Hauptstadtflughafen "Hauptsache, Mehdorn bringt ihn ans Netz"

Das ging flott: Ex-Air Berlin- und Bahnchef Hartmut Mehdorn trat heute seinen neuen Job als Chef des pannenträchtigen Hauptstadtflughafens an. Von Aufsichtsratschef Platzeck erhält er alle Freiheiten, die er braucht - nur schnell soll es gehen.
Arbeitsbeginn für Hartmut Mehdorn: 40.000 Mängel soll der neue Hauptstadtflughafen aufweisen

Arbeitsbeginn für Hartmut Mehdorn: 40.000 Mängel soll der neue Hauptstadtflughafen aufweisen

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin - Hartmut Mehdorn hat heute Morgen sein Amt als neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens angetreten. Er habe wie angekündigt seine Arbeit aufgenommen, sagte ein Flughafen-Sprecher. Nähere Angaben wollte er nicht machen. Der 70 Jahre alte frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef soll Druck machen, damit der von Pannen begleitete Flughafen-Bau vorankommt. Vor Herbst 2014 wird es aber nichts werden, soviel steht fest.

Für seine neue Aufgabe hat der frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef Mehdorn volle Rückendeckung vom Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, dem Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD): "Herr Mehdorn bekommt die Freiheit, die er braucht. Hauptsache, er schafft mehr Akzeptanz für den Flughafen und bringt ihn endlich ans Netz", sagte er "Spiegel Online".

Platzeck verteidigte die Berufung Mehdorns: "Wir alle kennen seine Ecken und Kanten. Das habe ich immer an ihm gemocht, und ich habe auch nicht vor, ihm das jetzt abzuschleifen." Platzeck soll hute in Potsdam außerdem vor dem Landtags-Sonderausschuss zum Flughafen erscheinen. Er muss dort erklären, warum die Verpflichtung von Wilhelm Bender, dem früheren Chef des Frankfurter Flughafens, als Chefberater des Flughafens Berlin Brandenburg geplatzt war.

Der Flughafen-Aufsichtsrat hatte am Freitag überraschend den früheren Bahn- und Air-Berlin-Chef zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Mehdorns Vorgänger Rainer Schwarz musste im Januar gehen, nachdem die Flughafeneröffnung zum vierten Mal abgesagt wurde.

Bis zu 40.000 Mängel

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erwartet nun eine zügige Fertigstellung des Airports. Mehdorn habe einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem klaren Auftrag, den Flughafen fertigzustellen, sagte Wowereit im RBB-Inforadio.

Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind die Bauherren des Flughafens, dessen kalkulierte Kosten seit 2006 von 2,0 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Herbst stiegen. Eine neue Schätzung gibt es nicht.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" ist die Zahl der Mängel auf der Baustelle möglicherweise doppelt so hoch wie bislang angenommen. Von bis zu 40.000 Mängeln berichtet das Blatt und beruft sich dabei auf einen Fortschrittsbericht.

Flughafensprecher Ralph Kunkel sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm sei diese Zahl nicht bekannt. Solche Zahlen seien auch irreführend. "Das entscheidende Problem ist und bleibt die Brandschutzanlage." In dem Bericht sind allerdings auch kleinste Mängel wie ein Sprung in einer Fliese aufgelistet.

Streit wird es wohl weiter über ein Nachtflugverbot geben. Wowereit bekräftige die Berliner Position, die Nachtruhe nicht so auszuweiten, wie es Brandenburg jetzt wolle. Das sei früher gemeinsame Position aller drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund gewesen. "Und die brandenburgischen Behörden haben das bewilligt", sagte Wowereit.

wed/dpa
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