Montag, 25. Mai 2020

Untreuevorwurf Strafanzeige gegen BdV-Aufsichtsrat

Sofortige Abberufung: Beim Bund der Versicherten (BdV) hat der Aufsichtsrat die Vorstände Axel Kleinlein und Thorsten Rudnik gefeuert

4. Teil: Erboste Mitglieder hoffen auf Sturz des Aufsichtsrats + ANMERKUNG DER REDAKTION ZUM VERFAHREN

Kleinlein und andere Kritiker des Aufsichtsrats rufen die BDV-Mitglieder der Organisation nun dazu auf, eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu beantragen. Lägen dem Betriebsrat 550 Anträge vor, müsse binnen kurzer Frist diese Versammlung stattfinden. Die Hoffnung des geschassten BdV-Vorstandsvorfsitzenden: Während dieser Versammlung könne dann ein neu gewählter Aufsichtsrat die Besetzung des Vorstands unvoreingenommen neu beschließen.

Dass ein neues Mitgliedervotum Grobrecht womöglich aus dem Amt fegen könnte, fürchtet er selbst nicht. Schon einmal hatten Mitglieder aufbegehrt und eine Abwahl des Aufsichtsratschefs angestrengt. Trotz der Strafanzeige denkt Gobrecht nicht an Rücktritt. "Jetzt aufzugeben, sähe ja wie Feigheit vor dem Feind aus. Das kommt nicht in Frage." Der Strafanzeige sehe der Aufsichtsratschef jedenfalls "gelassen" entgegen.

Für die vor die Tür gesetzten Kleinlein und Rudnik führt seit vergangenem Freitag der ad hoc eingesetzte Tobias Weissflog als Vorstand den BdV an. In der Verbraucherschutz und Versicherungsszene gilt Weissflog als wenig beschriebenes Blatt. Der Betriebswirt soll als Unternehmensberater tätig sein mit den Schwerpunkten Sanierung und Restrukturierung. Viel hat das mit Versicherungen in der Tat nicht zu tun.

"Katastrophe für BdV"

Ob mit dieser Personalie das letzte Wort beim BdV schon gesprochen ist, ist daher eher fraglich. In Internetblogs zeigen sich Akteure teils entäuscht und empört über die Entscheidung des Aufsichtsrats. "Was für eine falsche Entscheidung! Was für ein Verlust für den Verbraucherschutz! Der Bund der Versicherten schenkt den Versicherern einen Triumph."

Anwalt Joachim Bluhm, seit 1982 BdV-Mitglied und über viele Jahre für den Bund Vertreter vor Gericht, spricht von einer "Katastrophe" für die Organisation. In Weissflog sieht er einen "Getreuen" von Aufsichtsratschef Gobrecht. Letzterer habe bis heute nicht die Aufgabe eines Aufsichtsrats begriffen.

Bluhm zweifelt zudem an, dass der neu eingesetzte Vorstandschef die notwendige Qualifikation für den Job mitbringe: "In erster Linie gestalten Juristen und Versicherungsmathematiker Versicherungsprodukte. Nur sie sind in der Lage, streitige Diskussionen über dieses Thema zu führen."

Das traut der Anwalt Weissflog ob dessen beruflicher Herkunft nicht wirklich zu zu und fürchtet um das Profil der Organisation. Der BdV könne keinen Kuschelkurs gegenüber der Assekuranz gebrauchen. "Dann können Sie den Verein einstampfen", zeigt sich Bluhm um die Zukunft des BdV besorgt.

+ ANMERKUNG DER REDAKTION ZUM VERFAHREN (vom 8. September 2015).

Die Staatsanwaltsschaft Hamburg hat das Ermittlungsverfahren gegen Thorsten Rudnik im Juli 2015 nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.

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