Mittwoch, 19. Februar 2020

"Fifty Shades" Softporno rettet Bertelsmann-Bilanz

"Shades of Grey": Erfolg der Buchtriologie gleicht Bertelsmann-Probleme bei der Verlagstochter Gruner + Jahr aus

Mit dem Bestseller "Fifty Shades" hat Bertelsmann offenbar die Misere seiner Wirtschaftsmedien um die "Financial Times Deutschland" wettgemacht. Nach Medieninformationen hat der Erfolg der erotischen Romantrilogie den Bertelsmann-Gewinn auf Vorjahresniveau gehalten.

Gütersloh - Es ist ein überragender Erfolg, allerdings macht der Verkauf der erotischen Romantrilogie "Fifty Shades" die Bertelsmann-Bilanz des Jahres 2012 auch zu einer Art Ausreißerergebnis:

Bertelsmann hatte Ende Januar für das abgelaufene Jahr einen Betriebsgewinn (operating Ebit) von 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 16 Milliarden Euro bekanntgegeben. Damit stabilisierte sich das Unternehmen zwar auf Vorjahresniveau. Großen Anteil daran hatte nach Medieninformationen allerdings der einmalige Verkaufserfolg des Romanbestsellers "Fifty Shades":

Nur wegen des Erfolgs dieser erotischen Romantrilogie habe der Medienkonzern sein Betriebsergebnis im vergangenen Jahr auf dem Niveau von 2011 halten und damit die Misere seiner Wirtschaftsmedien um die "Financial Times Deutschland" ausgleichen können, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Ein Bertelsmann-Sprecher bestätigte, dass die "Fifty Shades"-Romane der britischen Autorin Erika Leonard, die unter dem Pseudonym E. L. James schreibt, bisher mehr als 70 Millionen Mal verkauft wurden. Der Zeitung zufolge hat der Bertelsmann-Buchverlag Random House 2012 mit einem Rekordgewinn abgeschlossen. Das Betriebsergebnis (operating Ebit) sei auf mehr als 300 Millionen Euro gestiegen von 185 Millionen Euro im Jahr zuvor. Bertelsmann und der britische Rivale Pearson schließen ihre Buchverlage Random House und Penguin gerade zum Weltmarktführer zusammen.

Der Betriebsgewinn des Zeitschriften- und Zeitungsverlags Gruner + Jahr brach dem Zeitungsbericht zufolge dagegen ein - auf einen Wert in der Größenordnung von 160 Millionen Euro nach 233 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich werde Gruner + Jahr wohl einen Verlust in niedriger zweistelliger Millionenhöhe ausweisen. Gründe seien Sonderbelastungen im Zusammenhang mit dem weitgehenden Rückzug aus den Wirtschaftsmedien und Wertberichtigungen im spanischen Zeitschriftengeschäft sowie bei der amerikanischen Tochtergesellschaft Brown Printing.

Gruner + Jahr hatte die "Financial Times Deutschland" im Dezember nach zwölf verlustreichen Jahren eingestellt.

kst/rtr

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