Dienstag, 15. Oktober 2019

Nach geplatzter Fusion Hamburg forciert Reedereien-Bündnis

Die "Monte Sarmiento" im Hamburger Hafen: Trotz der zunächst geplatzten Fusion schließen Hamburg Süd und Hapag Lloyd weitere Gespräche nicht aus

Die Verhandlungen waren geplatzt. Nun plant Hamburg als Hauptaktionär der Reederei Hapag-Lloyd einen neuen Anlauf für deren Zusammenschluss mit dem Lokalrivalen Hamburg Süd.

Kiel - "Wir werden alles dafür tun, damit diese Fusion auf Sicht zusammengebracht wird", sagte Wirtschaftssenator Frank Horch der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der Maritimen Konferenz in Kiel.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Bedeutung der beiden Großreedereien für Hamburg sei es wichtig, dass dieses Vorhaben zustande komme. Ein erster Versuch, aus Hapag-Lloyd und Hamburg Süd einen globalen Schifffahrtsriesen zu schmieden, war unlängst am Machtkampf der Großaktionäre gescheitert.

Beide Seiten hatten die Bemühungen allerdings nicht ganz in den Wind geschrieben und sich eine Tür offen gehalten, die Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen: Die Projektarbeiten seien "vorerst" eingestellt, hatten die Hapag-Lloyd-Aktionäre mitgeteilt. Das Projekt sei noch nicht begraben, hieß es zudem aus dem Umfeld von Hamburg-Süd-Eigner Oetker.

Kampf gegen Konjunkturschwäche

Wirtschaftssenator Horch machte deutlich, dass die Hansestadt - mit knapp 37 Prozent größter Aktionär von Hapag-Lloyd - die beiden Reedereien wieder an den Tisch bringen will. "Wir werden in der Moderation dieses Projekts alles tun, damit beide Seiten zu konsensfähigen Verträgen kommen." Dies sei angesichts der unterschiedlichen Unternehmensphilosophien und der Eignerstrukturen nicht einfach. "Aber ich glaube, mit entsprechender Überzeugungsarbeit und der Koordinierung durch uns haben wir gute Möglichkeiten."

Die Nummer sechs und die Nummer zwölf unter den weltweiten Containerreedereien wären gemeinsam zum viertgrößten Anbieter der unter Überkapazitäten leidenden Branche aufgestiegen - ein großer Beitrag zur Bewältigung der im fünften Jahr schwelenden Branchenkrise. Zusammen hätten sie womöglich höhere Frachtraten durchsetzen können.

Hapag-Lloyd hatte 2012 einen Verlust von 128 Millionen Euro eingefahren, Hamburg Süd legt keine Geschäftszahlen vor. Alle Reedereien leiden - in unterschiedlichem Maße - unter der globalen Konjunkturschwäche, den gewaltigen Überkapazitäten und den gestiegenen Treibstoffkosten. Banken schreiben einen immer größeren Teil ihrer Schiffskredite ab.

Jan Christoph Schwartz, rtr

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