Geldanlage Wie man den Index schlägt

Weil aktiv verwaltete Aktienfonds in der Regel ihren Vergleichsindex nicht schlagen, raten Anlegerschützer zur günstigeren Variante der Indexfonds. Nun zeigt jedoch eine Studie, dass Anleger mit Indexfonds nicht immer am besten fahren.
Von Richard Haimann
Auf der Jagd nach dem Delta: Nur wenige Profis schlagen den Vergleichsindex. Viele Anleger ziehen daher Indexfonds einem aktiv gemanagten Fonds vor

Auf der Jagd nach dem Delta: Nur wenige Profis schlagen den Vergleichsindex. Viele Anleger ziehen daher Indexfonds einem aktiv gemanagten Fonds vor

Foto: DPA

Hamburg - Jahr für Jahr kommen Studien zum selben Ergebnis: Die meisten Fondsmanager sind hochbezahlte Nieten. Denn der Mehrzahl der aktiv gemanagten Aktienfonds gelingt es nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Je länger der Untersuchungszeitraum, desto geringer der Prozentsatz der Investmentvehikel, die ihre Benchmark übertreffen. "Über zehn Jahre hinweg schlagen nicht einmal 20 Prozent der Manager ihren Index", weiß Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die wenigen positiven Ausnahmen unter den Fondsmanagern hätten "schlichtweg Glück", meinen die US-Finanzwissenschaftler Eugene F. Fama von der Chicago Business School und Kenneth R. French vom Darmouth College. "Auf Dauer gelingt es keinem Fondsmanager seinen Vergleichsindex zu schlagen", lautet ihre These. Sie raten deshalb Anlegern davon ab, zu aktiv gemanagten Fonds zu greifen.

Dieser Meinung ist auch Nauhauser: "Die Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent und die jährlichen Verwaltungskosten von bis zu 2 Prozent können sich Anleger sparen."

Stattdessen raten die Kritiker zu Investments in die seit Beginn der Finanzkrise umstrittenen börsengehandelte Indexfonds. Die im Branchenjargon Exchange Traded Funds, kurz ETFs, genannten Vehikel bilden passiv einen Index wie den Dax  nach. Die jährlichen Verwaltungskosten betragen zum Teil nur 0,12 Prozent. Ausgabeaufschläge gibt es nicht. Da die Anteile direkt über die Börsen geordert werden können, fallen nur die geringen Handelsgebühren an.

ETF-Markt boomt - Indexfonds als günstigere Alternative

"Mit Indexfonds sparen Anleger erhebliche Kosten und erzielen langfristig sogar eine bessere Performance", sagt Nauhauser. Der Verbund der Honorarberater (VDH) empfiehlt sogar für die Altersvorsorge Indexfonds. "ETFs ermöglichen ein Ansparen zu einer deutlich geringeren Kostenbelastung und damit zu einer langfristig besseren Wertentwicklung", sagt Geschäftsführer Dieter Rauch.

Da ist es kein Wunder, dass der ETF-Markt boomt. Nach einer Erhebung der Deutschen Börse  ist die Zahl der Indexfonds hierzulande seit der Jahrtausendwende pro Jahr um 74 Prozent auf inzwischen rund 1200 gestiegen. 72,1 Milliarden Euro hatten Profiinvestoren und private Anleger nach Angaben des Fondsverbands BVI zu Jahresbeginn in ETFs investiert. Das entsprach mehr als 15 Prozent der 459 Milliarden Euro, die zu diesem Zeitpunkt insgesamt in Aktien- und Anleihefonds angelegt waren.

Auch in anderen Ländern werden Indexfonds bei Anlegern immer beliebter. Europaweit stieg bei iShares, dem weltweit größten ETF-Anbieter, das verwaltete Fondsvolumen seit Anfang 2003 von 20 Milliarden US-Dollar auf aktuell 375 Milliarden US-Dollar (289,6 Milliarden Euro). Weltweit ruhen bereits mehr als 1300 Milliarden Euro in Indexfonds. Selbst für Investments in Staats- und Unternehmensanleihen gibt es inzwischen passende Produkte. "Im vergangenen Jahr legten Investoren weltweit 70 Milliarden Dollar in Anleihe-ETFs an", weiß Peter Scharl, Leiter des institutionellen Vertriebs in Deutschland von iShares.

Klare Kriterien zur Auswahl aktiv gemanagter Fonds

Nun allerdings wirft eine Studie der Berliner Ratingagentur Scope die Frage auf, ob Anleger tatsächlich mit Indexfonds immer am besten fahren. Analyst Sasa Perovic hat alle jene aktiv gemanagten Fonds miteinander verglichen, die langfristig besser als ihr Vergleichsindex abschneiden und dabei eine Reihe von Gemeinsamkeiten entdeckt.

Sein Fazit: "Es ist durchaus möglich, jene aktiv verwalteten Fonds zu identifizieren, die Outperformance-Potenzial haben und langfristig auch gegenüber ETFs überdurchschnittliche Renditen einfahren können."

Das wichtigste Kriterium: ein Manager muss mit seinem Fonds über mindestens fünf, besser zehn Jahre hinweg besser als der Index abgeschnitten haben - und zwar auch in turbulenten Kapitalmarktphasen. "Eine kurzfristige Outperformance über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren kann allein auf Glück beruhen, ein langfristiger Erfolg deutet jedoch sehr stark daraufhin, dass hier ein wirklich erfahrener Manager am Werk ist", sagt Perovic.

Dies gelte insbesondere dann, wenn der Fonds auch bei einem Crash wie im Herbst 2008 besser als der Index abgeschnitten hat. "Dies zeigt, dass der Fondsmanager eine adäquate Risikovorsorge betreibt", sagt der Analyst. Für Anleger ist es relativ einfach, diese Investmentvehikel zu identifizieren. Internetportale wie Onvista.de  zeigen die Performance eines Fonds im Vergleich zu seiner Benchmark über fünf, zehn oder sogar 15 Jahre hinweg.

Kontinuität gefragt

Vorsicht ist allerdings immer dann angebracht, wenn der Manager eines überdurchschnittlich erfolgreichen Fonds ausscheidet. "Ob sein Nachfolger ebenso erfolgreich agieren wird, wissen die Anleger erst, wenn er mindestens fünf Jahre im Amt ist", sagt Perovic. Das Problem dabei: Kapitalanlagegesellschaften teilen ihren Kunden meist nicht mit, wenn ein Top-Fondsmanager zur Konkurrenz wechselt. Deshalb sollten Anleger die jeden Monat auf den Internetseiten der Anbieter veröffentlichten Factsheets ihrer Fonds lesen.

Darin steht auch der Name des Fondsmanagers. Ändert sich der, sollten die Investoren hellhörig werden. "Sie sollten bei der Kapitalanlagegesellschaft nachfragen, welche Fonds der neue Manager bisher verwaltet hat", rät der Münchner Fachanwalt für Kapitalanlagerecht Peter Mattil. Anschließend sollten die Anleger vergleichen, ob diese Fonds in der Vergangenheit besser oder schlechter als ihre Benchmark abgeschnitten haben.

Die zweite Auffälligkeit: Aktiv gemanagte Fonds, die überdurchschnittliche Renditen erzielen, werden fast immer von Kapitalanlagegesellschaften aufgelegt, die eigene Researchabteilungen haben und nicht nur mit Studien anderer Gesellschaften arbeiten. "Je mehr Aufwand ein Anbieter betreibt, um die Märkte zu analysieren und neue Trends frühzeitig zu entdecken, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Fonds den Index schlagen", sagt Perovic.

Fondsanbieter erschweren die Auswahl guter Produkte

Entscheidend sei dabei allerdings, dass die Researcher nicht einfach nur die Bilanzdaten von Unternehmen in computergestützte Rechenmodelle einfließen lassen. "Um herauszufinden, welche Gesellschaften gute Chancen haben, in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen, müssen die Fondsmanger nicht nur auf die Zahlen sehen, sondern die Vorstände besuchen und bohrende Fragen stellen", sagt der Analyst.

Für Anleger sei es zwar sehr schwierig, die Qualität der Researchabteilungen von Kapitalanlagegesellschaften zu beurteilen, sagt Perovic. "Jeder Anbieter lässt in seinen Hochglanzbroschüren die Expertise seiner Analysten in bestem Licht erscheinen." Einen Hinweis auf die Fähigkeiten der Researcher zeigt jedoch ein Blick auf die Gesamtperformance der Fonds einer Gesellschaft. Haben die meisten von ihnen über einen längeren Zeitraum schlechter als der jeweilige Index abgeschnitten, spreche dies weder für die Qualität des Researchs, noch des Managements.

Etliche aktiv gemanagte Fonds setzen auf spezielle Themen und fahren damit oftmals über Jahre hinweg sehr attraktive Renditen ein. Das muss aber nicht bedeuten, dass dies auch künftig so bleiben wird. "Anleger sollten sich bei Themenfonds immer fragen, ob die Investmentstory tatsächlich logisch und plausibel ist", sagt Perovic.

Vorsicht vor Luftnummern

Dass nicht jeder Hype eine reale Grundlage hat, zeigt die Internetblase von 1998 bis 2001. Damals gierten Investoren nach Aktien von Unternehmen, die möglichst viel Geld verbrannten, um sich eine dominierende Position im weltweiten Datennetzwerk zu sichern. Die Geschäftsideen wurden dabei kaum auf ihre Plausibilität geprüft. Am Ende stürzten die Kurse ein und Anleger verloren Milliarden - auch mit jenen Themenfonds, die im Boom ihre Benchmarks geschlagen hatten.

Jetzt sind seit mehreren Jahren aktiv gemanagte Fonds en vogue, die in Aktien von Konsumgüteranbietern in Schwellenländern investieren. Die Investmentstory klingt plausibel: Mit der wachsenden Mittelschicht in den Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas steige dort auch die Nachfrage nach Elektronikartikeln, hochwertigen Lebensmitteln und Textilien. "Allerdings sollten Anleger bei diesen Fonds genau darauf achten, in welche Aktien sie investieren", rät der Analyst.

Der Grund: Etliche dieser Investmentvehikel haben kaum Papiere von Unternehmen aus den jeweiligen Schwellenländern im Portfolio, sondern sind stattdessen überwiegend in Aktien von europäischen und nordamerikanischen Nahrungs- und Konsumgüterherstellern wie Coca-Cola , Danone , Johnson & Johnson , Procter & Gamble  und Nestlé  investiert. "Diese Gesellschaften betreiben zwar alle auch in Schwellenländer Geschäfte, der Großteil ihrer Umsätze und Gewinne stammt aber aus den entwickelten Industriestaaten", erläutert Perovic. "An einem Konsumgüter-Boom in den aufstrebenden Staaten können Anleger mit diesen Fonds daher nur partiell partizipieren."

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