Freitag, 29. Mai 2020

Untreuevorwurf Strafanzeige gegen BdV-Aufsichtsrat

Sofortige Abberufung: Beim Bund der Versicherten (BdV) hat der Aufsichtsrat die Vorstände Axel Kleinlein und Thorsten Rudnik gefeuert

3. Teil: Was wusste Vorstand Kleinlein von den Zahlungen?

Mit Vorliegen des externen Gutachtens habe der BdV-Vorstandsvorsitzende die laufenden Sonderzahlungen an die Kollegin aber sofort gestoppt. Offenbar sehr zum Verdruss des Aufsichtsrats. "Anstatt mich in meiner neutralen Haltung in der Aufklärung dieses Sachverhalts zu unterstützen, griff mich der Aufsichtsrat sogar für dieses Verhalten an", berichtet Kleinlein.

"Unser Vorstandsvorsitzender hat bis zu seiner Absetzung vor wenigen Tagen unter erheblichem Druck der Aufsichtsräte Gobrecht, Wrocklage und Schadendorf gestanden", sagt Betriebsrat Huber. Nahezu sämtliche Mitarbeiter des BdV hätten sich mit Kleinlein solidarisiert. So hätte im Verlauf einer außerordentlichen Betriebsversammlung am 29. Oktober 2012 in Anwesenheit des Aufsichtsrates eine drohende Absetzung des BdV-Vorstandsvorsitzenden noch verhindert werden können.

Seitdem habe der Betriebsrat die Aufsichtsräte dreimal aufgefordert zu erklären, wie sie nach dem externen unabhängigen Gutachten das Problem zu lösen gedenken. Eine Antwort hätten die Betriebsräte nicht bekommen. "Offensichtlich versagen die innerbetrieblichen und vereinsinternen Kontrollmechanismen. Die Strafanzeige war deshalb die logische Konsequenz für den Betriebsrat", sagt Huber. Aufsichtsrat Gobrecht behauptet dagegen, der Betriebsrat sei "abgetaucht", habe sich der Diskussion entzogen.

Umstrittener Termin mit dem Gutachter

Den Zeitpunkt für die Strafanzeige sah der Betriebsrat offenbar am 14. Januar dieses Jahres gekommen. In einer Besprechung habe der Aufsichtsrat über den Vorstand erklären lassen, dass er einen Termin mit dem gemeinsam beauftragten Gutachter vereinbaren wolle - aber ohne den Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertretung befürchtete, dass die Aufsichtsräte den Auftrag des Gutachters mit einer neuen Fragestellung abändern wollten und erstatteten noch am selben Tag Strafanzeige.

Kleinlein betont, dass zwischen ihm und dem Aufsichtsrat über die inhaltliche Ausrichtung des BdV hin zum offensiven Verbraucherschutz "stets Konsens" bestanden habe. Gobrecht lobt im Gespräch mit manager magazin online sogar die Öffentlichkeitsarbeit Kleinleins. Ihm sei es aber nicht gelungen, "alle Mitarbeiter mitzunehmen", insbesondere die Verstimmungen mit Rudnik auszuräumen.

Deshalb habe sich Gobrecht für einen "sauberen Schnitt" entschieden und beide Vorstände vor die Tür gesetzt. "Meine Hoffnung ist jedenfalls, was beide Vorstandsmitglieder anbelangt, enttäuscht worden", sagt der Aufsichtsratschef.

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