Freitag, 19. Juli 2019

Fracking in den USA Die zweifelhafte Öl-Bonanza

Rohstoffe: Ab welchem Preis lohnt der Abbau?
DPA/ JOGMEC

Öl aus Schiefergestein, aus Teersand oder aus der Tiefsee - unkonventionelle Fördermethoden mischen die Karten im weltweiten Rohstoffmonopoly neu. In den USA ist die Euphorie riesig. Doch die Ölkonzerne, die sich heute in Paris treffen, müssen immer häufiger Rückschläge vermelden.

Hamburg - Man solle seinem Unternehmen nicht vorwerfen können, es nicht versucht zu haben. Bob Dudley, Chef des Ölgiganten BP, gab vor wenigen Wochen zu "das Handtuch im Solargeschäft geworfen" zu haben. 35 Jahre lang habe man alles daran gesetzt, mit der Kraft der Sonne Geld zu verdienen - vergeblich. Am Mittwoch stellte der gebürtige Amerikaner schließlich das Geschäft mit Windkraftanlagen in seiner Heimat zum Verkauf. Vom vollmundigen Slogan "Beyond Petroleum", den der Ex-Vorstandsvorsitzende John Browne zur Richtschnur des Konzerns erhob, bliebe nach dem Verkauf lediglich das Bioethanolgeschäft in Brasilien übrig.

Die Botschaft ist klar: Die Stromproduktion aus regenerativen Energien lohnt sich nicht. Schon gar nicht für einen Ölkonzern, schon gar nicht in den USA. Es ist ein Schwenk um 180 Grad. Mit Windrädern in neun Staaten und einer Gesamtkapazität von 2600 Megawatt gehört BP zu den größten Betreibern von Windkraftanlagen in den USA. Noch bis Ende vergangenen Jahres standen die Zeichen auf Expansion. Ein neuer Windpark wurde eingeweiht, die Briten waren unter den Top-10 der größten Investoren.

Mit dem geplanten Verkauf verabschiedet sich auch der letzte Ölkonzern aus dem Geschäft mit der Windenergie. Royal Dutch Shell Börsen-Chart zeigen hatte die zaghaften Versuche bereits 2009 ad acta gelegt. Stattdessen besinnt sich die Branche auf ihre Wurzeln: das schmutzige - aber offenbar viel profitablere - Geschäft mit Öl und Gas. Als das neue Mekka gilt die USA. In den vergangenen sechs Jahren haben die 50 größten Öl- und Gasfirmen nach Berechnungen der "New York Times" 126 Milliarden Dollar pro Jahr in den Kauf von Land, Bohrungen und andere Förderaktivitäten investiert.

Brent-Preis vervierfacht

Den Boom ermöglichen die hohen Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt. 2012 gilt als eines der teuersten Öljahre überhaupt. Mit durchschnittlich 111 Dollar je 159-Liter-Fass war die Nordseesorte Brent so teuer wie noch nie, seit der Jahrtausendwende hat sich der Preis vervierfacht. Im Februar knackte der Brent-Preis beinahe die Marke von 120 Dollar. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex legte die Notierung für WTI (West Texas Intermediate) seit dem Jahr 2000 um mehr als 300 Prozent auf derzeit knapp 95 Dollar zu.

Millionen Fässer von Öl, deren Förderung zuvor als unwirtschaftlich galt, werden nun dem Boden entrissen. Befeuert wird die Bonanza vor allem durch das relativ junge Fracking-Verfahren. Ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien sprengt das Öl unter hohem Druck aus Schiefergestein. Die Methode gilt unter Umweltschützern als rotes Tuch - die größte Wirtschaftsmacht der Welt hofft dagegen auf einen neuen und lang anhaltenden Aufschwung.

Das Comeback der fossilen Energien soll eine neue Ära einläuten. Im Jahr 2005 kauften die Amerikaner 60 Prozent ihres Öls auf dem Weltmarkt ein, heute sind es nur noch 40 Prozent. Bis 2017 könnten die USA Saudi-Arabien als weltgrößten Ölproduzenten ablösen und bis 2030 zum Nettoexporteur von Öl aufsteigen, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris. In den vergangenen zwei Jahren ist die Rohölproduktion um 1,3 Millionen Fass pro Tag gestiegen, bis Ende 2014 sollen noch einmal 1,4 Millionen Fass täglich hinzukommen.

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