Mittwoch, 1. April 2020

Luftfahrt Alle gemeinsam gegen die Flugsteuer

Flugpassagiere im Hamburger Flughafen: Leidtragende der Tarifkonflikte

In der Flugbranche heißt es oft: Jeder gegen jeden. Der Kampf zwischen Spartengewerkschaften, Fluggesellschaften und Flughäfen ist hart. Jetzt schließt die Branche ausnahmsweise mal die Reihen: Gemeinsam wollen die Streithähne gegen die umstrittene Flugverkehrssteuer vorgehen.

Hamburg - Wer streikt heute nochmal? Und wie lange dieses Mal? Nur Kurzstrecke oder auch wieder Langstrecke? Viele Flugreisende sind längst unaufgeregte Streik-Profis. Sie kennen sich aus mit Kofferbergen und Schlangen vor Check-In-Schaltern, Ticketumtausch und kostenlosen Bahntickets als Ersatz für die gebuchte Flugreise. Auch diese Woche war es wieder einmal so weit: Die Gewerkschaft Verdi legte am Montag die Flüge der Lufthansa lahm, das Bodenpersonal der Airline streikte ganztägig.

Die Rollenverteilung ist eingeübt: Großgewerkschaften wie Verdi und die vielen kleineren Spartengewerkschaften für einzelne Berufsgruppen sind mächtige Akteure in der Branche. Denn mit einem Streik können sie den gesamten Betrieb lahmlegen. Der öffentliche Druck auf die Arbeitgeberseite, Zugeständnisse zu machen, ist dann hoch.

Die Spartengewerkschaften kämpfen allerdings nicht nur gegen die Arbeitgeber, sondern auch miteinander, damit die eigene Berufsgruppe bei Rationalisierungs-Maßnahmen der Konzerne nicht unter die Räder kommt. Die Fluggesellschaften ihrerseits kämpfen erbittert gegen Lohnerhöhungen, denn sie schaffen es seit Jahren kaum in die Gewinnzone. Der Konkurrenzkampf ist hart - im Ton und in der Sache. Auch bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen stehen Stellenabbau und Standortschließungen an.

Die Zeiten sind hart in der Luftverkehrswirtschaft, lautstark ausgetragene Konflikte an der Tagesordnung. Wenn sich also Flughafenbetreiber, Fluggesellschaften und Gewerkschaften zusammentun, ihre Chefs für eine gemeinsame Erklärung in die Kamera lächeln lassen und statt öffentlichem Gezanke nun Einigkeit demonstrieren, erscheint das vielen Beobachtern erst einmal erstaunlich.

Leidensdruck gestiegen - Angst vor der Konkurrenz aus Asien ist groß

Und es zeigt zudem: Die Angst vor der wachsenden Konkurrenz aus Asien und den arabischen Emiraten ist groß. "Der Leidensdruck in der Branche ist offensichtlich so weit angestiegen, dass es nun zu gemeinsamen politischen Aktionen und Initiativen kommt", konstatiert Branchenanalyst Eric Heymann von DB Research.

So macht die angeschlagene Flugbranche die Politik maßgeblich für ihren desolaten Zustand verantwortlich. Schlechte politische Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa seien ein wesentlicher Grund dafür, dass die Fluggesellschaften im internationalen Wettbewerb nicht mehr mithalten könnten, klagen die Chefs der großen deutschen Airlines unisono. Das schade auch den Flughäfen, stimmt Fraport-Chef Stefan Schulte ein.

Die Branchengewerkschaften legen nach und versuchen gerade, mit einer Petition an den Deutschen Bundestag eine Abschaffung der umstrittenen Luftverkehrssteuer zu erwirken. Eine spartenübergreifende gemeinsame Erklärung der Unternehmen und Arbeitnehmer soll rechtzeitig vor der Bundestagswahl den öffentlichen Druck erhöhen.

Vorangetrieben wird die neue Einigkeit vom eigens gegründeten Dachverband BDL, der betont, man sei sich in der Branche im Grunde schon lange einig. "Die Gewerkschaften sehen ebenso wie wir: Die Luftverkehrssteuer trifft jeden in der Branche, über den Umweg der Sparprogramme auch die Belegschaften", sagt Klaus-Peter Siegloch, Präsident des BDL. "Die Luftverkehrssteuer ist dabei nur ein Teil des Problems, die politischen Auflagen für unsere Branche werden immer weiter verschärft."

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