SGL Carbon Widerstand gegen Susanne Klatten

Susanne Klatten ist Deutschlands reichste und mächtigste Unternehmerin. Nach einem harten Machtkampf mit SGL-Vorstandschef Robert Koehler soll sie dort Ende April zur Aufsichtsratschefin aufsteigen. Doch dagegen regt sich Widerstand, unter anderem bei Aktionärsschützer Christian Strenger.
Umstrittene Wahl: "Gemeinsam kontrollieren Frau Klatten und BMW 44 Prozent an SGL. Das bedeutet eine klare Hauptversammlungsmehrheit"

Umstrittene Wahl: "Gemeinsam kontrollieren Frau Klatten und BMW 44 Prozent an SGL. Das bedeutet eine klare Hauptversammlungsmehrheit"

Foto: DPA

Susanne Klatten hält knapp 28 Prozent an SGL Carbon. Ihr gehören gut 12 Prozent des Autoriesen BMW . Nach einem Machtkampf mit SGL-Vorstandschef Robert Koehler soll sie dort Aufsichtsratsvorsitzende werden - manager magazin berichtet darüber in seiner aktuellen Titel-Story.

Ihre Wahl zur Chefkontrolleurin ist jedoch umstritten. manager magazin online sprach mit Christian Strenger, Mitglied der Corporate-Governance-Kommission, über seine Bedenken.

mm: Herr Strenger, Susanne Klatten soll nach der Hauptversammlung des Spezialchemie-Spezialisten SGL Carbon  zur Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt werden. Sie haben einen Gegenantrag gestellt. Was haben Sie gegen Frau Klatten?

Strenger: Gegen Sie persönlich nichts, aber mehr Erfahrung in der Führung eines sicher komplexen Aufsichtsrates wäre schon wünschenswert. Hier geht es allerdings darum, dass die Regeln befolgt werden, in diesem Fall die des Corporate-Governance-Kodex.

mm: Inwiefern verstößt Sie gegen diese Regeln?

Strenger: Zunächst einmal: Mein Gegenantrag richtet sich nicht nur gegen Frau Klatten, sondern gegen den gesamten Aufsichtsrat.

mm: Weil er Frau Klatten nominiert hat ...

Strenger: Richtig, und weil er nicht vollständig über die Rolle Frau Klattens und mögliche Interessenskonflikte informiert. Frau Klatten hält nicht nur fast 28 Prozent an SGL Carbon. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter gehören ihr auch 46,7 Prozent des Autokonzerns BMW  ...

mm: Sie selbst hält nur gut 12 Prozent ...

Strenger: Das können Sie doch nicht trennen. Frau Klatten sitzt bei BMW im Aufsichtsrat, ihr Bruder Stefan Quandt gar im Präsidium. Und da soll BMW unabhängig von ihr entschieden haben, sich mit 15,7 Prozent an SGL zu beteiligen? Das scheint wenig realistisch. Gemeinsam kontrollieren Frau Klatten und BMW 44 Prozent an SGL. Das bedeutet eine klare Hauptversammlungsmehrheit.

mm: Und deshalb darf Frau Klatten nicht Aufsichtsratsvorsitzende werden?

Strenger: Ihre Wahl wäre nicht optimal. So hätte sie als Vorsitzende schon durch ihre Doppelstimme besonderes Gewicht.

mm: Sie könnte sich in möglichen Konfliktfällen aus der Entscheidung heraus halten und nicht abstimmen, ...

Strenger: ... und Ihre Stimme fiele dem Stellvertreter zu, einem Vertreter der Arbeitnehmer? Bei allem Respekt für die Mitbestimmung: Ideal wäre auch das nicht. Es sollte doch möglich sein, jemanden für dieses Amt zu finden, der dazu qualifiziert und gleichzeitig ausreichend unabhängig von den großen Aktionären ist. Zumindest aber, so erfordern es auch Corporate-Governance-Kodex und Aktiengesetz, muss der Aufsichtsrat die Aktionäre über die möglichen Interessenkonflikte informieren.

"Kann Frau Klatten die Interessen der beiden Unternehmen ausreichend auseinander halten?"

mm: Wo genau sehen Sie diese Konflikte?

Strenger: Noch einmal: Frau Klatten kontrolliert als Aufsichtsratsvorsitzende direkt und indirekt 44 Prozent der SGL-Anteile. Dazu kommt, dass BMW  und SGL die gemeinsame Tochterfirma SGL Automotive Carbon Fibres betreiben. Dieses Gemeinschaftsunternehmen ist für beide Teilhaber enorm wichtig; die einen benötigen seine Produkte für ihre Elektroautos i3 und i8, für die anderen könnte es sich zur Basis eines lukrativen Zukunftsgeschäfts entwickeln. Bedenken Sie weiter, dass Frau Klattens BMW-Anteil ungleich wertvoller ist als ihre SGL-Beteiligung. Interessenkonflikte lassen sich da kaum vermeiden. Und kann Frau Klatten dann die Interessen der beiden Unternehmen ausreichend auseinander halten?

mm: Sehen Sie eine Möglichkeit, das Problem zu lösen?

Strenger: Zumindest einmal müsste der Aufsichtsrat die Aktionäre darüber informieren. Genau das verlangen Aktiengesetz und auch Corporate-Governance-Kodex. Es findet sich aber keinerlei Hinweis auf Frau Klattens Doppelrolle, nicht einmal im Bericht des Aufsichtsrats an die Hauptversammlung.

mm: Transparenz schaffen und alles ist gut? Das wäre einfach.

Strenger: Das Landgericht Hannover hat im Fall von Rolf Koerfer jedenfalls vergleichbar entschieden. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Continental AG hatte seine Tätigkeit als Anwalt und Berater für den Hauptaktionär Schaeffler nicht offen gelegt.

mm: Der Aufsichtsrat wird Frau Klatten wohl trotzdem wählen. Gäbe es weitere Möglichkeiten, SGL und seine Aktionäre vor Interessenkonflikten zu schützen?

Strenger: Andere Unternehmen haben vorgemacht, wie man dieses Problem sachgerecht angehen kann. Volkswagen  hat zum Beispiel 2008 einen Ausschuss eingerichtet, der mögliche Konfliktfälle mit dem Großaktionär Porsche  regelt. Das Gremium sollte verhindern, dass die damalige Porsche-Dominanz zu Nachteilen für Volkswagen führt. Es hat zum Beispiel faire Preise garantiert, als die VW-Tochter Audi Teile an Porsche lieferte.

mm: Volkswagen als Beispiel für vorbildliche Corporate Governance? Da hat man schon anderes von Ihnen gehört, Herr Strenger.

Strenger: Zumindest im damaligen Konflikt mit Porsche wurde eine adäquate Lösung gefunden. Und warum sollten sich die SGL-Kontrolleure nicht ein Beispiel daran nehmen?