Samstag, 21. September 2019

Geldanlage Wie man den Index schlägt

Auf der Jagd nach dem Delta: Nur wenige Profis schlagen den Vergleichsindex. Viele Anleger ziehen daher Indexfonds einem aktiv gemanagten Fonds vor

3. Teil: Fondsanbieter erschweren die Auswahl guter Produkte

Entscheidend sei dabei allerdings, dass die Researcher nicht einfach nur die Bilanzdaten von Unternehmen in computergestützte Rechenmodelle einfließen lassen. "Um herauszufinden, welche Gesellschaften gute Chancen haben, in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen, müssen die Fondsmanger nicht nur auf die Zahlen sehen, sondern die Vorstände besuchen und bohrende Fragen stellen", sagt der Analyst.

Für Anleger sei es zwar sehr schwierig, die Qualität der Researchabteilungen von Kapitalanlagegesellschaften zu beurteilen, sagt Perovic. "Jeder Anbieter lässt in seinen Hochglanzbroschüren die Expertise seiner Analysten in bestem Licht erscheinen." Einen Hinweis auf die Fähigkeiten der Researcher zeigt jedoch ein Blick auf die Gesamtperformance der Fonds einer Gesellschaft. Haben die meisten von ihnen über einen längeren Zeitraum schlechter als der jeweilige Index abgeschnitten, spreche dies weder für die Qualität des Researchs, noch des Managements.

Etliche aktiv gemanagte Fonds setzen auf spezielle Themen und fahren damit oftmals über Jahre hinweg sehr attraktive Renditen ein. Das muss aber nicht bedeuten, dass dies auch künftig so bleiben wird. "Anleger sollten sich bei Themenfonds immer fragen, ob die Investmentstory tatsächlich logisch und plausibel ist", sagt Perovic.

Vorsicht vor Luftnummern

Dass nicht jeder Hype eine reale Grundlage hat, zeigt die Internetblase von 1998 bis 2001. Damals gierten Investoren nach Aktien von Unternehmen, die möglichst viel Geld verbrannten, um sich eine dominierende Position im weltweiten Datennetzwerk zu sichern. Die Geschäftsideen wurden dabei kaum auf ihre Plausibilität geprüft. Am Ende stürzten die Kurse ein und Anleger verloren Milliarden - auch mit jenen Themenfonds, die im Boom ihre Benchmarks geschlagen hatten.

Jetzt sind seit mehreren Jahren aktiv gemanagte Fonds en vogue, die in Aktien von Konsumgüteranbietern in Schwellenländern investieren. Die Investmentstory klingt plausibel: Mit der wachsenden Mittelschicht in den Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas steige dort auch die Nachfrage nach Elektronikartikeln, hochwertigen Lebensmitteln und Textilien. "Allerdings sollten Anleger bei diesen Fonds genau darauf achten, in welche Aktien sie investieren", rät der Analyst.

Der Grund: Etliche dieser Investmentvehikel haben kaum Papiere von Unternehmen aus den jeweiligen Schwellenländern im Portfolio, sondern sind stattdessen überwiegend in Aktien von europäischen und nordamerikanischen Nahrungs- und Konsumgüterherstellern wie Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Danone Börsen-Chart zeigen, Johnson & Johnson Börsen-Chart zeigen, Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen und Nestlé Börsen-Chart zeigen investiert. "Diese Gesellschaften betreiben zwar alle auch in Schwellenländer Geschäfte, der Großteil ihrer Umsätze und Gewinne stammt aber aus den entwickelten Industriestaaten", erläutert Perovic. "An einem Konsumgüter-Boom in den aufstrebenden Staaten können Anleger mit diesen Fonds daher nur partiell partizipieren."

Brandbeschleuniger ETFs: Wie Indexfonds das Finanzsystem destabilisieren

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