Samstag, 7. Dezember 2019

Altersvorsorge Weniger Geld für die Betriebsrente übrig

Betriebsrente: In mittelständischen Unternehmen haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Beschäftigte die betriebliche Altersversorgung genutzt

Befürworter der Betriebsrente loben gern deren Vorteile. Jedoch fehlt immer mehr Beschäftigten das Geld dafür. Auch ziehen sich Firmen aus der Mitfinanzierung der Betriebsrente zusehends zurück. Das macht sie nicht attraktiver, denn die Betriebsrente wird künftig ohnehin weniger abwerfen.

Hamburg - Protagonisten der Betriebsrente halten die Vorsorge über den Betrieb oft für effizienter und kostengünstiger als eine private Riester- oder Rürup-Rente. Denn nicht zuletzt die Nachfragemacht der Arbeitgeber führe für die Beschäftigten zu vorteilhafteren Konditionen. Bequemer sei sie ohnehin, kümmert sich in der Regel doch der Arbeitgeber um den Durchführungsweg, die Wahl des Anbieters und die Tarife.

Aufwind bekamen die Betriebsrenten-Befürworter zuletzt auch dadurch, dass die SPD die "Rente vom Chef" im Falle eines Wahlsiegs bei der nächsten Bundestagswahl stärker fördern und flächendeckend verbreiten möchte. Um so mehr dürften die Befürworter jetzt aufhorchen:

Nach einer Studie der Forsa-Marktforscher fragten in mittelständischen Betrieben in Deutschland im Jahr 2012 deutlich weniger Beschäftigte nach einer Betriebsrente als das Jahr zuvor. Während die Teilnahmequoten unter Topmanagern (61 Prozent) und Managern der mittleren Ebene (49 Prozent) sich nur geringfügig verringerten, brachen sie bei den übrigen Mitarbeitern auf 40,5 Prozent regelrecht ein - das ist gut ein Fünftel weniger als im Vorjahr (2011: 49,5 Prozent). Der Rückgang zeige sich in allen Finanzzierungsformen der BAV, am stärksten aber in der rein arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente.

Vielen Angestellten im Mittelstand fehle schlicht das Geld, um eine Betriebsrente aufzubauen. Ausgeprägt sei dies besondes in Unternehmen der Industrie, schreiben die Autoren der Studie, die manager magazin online vorliegt.

Einen weiteren Grund für den Rückgang sehen die Autoren darin, dass wie in den Vorjahren offenbar mehr Unternehmen ihre Angebote an arbeitgeberfinanzierter Betriebsrente für die Mitarbeiter unterhalb des Managements weiter reduziert hätten. Für die Studie im Auftrag der Generali-Versicherung befragte Forsa Personal- und BAV-Verantwortliche in mittelständischen Betrieben zwischen 50 und 500 Beschäftigten.

Firmen reduzieren Angebote an arbeitgeberfinanzierter Betriebsrente

Seit 2002 haben Beschäftigte in Deutschland einen Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersversorgung im Zuge der Entgeltumwandlung. Dabei zahlt der Arbeitgeber einen Teil des Bruttoeinkommens in einen betrieblichen Vorsorgevertrag ein, was der Staat finanziell fördert. Oft unterstützen auch die Arbeitgeber selbst den Aufbau einer Betriebsrente finanziell.

Über den Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland kursieren abweichende Erhebungen, die zudem teils älteren Datums sind. Als realistisch darf wohl gelten, dass jeder zweite sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst bislang einen Betriebsrentenanspruch erworben hat.

Dabei zeigt auch die Forsa-Studie, dass die Beschäftigten in größeren mittelständischen Unternehmen öfter über den Betrieb vorsorgen als in kleineren. In Firmen mit 250 bis 500 Arbeitnehmern nutzt etwa jeder zweite die betriebliche Altersversorgung. Bei Unternehmen mit 50 bis 100 Angestellten erwirbt nur jeder dritte einen Betriebsrentenanspruch.

Beobachter führen dies auch auf die schlechtere Informationspolitik kleinerer Betriebe zurück. Nach wie vor informierten Kleinstbetriebe kaum oder gar nicht ihre Mitarbeiter über die Option der Betriebsrente, so dass deren Beschäftigte hier außen vor stehen.

Nahezu alle mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern lagern ihre betriebliche Altersversorgung an einen externen Dienstleister aus. Zentrales Motiv ist die Entlastung des eigenen Unternehmens und dass der Anbieter die Administration der BAV komplett für sie übernimmt. Wichtigster Partner sind dabei Versicherer (78 Prozent) und Pensionskassen (48 Prozent).

Auch die Betriebsrente wird künftig kleiner ausfallen

Im Gegensatz zu Pensionsfonds und berufsständischen Versorgungswerken, die bei der Kapitalanlage grundsätzlich etwas risikofreudiger agieren, investieren Pensionskassen das Geld der Beschäftigten ganz überwiegend in festverzinsliche Titel - also mindestens zu 80 Prozent. Wie Lebensversicherer stehen sie damit vor der großen Herausforderung, ordentliche Renditen zu erwirtschaften, denn mit auslaufenden Bonds lässt sich kaum noch die aus Sicht von Experten notwendige Portfoliorendite von 4 Prozent erwirtschaften.

Arbeitgeber gehen deshalb stärker dazu über, ihren Beschäftigten keine festen Zusagen mehr zur Höhe der Betriebsrente zu machen. Denn im Zweifelsfall müssen sie hier Geld nachschießen. Tendenziell müssen sich daher auch Beschäftigte des Mittelstands auf geringere Betriebsrenten einstellen. Das gilt um so mehr, wenn betriebliche Pensionkassen sich wie Versicherer künftig den erhöhten Eigenkapitalanforderungen von Solvency II unterwerfen müssen.

Die Direktversicherung und Pensionskasse sind nach wie vor der am weitesten verbreitete Durchführungsweg in der betrieblichen Altersvorsorge, das bestätigt auch die aktuelle Forsa-Studie. Die Zeitschrift "Öko-Test" hatte im Sommer vergangenen Jahres 184 Tarife dieser beliebtesten Formen analysiert und war dabei zu wenig schmeichelhaften Ergebnissen für die Anbieter gekommen. Befürworter der Betriebsrente kritisierten den methodischen Ansatz der Studie scharf - auch weil sie sich auf die garantierten Leistungen beschränkte und einen aus Sicht der Kritiker vergleichsweise kurzen Ansparzeitraum unterstellte.

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