Freitag, 15. November 2019

Pescanova Skandal um Spaniens Fischereiriesen

Fischereikonzern Pescanova: Spanisches Unternehmern meldet Insolvenz an

Es war der größte Fischereikonzern Europas, jetzt ist Spaniens Pescanova pleite - und das Land um einen Skandal reicher. Die Fischfirma hat offenbar ihre Bilanzen nicht korrekt geführt. Der Präsident räumte jetzt zudem ein, er habe vor der Pleite heimlich Aktien verkauft.

Madrid - Der größte Fischereikonzern Europas, Pescanova, ist pleite. Man suche ein Abkommen mit den Gläubigern, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, teilte das Unternehmen am Montag am Firmensitz im Pontevedra im Nordwesten Spaniens mit.

Pescanova beschäftigt weltweit rund 10.000 Mitarbeiter und ist einer der größten Lebensmittelkonzerne der iberischen Halbinsel. Zur Fangflotte gehören mehr als 90 Schiffe. Die Gruppe leidet unter anderem stark unter der Wirtschaftskrise in Spanien.

Das Überleben von Pescanova sei für Spanien "absolut notwendig", sagte der Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, Miguel Arias Cañete, in einer ersten Reaktion am Abend in Madrid. Er hoffe, dass bald eine Lösung gefunden werden könne, fügte er an.

Seit Wochen sorgt der Konzern für negative Schlagzeilen. Die Pescanova SA hatte bereits Unregelmäßigkeiten bei ihrer Buchhaltung eingeräumt. Die Schulden bei Banken könnten höher sein, als in den Büchern ausgewiesen, und in die Milliarden gehen. Die spanische Finanzmarktaufsicht CNMV gab dem Unternehmen aus Galizien bis Montagmitternacht Zeit, um die Unregelmäßigkeiten zu klären. Am Ende meldete Pescanova Insolvenz an.

Doch den insolventen Fischerei-Riesen erschüttert noch ein weiterer Skandal. Der Präsident des Konzerns, Manuel Fernández de Sousa, räumte nach Unternehmensangaben gegenüber der Finanzaufsichtsbehörde (CNMV) ein, er habe in den vergangenen Monaten heimlich Aktien im Wert von 31,5 Millionen Euro abgestoßen. Der Sohn des Firmengründers müsse daher mit einer hohen Geldstrafe und weiteren Sanktionen rechnen, schrieben spanische Medien am Dienstag.

kst/rei/dpa

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