Donnerstag, 9. April 2020

Trüber Ausblick Bertelsmann legt "Fifty Shades"-Euphorie ad acta

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe: "Normalisierung des Geschäftsverlaufs"

Die Erotik-Romantriologie "Fifty Shades" rettete Bertelsmann die 2012er Bilanz. Doch wiederholen kann Konzernchef Thomas Rabe den Verkaufserfolg nicht. In diesem Jahr rechnet er bestenfalls mit Stagnation. Die Übernahme von Springer Science ist Rabe nun doch zu teuer.

Berlin - Der Medienkonzern Bertelsmann befürchtet angesichts der Wirtschaftskrise in Europa und des teuren Konzernumbaus einen Gewinnrückgang. Ohne Berücksichtigung von Zu- und Verkäufen werde das Betriebsergebnis (operating Ebit) im laufenden Jahr stabil oder leicht rückläufig sein, sagte Konzernchef Thomas Rabe bei der Bilanzvorlage in Berlin. Hintergründe seien das geringe Wirtschaftswachstum im Euro-Raum, und hohe Investitionen in Wachstumsfelder.

Zudem geht Bertelsmann davon aus, im Buchgeschäft den Sensationserfolg der Romantrilogie "Fifty Shades" nicht mehr übertreffen zu können. Die erotischen Romane der britischen Autorin Erika Leonard, die unter dem Pseudonym E. L. James schreibt, wurden bisher mehr als 80 Millionen Mal verkauft. Rabe rechnet daher bei der Buchtochter Random House mit einer "Normalisierung des Geschäftsverlaufs".

Im vergangenen Jahr sank das Betriebsergebnis von Bertelsmann leicht auf 1,7 Milliarden Euro, wie der Konzern bereits Ende Januar mitgeteilt hatte. Der Umsatz von 16 Milliarden Euro 2012 wird Rabe zufolge im laufenden Jahr nur dank Zukäufen auf 17 Milliarden steigen. 2014 sollen dann 18 Milliarden Euro umgesetzt werden. Das fortgeführte Geschäft werde stagnieren oder leicht schrumpfen.

Verkauf von RTL-Anteilen nach Ostern

Rabe hatte Bertelsmann nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr einen Umbau verordnet, um die Abhängigkeit des Konzerns von den angestammten Geschäften in Europa zu verringern. Rabe will unter anderem das digitale Geschäft, das Bildungsangebot und des Musikrechtegeschäft ausbauen. Als Wachstumsmärkte hat er China, Indien, Brasilien und die USA ins Visier genommen.

Das Geld dafür soll unter anderem aus einem milliardenschweren Verkauf von Anteilen am Fernsehkonzern RTL Group kommen. Der Prozess sei weit fortgeschritten, sagte Rabe. Offiziell hält er sich noch offen, ob es zu einer Verringerung des Anteils von derzeit 92,3 Prozent auf gut 75 Prozent kommt. "Wir werden uns dazu nach Ostern eine Meinung bilden." Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll der Verkauf unmittelbar nach Ostern beginnen. Ende April oder Anfang Mai könnte RTL dann mit einem Streubesitz von bis zu 25 Prozent zum Börsen-Schwergewicht werden, hatte es in Finanzkreisen geheißen.

Rabe: Springer Science zu groß und zu teuer

Bertelsmann schließt derzeit seinen Buchverlag Random House mit dem zum britischen Rivalen Pearson gehörenden Penguin-Verlag zum Weltmarktführer zusammen. Rabe rechnet im zweiten Halbjahr mit einem Abschluss der Transaktion, die von Kartellbehörden in aller Welt geprüft wird. Zudem verleibte sich Bertelsmann zuletzt die Musikrechtefirma BMG Rights Management vollständig ein und übernahm dafür den 51-prozentigen Anteil des Mehrheitseigners KKR.

Am zum Verkauf stehenden Wissenschaftsverlag Springer Science hat Bertelsmann hingegen sein Interesse verloren - er ist aus Sicht von Rabe ein zu dicker Brocken. Die Größe und damit der Preis des Unternehmens seien für Bertelsmann zu viel, sagte der Vorstandschef. "Das erscheint uns unter Risiko-, aber auch unter Opportunitätsgesichtspunkten nicht sinnvoll."

Bertelsmann wolle statt dessen lieber eine Reihe mittelgroßer Investitionen tätigen. Die Finanzinvestoren EQT und GIC könnten mit Springer Science bis zu vier Milliarden Euro erlösen. Auch der von der Deutschen Telekom auf den Prüfstand gestellte Online-Anzeigenanbieter Scout passt nicht in Bertelsmanns Anforderungsprofil, wie Rabe signalisierte.

mahi/rtr

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