sagte Zeiss. Es sei nicht so, dass der Konzern dort nicht hinwolle. Nur die Filialen seien dort in der Regel nicht groß genug. "Das passt nicht ins Filialkonzept von Fielmann."

Online-Geschäft bestenfalls im Cross-Selling

Schließlich ging der Fielmann-Chef auch erneut auf das Dauerthema des Online-Brillenversands ein, der zuletzt auf niedrigem Niveau mittlere zweistellige Wachstumsraten aufwies. Vor allem die zwei Online-Optiker Brille24 und Mister Spex hat Fielmann dabei im Blick - wenn auch dann und wann mit Argwohn. So ließ der 73-Jährige im vergangenen Jahr verlauten, dass der Brillenversand "ein Rückfall ins Mittelalter" wäre, weil in dieser Zeit auf den Märkten auch nur Fertigbrillen verkauft worden seien.

In diesem Jahr zeigte sich Konzernchef etwas milder gestimmt. "Die PR von Mister Spex ist mächtig, da muss man den Hut vor ziehen." Dennoch passten Größe des Online-Optikers und mediale Präsenz nicht unbedingt zusammen. "Ob das Konzept langfristig tragfähig ist, werden wir sehen."

Kurzfristig denke Fielmann selbst bestenfalls über Cross-Selling-Potenziale im Online-Geschäft nach. So arbeitet die Firmentochter Fielmann Ventures, wo sich vor allem Fielmanns 23-jähriger Filius Marc derzeit unter anderem seine Sporen verdient, an einer eigenen App, mit der Fielmann Produkte wie Kontaktlinsenlösung künftig online verkaufen will. Die App wird derzeit in Österreich getestet.

In einem anderen von Fielmann Ventures initiierten Projekt soll hingegen durch eine optimierte Datenverarbeitung in den Filialen Zeit eingespart werden. "Wir hoffen auf sieben Minuten Arbeitszeitverkürzung pro verkaufter Brille", sagte Fielmann. Nach seiner Rechnung hätten seine Optiker so bei gleicher Arbeitszeit die Möglichkeit, 150.000 zusätzliche Sehhilfen zu verkaufen.

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